Personal Trainer all inklusive
Du bist mehr, als Du isst

Willkommen in meinem Trainingstagebuch

Mittwoch, 16. August 2017

Gewicht: Ungewiss

Liebes Tagebuch,

ich melde mich zurück aus einer kleinen Internetabstinenz. Tagebuch habe ich die letzten Wochen tatsächlich weiter geschrieben, aber mit Stift und Papier. So richtig Retro. Und ich mag es. Ich habe mich nun seit mehreren Monaten läuferisch nicht mehr bewegt. Keinen Schritt. Und ich fühle mich wohl. Ich habe derzeit keinerlei Zwänge. Ich trainiere meinen Körper hier und da und beschäftige mich natürlich weiter mit meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Futter und den Wirkungen auf unseren Körper. Man lernt ja schließlich nie aus und sollte offen sein für neue Strategien. Und wenn man Lust hat auf keine Strategien und einfach mal leben und genießen will, dann ist das auch genau richtig. Denn Leben ist kein Zustand von permanenter Kontrolle und Sinnhaftigkeit. Leben muss auch einfach mal instinktiv stattfinden.


Vergangenes Wochenende war ich dann seit langem wieder auf einem Seminar. Lernen, Input und so. „Und so“ meint an dieser Stelle knallharte Workouts im Crosstraining. Ich dachte bisher, dass ich weiß wie man sich quält und sich an die physische Leistungsgrenze treibt. Ich dachte, ich weiß was weh tut. Aber scheinbar wusste ich es nicht. Mein Horizont wurde in dieser Hinsicht ein Stück erweitert und viele meiner Muskelfasern wurden erheblich zerstört an diesem Wochenende. Ich denke nicht, dass ich diesen harten Drill bis aufs aufs Blut weiter in meinem Leben praktizieren werde. Vielleicht in Ansätzen. Ein kleines Bisschen werde ich aber mit meinem Hintern in der pinkfarbenen Komfortzone bleiben und meinem Einhorn dabei zuschauen, wie es Sternenstaub frisst.

Bei der Ausbildung zum Crosstraining hatte ich eine interessante Einschätzung des Dozenten hinsichtlich meiner Beine oder wie er sie liebevoll nannte „Monstermuskelbeine“. Er war der Ansicht, dass meine Beine auffällig überproportional trainiert seien und jetzt kommt der Witz „nicht in der Lage seien einen Marathon zu laufen und eher Sprinterbeine seien.“ Dies erinnerte mich an die dicke Hummel, die laut theoretischer Berechnung eigentlich gar nicht in der Lage ist zu fliegen. Ein Glück, dass meine Beine und die Hummel dies nicht wussten.

Mit einer Ausbildung im Crosstraining reicher geht es nun gedanklich in meine weitere Lebensplanung. Klingt dramatisch, ist es aber nicht. Ich denke, dass ich mir demnächst mal wieder einen Trainingsplan um die Ohren haue. Und dann werde ich meine Monsterbeinmuskeln reanimieren und auch wieder laufen. Wohin mich meine Beine tragen werden, weiß ich noch nicht. Das wird mein Instinkt entscheiden.



Freitag, 7 Juli 2017

Liebes Tagebuch,

ich befinde mich derzeit in einem Zustand des Trainingsvakuums. Zeiten und Leistungen sind mir gerade vollkommen Wurst. Ich bewege mich jeden Tag nach Lust und Laune. Seit fast zwei Wochen habe ich keinen Schritt mehr gemacht. Zumindest keinen mit Flugphase. Stattdessen habe ich viele Kniebeugen gemacht, unzählige Liegestützen und viele, viele Klimmzüge. Aber selbst diese Dinge mache ich nicht mit einem Leistungsgedanken. Mich interessiert es gerade nicht wie viele Liegestützen ich schaffe. Ich tue derzeit Dinge, um ein angenehmes Gefühl in meinem Körper zu erreichen. Ich habe gerade aufgehört Bestzeiten oder anderen Sachen hinter her zu rennen.


 

Ich kann mir durch aus vorstellen, dass ich mir wieder irgendwann ein Ziel suche und dann dafür arbeite, aber jetzt will ich einfach mal „gehen lassen“, mich in die Hängematte klatschen wenn ich Zeit dazu habe und mich fragen welche Sachen und Menschen in meinem Leben wichtig sind. Wer gibt einem Energie und was raubt einem Energie? Auch das Essen gehört zu den Dingen, das ich derzeit aus einem umfangreicheren Blickwinkel betrachte. Ich sehe es nicht nur als Anhäufung von Energie bzw. Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten, sondern als komplexen Input, der auch hormonell weitreichende Auswirkungen auf unseren Körper hat. Das Essen kann so viel bewirken in unserem Körper. Jeden Tag nur Fast Food zu schreddern ist eine gnadenlose Verschwendung. Da geht noch mehr.

Ich freue mich über den neuen Input in meinem Kopf, über neue sportliche Ausbildungen, die im August auf mich warten und über die vielen kleinen Geschenke des Alltags. Von lustigen Entenparaden im Park bis hin zu einem lauen Sommerabend mit Grillengezirpe und einem lieblichen Glas Mädchenrotwein. In diesem Sinne, das Leben ist zu kurz, um immer nur zu „ballern“. Wir müssen öfters mal durchatmen und loslassen.


Montag, 19. Juni 2017

Liebes Tagebuch,

es sind ein paar Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen. Der Marathon fühlt sich nun nur noch an wie eine Geschichte, die ich irgendwann mal erlebt habe. Eine schöne Geschichte mit Happy End. Meine Lauffreude und Wettkampfbereitschaft hält sich noch immer in Grenzen. Aber dies genieße ich. Zum Glück hat sich die letzten Tage ein wunderschönes Sommerwetter eingestellt. Die besten Voraussetzungen für ausgiebige Momente in meiner Hängematte.

Am vergangenen Wochenende wurde mir dieses schöne Wetter leider zum Verhängnis. Ich schlappte durch den Rasen zu meiner Hängematte und latschte dabei in eine Biene, die gerade dabei war unseren Klee zu melken. Der Stachel blieb in meinem Vorfuß hängen und entfachte im „Fußumdrehen“ fürchterliche Schmerzen. Ich rupfte den Stachel aus meinem Treter und lag betäubt vor Schmerzen regungslos in meiner Matte. Einen Bienenstich hatte ich in meinem bisherigen Erdendasein noch nicht getestet. Ob ich wohl nun einen anaphylaktischen Schock bekommen würde? Zum Glück geschah außer einem zerreißenden Schmerz nichts. Zumindest für den Moment. Eine Nacht später sah die ganze Sache etwas anders aus. Trotz Betaisodona und Kortison war mein Fuß über Nacht zu einem prallen Monster mutiert. Die kleinen Zehen waren geschwollene Würste, die kurz vorm Platzen waren. Zwei Tage hielt sich dieses Format wacker. Nach vielen Rivanolbädern reduzierte sich das Volumen meines Fußes unter dem schrecklichsten Juckreiz, den ich je in meinem Leben hatte. Mittlerweile ist der Fuß so gut wie normal. Die Zehen sind noch etwas wurstig.



Die Attraktivität meiner ohnehin nur mittelhübschen Füße hat sich weiter reduziert, da meine Fußnägel auf Grund der gelben Rivanolbäder nun gelb/braun sind. Aber bis auf diesen kleinen Wohlbefindlichkeitszwischenfall genieße ich derweil die zwanglose Betätigung in der Natur und den Konsum von reichlich gutem und natürlich stets artgerechtem Futter. Bei meinen „Hängematten Orgien“ habe ich viel nach gedacht. Beim Betrachten der Kondensstreifen der Flugzeuge, die wie eine Signatur der Erholung, Entspannung und Ferne den blauen Himmel verzieren, fühlte ich auch eine gewisse Sehnsucht. Einen Wunsch nach Abstand zu meinem Alltag. Ich würde gerne in die Natur. Zurück zu den Basics. Weg von dem komplizierten Leben als moderner Homo Sapiens. Sich an den einfachen Dingen erfreuen. Einfach mal Abschalten. Ich glaub, daran werde ich die nächsten Wochen arbeiten.


Mittwoch, 24. Mai 2017

Liebes Tagebuch,

es ist vollbracht. Meine zwischenzeitlich kaum enden wollende Vorbereitung ist Geschichte. Ich habe die letzten Monate oft das Gefühl gehabt, dass ich schon immer für diesen Marathon trainiert habe und noch nie etwas anderes getan habe.

Die letzten zwei Wochen hatte meine Vorbereitung dann einen gravierenden Einbruch. Ich wollte nicht mehr. Ich hatte keine Lust mehr zu laufen. Meine Trainingsreduktion zwecks Regeneration fiel somit ziemlich krass aus. Allerdings nur was die Lauferei anging. Ich machte selbst einen Tag vor dem Marathon noch Workouts, weil ich schlicht und ergreifend Lust dazu hatte. Ich hatte einen Zustand der absoluten Trainingsanarchie erreicht.



Das klassische „tapern“ mit tonnenweise Kohlenhydrate und schonen, konnte ich auch nicht umsetzen. Einfach weil ich keine Lust dazu hatte. Als der Tag des Marathons dann endlich gekommen war, war ich so tief verunsichert, dass ich lange über einen Marathonstart nachdenken musste. Ich fühlte mich weder mental noch körperlich in der Lage 42,195 km zu laufen. Ich entschloss mich am Morgen des Marathons es zu versuchen. Mit einem so unglaublich guten Lauf hätte ich nicht in den besten Träumen gerechnet. Mit einer 3:25:16 hatte ich nicht nur meine Bestzeit zersprengt, sondern auch den 5. Platz Gesamt und den 1.Platz in meiner Altersklasse erreicht. Der Marathon und das Ergebnis kommen mir irgendwie surreal vor und ich kann es kaum glauben.Während der ganzen zwei Monate habe ich jeden Tag Tagebuch geschrieben und habe dokumentiert was ich gemacht habe, wie ich mich gefühlt habe und was mir sonst noch alles in meinem kleinen, unspektakulären Leben wiederfahren ist.

Das Resultat werde ich nun nochmal durchkauen und in ein Buch verpacken. Aus diesem Grund gibt es an dieser Stelle keine Berichterstattung zu meinem Lauf.

Ich danke allen, die mich vorher, sowie unterwegs motiviert haben. Und ich danke allen, die regelmäßig meinen verbalen Stoff konsumieren. Schön, dass ihr da seid.


Samstag, 29. April 2017

Gewicht: 58,6 kg

Liebes Tagebuch,

hier eine kleine Zwischenbilanz hinsichtlich meiner Trainingsplanänderung. Als allererstes sei gesagt oder viel mehr geschrieben, dass  mir das angezogene Training in Sachen Quantität auf jedenfall sehr viel Freude macht. Auch wenn ich hier und da Diskussionen mit meinem Schweinehund auszutragen habe. Ich war ja noch nie ein sonderlich eifriger Kilometerschrubber, generell habe ich es nicht so mit dem Schrubben, aber diese Woche habe ich nun schon 75 km auf dem Tacho. Morgen gibt es noch eine kleine Runde Austoben beim Neheimer Citylauf. 10 km. 9 Runden. Na, wenn ich mich da mal nicht verzähle. Zielzeit ist nebensächlich. Der einzige Grund warum ich dort renne, ist mit Vernunft nicht zu erklären. Ich hab einfach Bock drauf. Verrückt oder? Die Beine werden wahrscheinlich alles andere als frisch und knackig sein, vielmehr werden wir es mit zähem Trockenobst zu tun haben. Wie dem auch sei, ich freu mich auf so viele Runden Wettkampfdunst.


Die Zeit bis zum Vivawest läuft. Nur noch eine richtige Umfangwoche und dann wird ordentlich zurück geschraubt. Oh man, ich darf da gar nicht so haarklein drüber nach denken, sonst haut es mir gleich wieder die Verdauung zu Brei. In diesem Sinne, werde ich mich den Rest des Tages weiter mit braven "Carbos" beschäftigen. Meine kleinen, glücklichmachenden und wohlschmeckenden Freunde.   Bye bye!


Montag, 24. April 2017

Gewicht: 59,0 kg

Gewicht der Beine: Mindestens 10 kg

Liebes Tagebuch,

mein Aufenthalt in Hamburg hatte weitreichende Folgen. Meine 1000 Kniebeugen am Samstag haben mir mein geplantes Marathontraining komplett zerschossen. Aber ich bereue keine einzige Kniebeuge. Es war großartig und ich würde so einen kranken Kram immer wieder tun. Der Muskelkater übertrifft alles bisher da gewesene. Kein Marathon, kein Ultramarathon oder sonst was, hat mir bis jetzt einen so wunderbaren Kater verschafft. Das bekommt man auch nicht mit richtig Hochprozentigem hin.





Auch wenn ich keinen Applaus geerntet habe oder eine Urkunde für meine skurrile Mission bekommen habe, war ich ein klein wenig stolz auf mich. Gleichermaßen genieße ich nun jeden Schritt der schmerzenden Beinchen.Neben einer ganzen Batterie Arbeit und Lernen, habe ich Hamburg natürlich auch als „Marathon Supporter“ unsicher gemacht. Es war etwas ungewohnt am Straßenrand zu stehen und nur zuzugucken. Das Wetter meinte es zu dem nicht sonderlich gut mit uns Menschlein. Es hagelte, regnete und windete in nördlicher Manier.

Hin und wieder kam auch die Sonne zum Vorschein und ließ die Klamotten für einen kleinen Moment trocknen. Ich war ziemlich beeindruckt von der Masse der Läufer und ihrem Biss. Sie trotzten dem Wetter und verfolgten zielstrebig ihr Ziel. Für mich würde in vier Wochen der Startschuss fallen und ich kam mir nicht im Geringsten bereit vor. Mit meiner „Post Kniebeugen Beweglichkeit“ war ich eh froh wenn ich heile zum Klo runter und wieder rauf kam. Voller Ehrfurcht betrachtete ich die Läufer und feuerte den ein oder anderen Bekannten eifrig an. Nach einem nasskalten Support ging es dann wieder zurück in die Heimat und meine Gedanken beschäftigten sich intensiv mit meiner Marathonplanung.


Mein geschmiedeter Plan war hinfällig. Es war an der Zeit ein paar Optimierungen vor zu nehmen. Die einzige Frage, die sich dabei stellte, war: Würde der Muskelkater in diesem Leben jemals wieder weg sein? Die Zeit wird es zeigen. Nun geht es weiter mit einem ganz neuen Plan. Nur noch drei richtige Trainingswochen. Dann ist die Arbeit getan und die Regeneration muss den Rest machen.


Donnerstag, 13. April 2017

Gewicht: 58,8 kg

Liebes Tagebuch,

hier ein kleines, mageres Update zu meinem derzeitigen Erdendasein. Meine Marathon Vorbereitung verläuft nach Plan. Meine Essensplanung ebenfalls. Die Entwicklung ist für mich gerade noch ein riesiges Fragezeichen. Aber ein pinkes, nach Mango duftendes und nach Erdnussbutter schmeckendes Fragezeichen. Ich fühle mich ziemlich wohl in meiner Haut und bin ganz guter Dinge. Hin und wieder kommt es zwar vor, dass ich meinen Wecker morgens etwas irritiert angucke und ebenso irritiert meine Laufschuhe schnüre, weil ich mal wieder meine Nüchterneinheiten im Halbdunklen runter reiße, aber Summa Summarum ist alles gut. Für mich stehen nun zwei „Larifari Tage“ an, um mich für Samstag etwas zu erholen. Ich habe keine Ahnung, was ich am Samstag auf den 21,1 km laufen kann. Ich werde über etwaige Zeiten erst gar nicht nach denken. Ich hoffe nur, dass sich das Wetter doch noch zum Besseren entwickelt. Wo ist der Stern nur hin, der immer so schön warme Luft akquiriert? Ich laufe derzeit rum, wie im tiefsten Winter. Also lieber Petrus, wenn Du das hier liest, bitte mach mal ein bisschen Sommer. Nur ein klein wenig. Ein Schisschen quasi.

Da ich heute und morgen „Relax“ auf dem Plan habe, werde ich mir ein paar DVDs rein zwitschern. Das ist für mich schon totales „Ausrasten“. Wann habe ich das letzte Mal den Fernseher angehabt? Lehrvideos zum Lernen fallen hier mal raus. Keine Ahnung. Selbst der wöchentliche Tatort wird verschmäht. Ich langweiliger Freak.


Nun denn, dann wünscht Dir der Langweiler schon mal wunderschöne Ostern. Lass es Dir gut gehen.  


Dienstag, 4. April 2017

Gewicht: 59,2 kg

Liebes Tagebuch,

die zweite Woche meines Marathontrainings ist angebrochen. Es läuft so weit nach Plan. Meine Trainingseinheiten habe ich bisher artig abgearbeitet. Ach was heißt hier „abgearbeitet“? s ist mir jeden Morgen eine Freude um 6:00 Uhr aus dem Bett zu plumpsen, um mich mit den Kontraktionen meiner Beinmuskeln zu beschäftigen. Und nicht nur das, ich darf ja Dank meines Workouts auch öfters mal andere Muskeln kasteien. Das mag jetzt nach einer kleinen Portion Ironie klingen, aber um es kurz auf den Punkt zu bringen: Ich bin gerade unendlich dankbar, dass ich mit solch einer Motivation trainieren darf und kann. *Klopf ziemlich feste auf Holz*

Am Wochenende stand für mich der Korschenbroicher Citylauf an. Der erste Lauf des diesjährigen Rhein Kreis Neuss Cups. Trotz der etwas überteuerten Startgebühr von 21 Euro (17 € letzte Preisgrenze + 4 € Nachmeldegebühr)*, habe ich mich auf die insgesamt acht Runden gemacht. Das Wetter meinte es wahnsinnig gut mit uns. Die Sonne strahlte sich einen ab, so dass mir der Schweiß nur so aus den Schweißdrüsen spritzte. (unwesentliche Übertreibung) Die Stimmung an der Strecke war super. Das Zählen der vielen Runden erinnerte mich an meinen „Home Run“, den Neusser Sommernachtslauf. Laufen und Zählen. Eine klitzekleine Herausforderung für die graue Substanz innerhalb meiner vor Hitze kochenden Schädelkalotte.Ich fühlte mich den ganzen Lauf wahnsinnig gut. Der forcierte 30er von Donnerstagmorgen war subjektiv nicht zu spüren.



Der Kurs führte durch die Korschenbroicher Innenstadt und das Starterfeld von knapp 500 Läufern bildete eine ununterbrochene Läuferschlange. Dies bedeutete ein kontinuierliches Überholmanöver mit spießroutenlaufähnlicher Laufstruktur. Wie immer schaute ich unterwegs nicht auf meine Uhr und ließ mich treiben von meinem Gefühl. Ich forcierte die letzte Runde und hatte am Ende einen super eingeteilten Lauf mit freudig, wahnsinnigem Grinsen auf der Ziellinie. Die persönliche Bestzeit um genau eine Minute verpasst.

44:12 und 10. Frau Gesamt und 3. meiner Altersklasse. Aber nun gut, Zeit ist nicht alles. Der Lauf war anstrengend und zugleich zu tiefst befriedigend. Eigentlich das Wichtigste oder?

Heute ging es auch direkt weiter mit dem Trainingsalltag. 6:00 Uhr aufstehen und 10 x 400 m Intervalle. In Sachen Futterzufuhr läuft es auch bombig. Ich könnte permanent in die Tischkante beißen, aber nicht vor Ärger, sondern wegen Hunger. Mein Fresselchen ist der Kracher und meine Fantasie knallt öfters mal durch. Meiner Mutter habe ich auch schon das ein oder andere auf geschwatzt. Während sie es verspeiste, sagte sie immer wieder „Das ist aber komisch…“ Ich fragte sie, ob es ihr nicht schmeckt, woraufhin sie sagte „Doch es schmeckt, aber sowas habe ich noch nie gegessen!“ 

Eine kleine Geschmacksprobe für Dich:

150 g Lachs

150 g Brokkoli

½ Apfel

1 ½ TL Erdnussbutter

Zubereitung: Lachs und Brokkoli kurz in der Pfanne erwärmen und dann alles zusammen hauen. Fertig. Ach ja und natürlich essen.


So, das muss reichen als kleines Update. Eine ausführliche Dokumentation meiner Marathon Vorbereitung inklusive Ernährungs- und Trainingsinput, sowie meiner immer wieder aufkommenden skurrilen Gedanken und Gefühle, wird gerade anderweitig verarbeitet und hoffentlich in einem Knaller-Bestseller veröffentlicht. *hüst*


*Dank einer lieben Dame bei der Anmeldung, konnte ich mich anmelden, da ich nur 20 € mit hatte und sie mir den fehlenden Euro gab.


Sonntag, 26.03.17

Gewicht: 59,2 kg

Liebes Tagebuch,

es wird ernst. Ich habe es getan. Realy! Nachdem ich gestern meinen ersten 30er gemacht habe und den gar nicht mal soooo endlos erfolgreich beendet hatte, habe ich mich heute für den Vivawest Marathon angemeldet. Da ich die letzten Tage ziemlich eingeschränkt esse, um meinen Stoffwechsel aus dem Kohlenhydrat-Koma zurück zu holen und um ein paar überflüssige Kilos abzuwerfen, war der gestrige „Lange“ nach hinten raus geprägt von einer leichten Unterzuckerungssymptomatik.Aber ich weiß das einzuschätzen und bin optimistisch, dass ich das in den Griff bekomme und alles gut wird.

(Kichere gerade etwas hysterisch vor mich hin)


Der Plan steht. Die einzelnen Wochen sind konstruiert. Auf meinem Weg in den „Pott“ werde ich noch zwei Zwischenstopps machen. Nächsten Sonntag beim Korschenbroicher Citylauf und dann an Ostern beim Paderborner Halbmarathon. I’m hungry! Auf Marathon. Und aufs Essen.


Meine Nahrungsaufnahme wird die nächste Zeit auch noch etwas kastriert ausfallen. Auf den langen Distanzen machen sich ein paar Kilos mehr oder weniger ziemlich bemerkbar. Es gibt eine nette Formel: Jedes Kilo weniger macht 2,5 Sekunden Zeitgewinn auf den Kilometer.  Bei 2,5 kg macht das auf den Marathon 4:24min. Wenn ich um eine neue Bestzeit kämpfe, dann können das die entscheidenden Minuten sein.  Und ein paar Kilos dürfen deswegen gehen. Mir knurrt zwar öfters mal mein Bäuchlein im Moment, aber ich bin volles „Pfund“ belastbar und fühle mich echt gut. Schmecken tut’s Futter zum Glück auch.


Nun denn, es sind jetzt noch zwei Monate bis zum Marathon. Ich habe keine Ahnung was möglich ist. Ich weiß nur eins. Ich bin gerade echt grelle und habe Lust zu Laufen und die 42,195 km endlich wieder anzugehen. Ich kann es noch nicht ganz glauben, aber seit zwei Jahren stand ich auf keiner Marathonstarterliste. Das hat sich heute geändert. Heute hatte ich übrigens „Time to relaxe“. Außer einem kleinen Spaziergang habe ich nichts gemacht und es genossen.



Auf meiner Runde bin ich an einem Straßenschild vorbei gekommen, an dem ich immer an das eine denke, wenn ich es sehe. Es hat zwar eigentlich nichts damit zu tun, aber dennoch denke ich daran. Und zwar denke ich bei diesem Schild immer an die magische Grenze von 3:30 beim Marathon. 3:28 steht bei mir als Bestzeit. Kann ich da nochmal hin kommen? Oder sogar drunter? Ich habe nicht die blasseste Ahnung. Das Einzige was ich weiß ist, dass ich noch nie so einen Weg dorthin „gelaufen“ bin.

Let’s go! Zeit für neue Ziele!


Montag, 22.03.17

Liebes Tagebuch,

die Reise nach Kenia liegt nun hinter mir. Die Erfahrungen und Erlebnisse kann man schwierig in Worte fassen. Für mich als Sportlerin, Personal Trainer und Ernährungsberaterin war diese Reise auf zwei Ebenen bereichernd. Zum Einen auf einer sehr tiefgreifenden und menschlichen Ebene und darüber hinaus noch auf einer eher fachlichen Ebene, die sich mit dem Training, der Ernährung und solchen Dingen befasst hat. Da Ersteres den wichtigeren und für mich berührenderen Part darstellt, möchte ich hierzu noch ein kleines Resümee schreiben.

Neben den täglichen Trainingseinheiten, die immer vor dem Frühstück absolviert wurden, haben wir jeden Tag einen Einblick hinter die Kulissen erhalten. Vor der Reise hatte ich schon ein gewisses Bild von Kenia und im Speziellen auch von dem Leben der Läufer dort, aber das Leben hautnah mit zu bekommen ist noch mal eine ganz andere Nummer. Durch unser eigenes Training unter diesen Bedingungen konnten wir aus sportlicher Sicht spüren, wie es sich anfühlt in dem roten Sand und der dünnen Luft zu trainieren. Wir konnten die Hitze, den Wind und die buckligen Pisten am eigenen Leib erleben. Nach einer anstrengenden Trainingseinheit unter der Dusche zu stehen und festzustellen, dass nur ein paar Tropfen aus der Leitung kommen, gehörte bisher auch noch nicht zu meinem Erfahrungsschatz.


Ich darf es eigentlich gar nicht laut sagen, geschweige denn schreiben, aber ich hatte tatsächlich ein paar Tüten Badezusatz mit im Gepäck. „Hey, vielleicht gibt es dort ja eine Badewanne und ich kann nach den anstrengenden Einheiten mal ne Regenerations-Wanne nehmen“. Den Gedanken, dass für ein Bad neben dem Vorhandensein einer Badewanne auch genügend Wasser nötig ist, habe ich nicht gehabt. Als ich begriffen hatte, dass es hier nicht selbstverständlich ist, genügend Wasser zum Waschen zu haben, fühlte ich mich wie eine kleine, verwöhnte Prinzessin.

Ich gewöhnte mich an die roten, staubigen Füße und das spärlich tröpfelnde Wasser aus der Leitung. Das Leben hier war etwas anders.  Etwas reduzierter. Und da wir in einem guten Hotel untergebracht waren, waren wir noch meilenweit entfernt von dem Standard, den die Menschen hier haben. Wir bekamen morgens, mittags und abends das beste Essen und konnten die meiste Zeit „relaxen“ und uns erholen. Und selbst unter diesen luxuriösen Bedingungen fing ich an jeden Tag mehr zu schätzen, was ich zu Hause hatte.

Das Training der Kenianer ist qualitativ und auch quantitativ ganz weit vorne. Für mich unbegreiflich wie man solche Laufleistungen abliefern kann. Alles nüchtern. Auch die hochintensiven Intervalle auf der Bahn und die langen Läufe auf der „Moiben Road“. Die Pace, die dort gerannt wird, ist bereits beim Zuschauen atemberaubend. 800 m Intervalle werden in einer Pace von 2:12 auf den Kilometer gelaufen. Beim Tempowechsel werden 2 km in einer Pace von 2:30 auf den Kilometer gelaufen. Der „langsame“ Kilometer dazwischen wird in 3:30 auf den Kilometer gelaufen.



Ich schaffe vielleicht mit "Ach und Krach" 400 m in einer Pace von 3:30. Aber das nur einmal. Es ist einfach unglaublich. Aber nun denn, man muss sich auch klar machen, dass die Kenianer eine ganz andere körperliche Voraussetzung mitbringen. Hinzu kommt, dass die Menschen in Kenia nichts zu verlieren haben und mental eine ganz andere Leistungsbereitschaft haben, als wir. Uns geht es im Grunde zu gut, um uns in der Form zu quälen und was zu riskieren. Wir haben genug Essen und einen viel zu komfortablen Lebensstil. Sich daraus zu lösen und wieder anfangen um sein Essen und sein Leben zu kämpfen, widerspricht unserem Instinkt Reserven zu schonen. Der Schweinehund in uns ist zu machtvoll, um derart Leistung zu bringen. Für die Kenianer stellt das Laufen und Trainieren noch den ursprünglichen Zweck des Überlebens dar. Daher bringen sie eine ganz andere Motivation mit.

Neben dem Training wurden wir zu einem Eliteläufer auf eine Tasse Tee eingeladen, durften Teil haben an einer Kindergeburtstagsfeier, waren zu Gast in einem Kindergarten, sowie in dem sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche. Egal wo wir waren, wir wurden immer herzlich begrüßt und umsorgt. Die Menschen haben materiell wenig, aber menschlich wahnsinnig viel und das teilen sie.




Ich hoffe, dass ich noch lange davon zehren werde und der rote Staub an meinen Laufschuhen mich noch lange daran erinnern wird. Im Moment hat mich die Reise auf allen Ebenen motiviert. Motiviert alles zu geben.Auch mal was zu riskieren. Und auch mal wieder den luxuriösen Komfort zu minimieren.

Naja, vielleicht nicht in Sachen Körperhygiene. Aber mein Essen werde ich mir jetzt verdienen. Jeden Tag. Und dann werde ich dankbar sein. Jedes Mal, wenn ich was zwischen die Zähne bekomme.

Ach ja, und wenn sich meine Verdauung von diesem Trip erholt hat, werde ich auch dankbar sein. Denn meine Darmflora ist derzeit im A*** und das nicht nur im anatomischen Sinne.

So, let’s go hard. Ich habe Lust auf Marathon.

Montag, 13.03.17 

 Liebes Tagebuch, 

 die erste Nacht in Iten liegt nun hinter mir. Mir fehlen die Worte, um die Landschaft und die Atmosphäre zu beschreiben. Es ist eine ganz andere Welt. Unbeschreiblich. Alles wirkt einfach so freundlich, lebendig und bunt. Vielleicht werden mir in den nächsten Tagen noch passende Wörter einfallen. 😁 

Heute morgen ging es auf unseren ersten Lauf mit unseren kenianischen Hasen. 🐇 Natürlich vor dem Frühstück. Normalerweise ist der erste Gedanke wenn ich wach werde "Hunger!"  Und die Vorstellung morgens vorher richtig zu trainieren ein Albtraum. 🙈Aber hier ist es irgendwie anders. Hier läufst Du auch ohne Probleme vor dem Frühstück. Nüchtern ist hier anders. Allerdings ist hier auf 2400 m atmen auch anders. 😂 Auf die Pace braucht man hier gar nicht zu gucken. Neben der dünnen Luft geht die Piste immer schön Berg auf und Berg ab. Der Puls ist hier schon beim rum liegen erhöht. Das benötigt erstmal ein wenig Anpassung. Ein paar neue Blutkörperchen müssen her, um die dünne Luft zu kompensieren. 😊 

Mit unseren Hasen ging es dann über die roten, steinigen Wege. Immer wieder kommen einem kenianische Läufer entgegen. Sie freuen sich uns zu sehen und begrüßen uns freudig. Am Straßenrand stehen immer wieder kleine kenianische Kinder, die uns neugierig begutachten. Manchmal läuft auch einfach ein Kind mit.🏃 

Das Leben ist hier mehr als einfach. Kleine Hütten, wie man sie aus dem Fernseher kennt. Kein moderner Schnick-Schnack. Aber die Menschen sind hier wesentlich fröhlicher. Wenn man den Menschen hier ins Gesicht guckt, hat man das Gefühl in glückliche Gesichter zu gucken. Und das obwohl es hier für unsere Maßstäbe an allen möglichen Stellen an etwas mangelt. Es gibt einem wirklich zu denken wenn in einer Welt, die wir als "Entwicklungsland" bezeichnen, die Menschen glücklicher und zufriedener rum laufen, als in unserer modernen westlichen Welt. Es sind halt immer wieder die gleichen Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind. Und die kann man mit Geld nicht kaufen. Und die Gefahr unserer extrem modernen Welt ist nicht mehr der Säbelzahntiger🐯, sondern der ganze neumodische Kram, der uns die Sicht auf die wirklich wichtigen Dinge verklärt. 😊 

Wie gesagt, ich bin etwas überwältigt von dem Zauber dieser Welt hier und daher fehlen mir die Worte, um es treffend zu beschreiben. Aber manchmal ist auch weniger mehr.😊 

Macht es gut! 🤗😙


Samstg, 04.03.17

Liebes Tagebuch,

mein Plan sah es vor heute in Langenberg den 11 km Lauf mit zu laufen. Somit hatte ich dann gestern Vormittag begonnen meinen Kohlenhydratkonsum massiv in die Höhe zu treiben.

Bam, da hatte mein Hirn endlich mal wieder schnellen Stoff zum verbrennen.Glorreiche Ideen sind mir allerdings trotz der „Carbo-Power“ nicht gekommen.
Heute Morgen ging das Konsumieren von dem feinen Stoff dann weiter.


 


Haferflocken mit Äpfelchen, Rosinen, ein paar Nüssen, Joghurt und Zuckerrübensirup. Dazu natürlich viel getrunken, damit mein Körper genug Wasser hat zum Glykogen einlagern.



Während ich dann also meinen Körper für das Rennen präpariert habe, zwitscherten draußen die Vögel vor sich hin und die Sonne zauberte eine frühlingshafte Atmosphäre. War es endlich soweit? Ende mit „kalt“ und Winter? Oh bitte, das wäre großartig! Würde ich wohl gleich in kurz-kurz laufen können?

Ich arbeitete etwas in meinem „Home-Office“ vor mich hin und vergaß beinahe die Zeit. Mein Magen machte mich zeitig darauf aufmerksam, dass ich noch etwas Essen nachschieben musste. Ich klappte den Laptop zu und schlappte zum Herd, um noch ein paar Nudeln zu kochen.


Nach den Nudeln ist vor dem Lauf oder so ähnlich. Ich fiel mal wieder in ein Kohlenhydratkoma. Ein kleines Verdauungsschläfchen würde mir bestimmt gut tun. Was war ich müde. Ich blickte raus. Strahlend blauer Himmel. Es roch nach Frühling. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr mich ins Auto zu setzen, um „rennen“ zu fahren. Da lag ich nun mit meinem kohlenhydratbeladenen Körper und hatte nicht die geringste Ambition einen Wettkampf zu bestreiten.


Und da ich ja ein ziemlich spontaner und emotionaler Mensch bin, habe ich das Ding halt sausen lassen.
Aber was tun mit den Unmengen an Kohlenhydraten in meinen Muskeln? Einfach verkommen lassen geht ja gar nicht! Also habe ich das absolute Killer-Programm gestartet.

Kettlebell-Zirkel, Brücken-Zirkel und 60 min Laufen. Nach meinen beiden Zirkeln waren die Beine so matsche, das alles nur noch zitterte. Yeah! Wenn sich das mal nicht nach Leben anfühlt! 

 

Mit einem wunderbaren Erschöpfungszustand ging es dann wieder zum gemütlichen und leckeren Teil Tages über.





Quint Essenz des Tages ist für mich heute, dass man einfach auch mal spontan auf seinen Bauch hören soll. Und das nicht nur im Bezug auf den Appetit und Hunger, sondern auch was das Leben an geht. Eine Teilnahme bei einem Lauf mag hier nur ein bedeutungsloser, kleiner Teil davon sein.

Und bleib stets wach und offen für die unerwarteten Dinge!


Sonntag, 26.02.17


Liebes Tagebuch,

seit ich nun die Marke des 33. Lebensjahrs erreicht habe, fühle ich mich irgendwie mehr schlecht als recht. Ich kann mich daran erinnern, dass es schon einmal ein Jahr gab, in dem das derart strukturiert war. Nun denn, das mag an der Tatsache liegen, dass ich im Winter Geburtstag habe und da in der Regel mehr Erkältungen on Tour sind.

Eigentlich bin ich was die Gastfreundschaft gegenüber Viren angeht nicht sonderlich nett und sie lassen mich daher auch immer in Ruhe, aber dieses Jahr ist es den Viren scheinbar egal. Daher hatte ich diese Woche eine unplanmäßige Ruhewoche. Nicht nur die Erkältung hatte mich etwas umgehauen, sondern auch ein netter Chiropraktiker auf dem Seminar am vergangenen Wochenende. Er hatte mich netterweise –zwar ungefragt- zu Recht gestutzt. Es krachte an allen Ecken und Enden meines kleinen Körpers und die folgenden Tage habe ich mich bewegt wie eine 90 Jährige.


Bei jedem weiteren Tag der ins Land ging, dachte ich mit Schrecken an den Halbmarathon. Es würde definitiv ein Kampf werden. Und das wurde er auch.

Ich hatte den Hauptsumpf der Erkältung zwar hinter mir gelassen, aber so richtig pralle ging es mir Sonntagmorgen noch nicht. Meine Nebenhöhlen war noch etwas „sekretbefüllt“ und mein Körper war voll im Degenerationsmodus. Es ist erschreckend wie schnell der Körper an Leistung abbaut wenn man wirklich nichts tut.

Beim Warmlaufen fühlten sich meine Beine eigentlich ganz geschmeidig an. Geschmeidig vom vielen Nichtstun halt. Das mich dieses Gefühl nicht den ganzen Halbmarathon begleiten würde, war mir allerdings ziemlich klar.


1:30 min hatte ich in der Gesamtwertung Abstand auf die 2. meiner Altersklasse. Und das ist auf einem Halbmarathon schnell aufgeholt. Eigentlich hatte ich tief in mir drin den 1. Platz abgehakt. Zu schlecht war meine Verfassung. Ich glaube zwar an die Existenz von pinken Einhörnern, aber nicht an derartige Laufwunder. Ich setzte mir ein Ziel von unter 1:40. Das schien mir realistisch.

Auf dem Weg nach Hamm hatte ich mich das erste Mal in dieser Serie versucht mit Musik zu stimulieren und zu motivieren. Anstatt einer „Killer-Renn-Motivation“ stellte sich ein eher unproduktiver Zustand der emotionalen Rührung ein. Oh man, mir schienen wieder die Hormone dazwischen zu funken. Man hat es nicht leicht als Frau. Nach ein paar tiefschürfenden Liedern hatten sich sämtliche Nackenhaare aufgestellt, die Kehle hatte einen schönen Kloß und ich hätte mir gerne ein Loch gebuddelt, um mich dort zu verstecken. Warum auch immer, aber das „Duracel-Häßchen“ in mir war alles andere als aufgedreht.
 
Um 10:00 Uhr ging es dann los. Die Beine fühlten sich nach wie vor okay an. Zum Tempo konnte ich nicht viel sagen, da ich ja nie auf die Uhr gucke. Ich bemühte mich ruhig zu laufen, da ich leider die letzten Wochen sehr, sehr, sehr wenig in die Länge trainiert hatte. Die 21 km würden lang werden.


Bereits nach einem Kilometer überholte mich die AK 2. Sie würde heute das Rennen machen. Das war klar. Ob sie die 1:30 min rausholen würde war die Frage. Mit jedem vergehenden Kilometer wurde der Abstand zu ihr größer und mein Zustand bescheidener. Ich versuchte ruhig weiter zu laufen. Es war ziemlich windig und der Wind kam auf der ersten Hälfte von Hinten. Der Logik nach bedeutete dies, dass die zweite Hälfte doppelt zäh werden würde. Aber wie sagt man so schön, Gegenwind formt den Charakter.
Ich lief und lief und suchte immer wieder in meinem Kopf nach den Melodien, die mich auf dem Hinweg motivieren sollten. „Run, run, run…“

Ich versuchte zu ziehen. Der Abstand zu der 2. meiner AK wurde immer, immer größer. Egal, einfach weiter ziehen. Mein Kopf fing an zu brummen. Dies war leider keines der schönen Melodien. Also doch lieber etwas ruhiger? Ich war mir unsicher. Ich wollte meinen Körper nicht zu sehr quälen. Schließlich war er nicht zu 100% tutti.

Nach der Hälfte wurde es dann auch immer zäher. Ich wollte aber durchhalten. Ich konzentrierte mich einfach mein Tempo zu halten. Die Schritte wurden schwerer, immer schwerer. Komm weiter, einfach weiter laufen. Und wenn es gar nicht mehr geht, dann läufst Du halt auch einfach weiter.Irgendwie so wird es schon gehen.


Die Kilometer, die vor mir lagen schrumpften langsam. Das Ziel zog mich stetig weiter. Und dann wurde ich auf einmal schrecklich durstig. Was war ich nur ein Jammerlappen. Ein wenig musste ich innerlich lachen über mein Gequengel.

Vor mir schnaufte ein schwarz gekleideter Läufer wild und testosterongeladen vor sich hin. Die Geräuschkulisse war beeindruckt. Begleitet wurde diese Performance von einem regelmäßigen Ausrotzen von Speichel oder viel mehr Schleimagglomeraten, die sich kreativ im Wind drehten und zum Glück immer irgendwo neben mir in den Asphalt einschlugen.

Ich versuchte aus Sicherheitsgründen an ihm vorbei zu ziehen, da mir die Positionierung hinter ihm im Gegenwind und den regelmäßigen Absonderungen gefährlich erschien.  Ich zog neben ihn und es passierte was immer passiert, wenn solche testosterongeladenen Typen auch nur einen Hauch von Östrogen wittern. Er sprintete los wie von der Tarantel gestochen. Die Geräusche wurden proportional zur Geschwindigkeit lauter und die Schleimagglomerate größer. Beeindruckend und unterhaltsam zu  gleich. Nach drei Sprintmanövern war es dann allerdings aus. Ich zog vorbei und hatte mich aus dem Windschatten gerettet.

Die letzten Kilometer wurden noch ziemlich zäh. Ich hatte keine Ahnung wie viel Zeit ich verloren hatte, aber es war mir auch egal. Ich wollte nur noch ins Ziel und etwas trinken. Vor lauter Durst brummte mein Kopf nun noch mehr und mein Mund war ganz klebrig und trocken.

Ich schleppte mich mit 1:38:17 ins Ziel und war froh das Rennen geschafft zu haben und endlich etwas trinken zu können. Nach dem ich mich ordentlich bewässert hatte, gab es dann die Siegerehrung der Serie. Absolut unerwartet hatte ich tatsächlich den 1. Platz verteidigt.


 


Und nun bin ich ganz schön platt und glücklich zu gleich und hoffe, dass ich bald wieder gesund bin und mich wieder saftiger fühle. Es ist schon ein wahnsinniges Privileg gesund zu sein.
Bis bald!