Personal Trainer all inClusive
   Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel  bringen.

Willkommen in meinem Trainingstagebuch

Freitag, 18. Mai 2018

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

eine kleine Odyssee des Cheats liegt hinter mir. Die vergangenen Wochen waren geprägt von diversen Ausnahmen. Ausnahmen sind großartig! Aber ich find es auch immer wieder schön, wenn meine geliebte Routine wieder eingekehrt ist. Eigentlich ganz cool, wenn man seinen Alltag besser findet als die Ausnahme. Und die Ausnahme ist ja schließlich auch toll. Meine Güte, so viel Gutes ist ja kaum zu ertragen.

Letzte Woche waren wir in einem Kurzurlaub in Greetsiel. Normalerweise hätte ich die wunderbare Seeluft und schöne Landschaft zum Rennen genutzt. Aber mit Rennen ist ja derzeit noch immer nicht viel los. Man könnte auch sagen, dass in dieser Hinsicht ziemlich Ebbe herrscht. Selbst das Gehen ist zurzeit nur mittel. Seit ich wieder den ganzen Tag arbeite, rebelliert der Knöchel mit seinem ganzen Titan-Gerümpel. Aber was soll’s. Ich übe mich einfach weiterhin in meinen Ersatzhandlungen. Und eigentlich liebe ich sie. Auch wenn nichts über einen vernünftigen, richtigen Lauf mit Flugphasen geht. Was würde ich gerne wieder traben, laufen und springen. *träum*. Egaaaaaal. Irgendwann. Wird. Es. Wieder.

Da ich in Greetsiel trotzdem etwas von der schönen Seeluft haben wollte, bin ich mit meiner 10 kg Kurzhantel zu einem kleinen See unterhalb des Deiches spaziert. Der Weg dorthin war bereits anstrengend, da 10 kg im Rucksack schon deutlich zu spüren sind. Am See habe ich dann an einer Bank Quartier bezogen und habe dort 1000 Kniebeugen, 300 erhöhte Liegenstützen auf der Bank und 50 Bizepscurls gemacht. Die größte Hürde dabei waren nicht etwa diese etwas extrem hohen Wiederholungszahlen, sondern die ganzen Touristen.

Das Wetter war geradezu perfekt und in Greetsiel wimmelte es nur so von Urlaubern. Mein Workout an der „See-Bank“ war daher ein gefundenes Fressen für die Menschenscharen. Die Akustik am Deich war so gut und klar, dass ich jedes Wort verstehen konnte. Ich versuchte weg zu hören und einfach meine Übungen durch zu ziehen. Eigentlich bin ich nicht so exhibitionistisch veranlagt, aber ich wollte einfach auch ein bisschen draußen sein und eine schöne Landschaft genießen. Es war schon schlimm genug, dass ich jetzt schon seit drei Monaten nicht laufen konnte. Also, war es mir einfach egal was die Menschen über mich dachten. Ich bekam mit, wie sich verschiedene Grüppchen über mich lustig machten. Auf diese Weise sorgte ich wenigstens für ein amüsantes Unterhaltungsprogramm auf dem entspannten Urlaubsspaziergang. Die Belohnung für meine Dickhäutigkeit war eine kleine Gruppe, die über den Deich spazierte und deutlich zu erkennen die Titelmusik von Rocky nachmachte. Singen konnte man dies zwar nicht nennen, aber es war dennoch auf Grund der charakteristischen Melodie sehr gut zu erkennen. Ich lachte vor mich hin. Ein klein wenig durch geknallt war ich ja schon mit meinem sportlichen Animationsprogram.

Nach meinem Workout packte ich meine Hantel wieder ein und machte mich auf den Rückweg. Zu Hause wartete ordentlich Cheat auf mich. Kuchen, Schokolade und Co. Ordentlich Input für meine brav durch gekneteten Muskeln. Es gibt kaum was Besseres als einen Insulin-Peak nach dem Sport, um den Muskelaufbau und die Regeneration zu stimulieren. Nun mag in diesem Futter nicht genügend Bausubstanz für Muskeln, Hormone und viele andere Körperstrukturen stecken, aber da meine grundsätzliche Eiweiß- und Mikronährstoffzufuhr sehr reichlich ausfällt, ist dieses Belohnungsmahl ohne schlechtes Gewissen zu verkraften. Und außerdem vermag der Mensch einiges an Mangelernährung zu kompensieren. Und dies ist auch der Grund dafür, warum sich viele Menschen so schlecht ernähren. Der Körper duldet es. Über sehr lange Zeit. Und unsere medizinische Versorgung bügelt die entstehenden Entgleisungen erfolgreich aus. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Eigenverantwortung für seinen Körper übernehmen möchte oder nicht.

So und nun werde ich mich heute Abend zumindest als Zuschauer in den Lippstädter Altstadtlauf schmeißen und den fleißigen Läufern zujubeln. Und ab morgen früh werde ich die Ruhr unsicher machen. Denn dann beginnt der Kampf mit den 230 km. Von der Quelle bis zur Mündung. Zum Glück muss ich das nicht selber laufen. Manchmal ist laufen lassen eindeutig die bessere Wahl.


Montag, 7. Mai 2018

Gewicht: 59,8 kg

Liebes Tagebuch,

ein Wochenende im Zeichen des „Cheats“ und eines Kurzurlaubes in Marburg liegt hinter mir. Warum in die Ferne reisen, wenn es auch in der Nähe so wunderbare Städte gibt, um dem alltäglichen Lebensraum zu entkommen?!

Das Wochenende war nicht nur geprägt von einem Schwerpunkt auf Nahrungsaufnahme und Sportentzug, sondern auch von diversen Besichtigungen und Führungen. Von Städteführung über Fledermausführung bis hin zu einem botanischen Exkurs. So bekam mein Hirn auch endlich mal ein wenig Input, das nichts mit Ernährung und Sport zu tun hatte. Durch die vielen Führungen kam ich mit meinem rekonvaleszierenden Bein auf ca. 13 km und über 17.000 Schritte allein am Samstag. Das Ganze natürlich in meinen Barfußschuhen.

Seit ich auf „freiem“ Fuß bin und die Krücken und den Gehschuh aus meinem Leben verband habe, habe ich noch keinen Tag in normalen Schuhen verbracht. Das heißt, ich bewege mich seit dem nur „barfuß“. Mein Bein ist in einem super Zustand. *Klopf mächtig auf den Holzkopf*. Auf dem Laufband bin ich in der vergangenen Woche auch schon mehrmals für ein paar Meter gelaufen. Also im Sinne von laufen mit richtiger Flugphase. Dies praktiziere ich allerdings derweil eher seltener. Ich träume zwar jeden Tag davon wieder richtig durch die wunderschöne Natur zu rennen, aber mein Bein ist noch nicht so weit und ich gebe ihm die Zeit, die es benötigt, um wieder heile zu werden. Ich bin so froh, dass ich normal gehen kann und wieder alltagstauglich bin, dass ich auf den Luxus rennen zu können sehr gut verzichten kann. Somit erfreue ich mich zurzeit nur am Anblick laufender Menschen und freue mich für sie, dass sie dieser großartigen Betätigung nachgehen können.

Zum Glück gibt es ja diverse andere Formen der sportlichen Umsetzung, der ich in aller Ausführlichkeit nach gehen kann. Kniebeugen, Liegestützen und Beinscherencrunches. Meine Basics. Nach diesem opulenten Wochenende hatte ich für den heutigen Tag eigentlich vor wieder einen 1000er Tag zu machen. 1000er Tag steht übrigens für 1000 Kniebeugen. Aber irgendwie habe ich heute Morgen noch nicht so recht die Kurve bekommen und hänge gerade mal bei 200 Kniebeugen. Immerhin kommen da noch 100 erhöhte Liegestützen und 200 Beinscherencrunches zu. Und mein ausgesprochen amüsantes Beweglichkeitstraining. Ach ja und 3 Minuten Kältetraining im Garten unter dem Gartenschlauch. Klingt alles ein klein wenig durch gedreht?! Vielleicht. Warum ich diese Dinge tue, wird Dir demnächst mein neues Buch verraten. Auf dieses warte ich nun seit einer Woche geduldig und voller Vorfreude. Ein Best-Off meines „fachmännischen“ Wissens vermengt mit meiner speziellen Form der Wortwahl und einem Transfer für die Integration in den Alltag. Ich will es endlich in den Händen halten, es durchblättern und an den frisch gedruckten Seiten schnuppern. Zum Glück bin ich seit meiner Weber-B-Fraktur Experte im geduldig sein.

Apropos geduldig. Geduldig muss man auch sein, wenn man 230 km am Stück laufen möchte. Nein, nein, keine Sorge ich habe gerade nicht vor 230 km am Stück zu laufen. Das würde den Rahmen meiner Geduld bei Weitem sprengen. Ich werde in 12 Tagen Frank bei der Tortour de Ruhr begleiten. 230 km von der Ruhrquelle in Winterberg bis zur Ruhrmündung am Rheinorange in Duisburg. Natürlich werde ich ihn nicht alleine auf diesem Ritt begleiten. Eine ganze Crew wird ihn dabei unterstützen. Ich werde den ersten Part von Winterberg bis Arnsberg übernehmen. 81 km werden das sein bzw. Samstag von morgens 8:00 Uhr bis ungefähr abends 19:00 Uhr. Allein diese Strecke ist für mich eine unvorstellbare Distanz. Wenn ich mich dann zum Ausruhen abseile, wird Frank maschinenartig weiter laufen und wird weiter betreut von seinem Team. Nach einer kleinen Nachtruhe werde ich Sonntagmorgen wieder dazu stoßen. Mit einem ausgeruhten Körper, der Tiefschlaf, REM-Phasen und jede Menge Regeneration praktizieren durfte, werde ich auf jede Menge Läufer und Crewmitglieder von sämtlichen Startern treffen, die sich durch die ganze Nacht gekämpft haben. Kein Tiefschlaf, kein REM, keine Regeneration. Im Gegenteil. Laufen, laufen, laufen. Hin und wieder etwas Trinken und essen. Vielleicht mal ein paar andere essentielle Dinge, die man so tätigt innerhalb eines Tages. Ich bewundere alle, die sich derart durchboxen. Einfach nur Hammer!

Um schon mal in Stimmung zu kommen, habe ich gestern der Ruhrquelle und den ersten Verpflegungspunkten einen kleinen Besuch abgestattet. Ich kannte bisher nur die mächtigeren Stellen der Ruhr. Das kleine, unscheinbare Bächlein, das irgendwo im Sauerland seine Reise antritt, kannte ich bisher noch nicht.Es ist schon etwas Besonderes, mit diesem zarten Rinnsal los zu laufen und mit immer schwerer werdenden Beinen mit zu erleben, wie der Fluss immer breiter und kräftiger wird. Mit der schwindenden Muskelkraft wächst der Fluss immer weiter und wird auf dem langen Weg nach Duisburg zu einem eindrucksvollen Fluss. 


Auf seinem Weg dahin geht die Reise durch idyllische Landschaften, insgesamt sieben große Stauseen und eine ganze Reihe Großstädte. Da ich noch nie weiter davon entfernt war, solch eine Laufleistung zu vollbringen, kann ich mir sowas nur im Geiste vorstellen.


Nach einer durch gemachten Nacht wird man vollkommen übermüdet, mit schweren Beinen, die Abschnitte des Ruhrgebiets durchlaufen. An einem Wochenende mit schönem Wetter bedeutet das eine enorme Frequentierung von Fußgängern und Radlern. Eine zusätzliche Herausforderung für die nachlassende Spritzigkeit und Reaktionsfähigkeit.

 

Ein Wahnsinn. Aber das sagte ich bereits. Nun gut. Das soll für den Moment reichen. Ich werde mich die nächsten zwei Wochen noch etwas mit der Strecke beschäftigten und dann bin ich sowas von gespannt, was an Pfingsten passiert. Wie wird das Wetter? Wie sind die Beine? Was sagt der Kopf? Franks Vorbereitung konnte bisher besser nicht laufen. Er ist fokussiert und hat ordentlich Kilometer gefressen. Er wird das Ding rocken, wie der Rocky der Laufszene. Für die Tapering-Phase heißt es nun, Daumen drücken und gesund bleiben.


Mittwoch, 18. April 2018

Gewicht: 59,7 kg

Liebes Tagebuch,

meine Rekonvaleszenz läuft soweit ich das beurteilen kann ziemlich gut. Ich bin stabil ohne Krücken mit meinen Barfußschuhen unterwegs und habe jeden Tag etwas über 10.000 Schritte auf dem Tacho. Hinzu kommen viele Kniebeugen, Liegestützen und Beinscherencrunches, sowie Ergometereinheiten. Nächste Woche werde ich dann auch wieder „normal“ arbeiten. Es ist schon wirklich ein Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Ich bin jetzt in der 8. Woche post-op. Wo ist die Zeit geblieben? Immerhin muss ich mich nicht mehr fragen wo meine Muskeln geblieben sind. Die sind nämlich fast wieder ganz da. Zumindest was das Messbare angeht, hat sich meine Wade wieder an den Ausgangsumfang angenähert. Auch meine Fußmuskulatur ist wieder schön fest und kräftig. Ich habe keine Wadenkrämpfe mehr und auch der Fuß jammert nicht mehr über mein Gewicht. Die Beweglichkeit des Sprunggelenkes ist auch gut. Nicht perfekt, aber gut. Ich kann auch ganz normal Treppen runter gehen. Damit hätte ich so schnell nicht gerechnet. Jedes Mal wenn ich eine Etage zu Fuß und einigermaßen vernünftig herab gestiegen bin, strecke ich wie ein kleiner, affektgestörter Psychopath meine Faust in die Höhe und rufe laut „Yes!“ Da ich aber in der Regel dabei alleine bin, hatte dieses merkwürdige Verhalten noch keine Konsequenzen. 


Meine Gedanken schwirren derweil immer wieder um das Thema Marathon. Wie diese Gedanken konkret aussehen, will ich noch nicht laut äußern. Sie dürfen sich für die nächsten Wochen damit zufrieden geben, eine Existenz als gehirninterne Schmeißfliege zu führen. Sie müssen sich noch etwas gedulden. So ganz gehirnintern sind sie auch gar nicht, da meine engsten Vertrauten über meine Pläne und Ziele Bescheid wissen. Meine Ergometereinheiten habe ich sogar schon unter der Motivation diverser Youtube-Videos von meinem möglichen Marathon-Comeback vollzogen. Ich habe dabei schon einen ganz bestimmten Marathon im Auge. Wenn ich es probiere, dann wird es genau dieser. Auf den Videos gehen die Gesichter der Finisher im Ziel immer besonders motivierend in mein Läuferherz. Oh ja, ich kann mich daran erinnern wie es ist nach den 42,195 km aus einem stundenlangen Lauftempo endlich zufrieden stehen zu bleiben, sich vor der Medaille zu verbeugen und sie um den verschwitzten Hals gehangen zu bekommen. Ich fänd es cool einen Marathon auf Titan zu laufen. In den nächsten Wochen werde ich darüber entscheiden was ich tue. Und dann werde ich mich anmelden und als Belohnung für den Marathon werde ich mir direkt einen Termin für meine zweite Operation in diesem Jahr machen. Und wenn ich den Marathon nicht angehe, werde ich nur den Operations-Termin machen und der ganze Titan-Kram darf um 42,195 km ärmer meinen Körper wieder verlassen. 

Ich habe meine Rekonvaleszenz genutzt, um ein weiteres Buch zu verfassen. Anfangs wollte ich ein Entschleunigungs-Tagebuch schreiben, wovon ich dann jedoch Abstand genommen habe. Vielleicht werde ich von diesen Aufzeichnung etwas für ein Tagebuch zu meinem vermeintlichen Marathon-Comeback verwenden. Mal sehen. Das was ich jetzt verfasst habe, hat mit Tagebuch nichts zu tun. Es ist eine Ansammlung meines Wissen… genau, es hat das Format eines Pixi-Heftchen. Es geht um Ernährung, Sport und eigentlich alles. Es enthält auch die Inhalte meiner Vorträge. Da ich nach den Vorträgen öfters nach einem Skript oder Ähnlichem gefragt werde, habe ich meine Krankenzeit dazu genutzt eine kleine Aufzeichnung zu verfassen.  Es war für mich eine ganz schöne Herausforderung ein Buch zu schreiben, dass sich nicht einfach von Tag zu Tag hangelt, sondern einen gewissen Aufbau hat. Ob mir das gelungen ist, weiß ich nicht. Ich find es natürlich logisch strukturiert. Was mein Gehirn logisch findet, muss bei weitem nicht dieses Prädikat erfüllen. Wie auch immer. 


Nun werde ich mich für die nächsten Wochen weiterhin mit meiner „wieder Eingliederung“ beschäftigen, werde weiterhin mein Essen fotografieren was auch bestens mit gebrochenem Bein funktionierte, das Ergometer bespaßen und mich natürlich gedanklich auf die Tortour de Ruhr vorbereiten. So, dann mal los. 

Sonntag, 8. April 2018

Gewicht: 60,0 kg

Liebes Tagebuch,

ich habe mein ursprüngliches Kampfgewicht wieder. Und, was noch viel wichtiger ist, meine beiden Beine. Nun gut, das natürlich noch in einer zugegeben ziemlich bescheidenen Version, aber sie gehen wieder. Vergangenen Donnerstag hatte ich endlich 6 Wochen Post Op erreicht und durfte offiziell meinen Gehschuh in die Ecke hauen und mit meinem doch ziemlich stark reduzierten Bein los marschieren. Ich hatte allerdings die ganze Woche bis Donnerstag schon ziemlich viel ohne Gehschuh zu Hause zurück gelegt. Ich hatte einfach genug von diesem Trümmer. Und außerdem hatte der Doc mir das ja irgendwie auch erlaubt. Glaub ich. *lach* Nein, Spaß bei Seite. Er hatte es mir erlaubt. Schließlich waren ja alle Schrauben fest und der Knochen nach Plan verheilt. Ab Donnerstag hatte ich dann aber verrückterweise das Gefühl es jetzt wirklich zu dürfen und mit diesem offiziellen Charakter habe ich den Gehschuh dann ein für alle Male aus meinem Leben verbannt. Zumindest für den Moment. Wer weiß, was mir in den nächsten Jahren noch so für Ideen kommen. Freitagmorgen habe ich mich dann aus dem Bett geschwungen, habe mir nur noch eine Krücke geschnappt und bin auf Klo gegangen. Und weißt Du was ich dann gemacht habe? Nein, ich meine jetzt nicht auf Klo… Ich habe die Krücke im Badezimmer stehen gelassen, weil mir auch die gemeinsame Zeit mit der Krücke langte. Und seit diesem Zeitpunkt „trabe“ ich wieder ohne Gehschuh und Krücken durch die geradezu sommerliche Welt. Nur halt ohne Trab und ziemlich langsam. Die ersten Schritte waren wie von einem Kleinkind oder einem Playmobilmännchen. Mittlerweile hat sich mein Gehstil „extrem“ verbessert, denn ich gehe nur noch so als hätte ich in die Hose gemacht. Mein Sprunggelenk ist natürlich noch nicht so ganz geschmeidig, daher mache ich viele Übungen, um das Ding wieder weich zu kriegen. 

Ich war nun auch schon zwei Mal auf dem Ergometer. Mein rechtes Bein ist echt richtig putzig. Und wie schnell die Wade genug hat, ist wirklich lustig. Zum Glück habe ich keinerlei Druck und höre einfach auf, wenn mein Bein nicht mehr möchte. Ich habe mich gestern auch das erste Mal wieder hinter das Steuer gesetzt. Das funktioniert auch ohne Probleme. Ich kann endlich wieder einkaufen! Auf Beutejagd gehen! Ich werd verrückt! Und heute war ich eine für meine Verhältnisse riesenhafte Runde spazieren. Meine Tageschritte nähern sich gewaltig der 10.000er Marke. Ein Traum. Ich kann kaum glauben, dass ich jetzt endlich wieder einen normalen Alltag habe.

Dennoch fühle ich mich gerade etwas paralysiert. Der Grund dafür ist, dass mein Leben und ich für die letzten sechs Wochen förmlich auf Eis gelegt worden sind. Die Marathon- und Laufsaison brummt. Auf einmal fallen mir wieder meine Ziele und Vorhaben für 2018 ein. Auf Facebook verfolge ich, wie die Läuferwelt sich auf den vielen Veranstaltungen austobt. Höchstwahrscheinlich werde ich wohl in ein paar Monaten wieder laufen können, aber dennoch ist diese Art von Laufwelt meilenweit entfernt. Ich hatte die letzten Tage darüber nach gedacht, ob ich im Herbst einen Marathon mit Titan laufen soll. Oder zumindest versuchen soll. Das wäre die einzige Gelegenheit dafür. Denn mein Doc hat mir geraten den Kram da möglichst früh wieder raus zu holen. Das wäre dann sogar noch in diesem Jahr. 2018, ein Jahr der Operationen und Rekonvaleszenz. Entschleunigung und schrecklich viel Zeit über seine Ziele im Leben nach zudenken. Aber gut, für den Moment läuft alles bestens. Schritt für Schritt komme ich zurück gekrochen. Wohin ich krieche, werde ich jeden Tag aufs Neue überlegen. Denn wie heißt es so schön, der denkende Wurm ändert seine Kriechrichtung.

Sonntag, 25.03.18

Liebes Tagebuch,

ich kann es noch nicht wirklich glauben und ich muss die nächsten Tage abwarten, ob sich meine Theorie bestätigen wird, aber ich habe mich die letzten Tage ziemlich abgeschossen. Nicht etwa mit Squats oder anderen Übungen, sondern viel mehr mit meiner Thrombosemedikation und meiner Ernährungsform. Seit ich im Krankenhaus war, habe ich immer wieder Probleme mit meinem Herzrhythmus. Anfänglich dachte ich, es handele sich um Extrasystolen auf Grund der von heute auf morgen eingetretenen Ruhigstellung. Mit diesem Gedanken habe ich die letzten Wochen verbracht. Die Problematik mit meinen Extrasystolen hatte sich dann die letzten Tage so gravierend gesteigert, dass ich letzte Nacht dachte, ich müsste sterben. Wer schon mal eine derartige Rhythmusstörung hatte, weiß wovon ich rede. Hinzu kam ein total matschiger Kopf. Ich hatte irgendwie von Anfang an das Gefühl, dass ich elektrolytisch total entgleist war. Ich hatte aber keine Erklärung dafür. Es konnte nicht mehr an der plötzlich reduzierten Bewegung liegen. Zudem muss ich sagen, dass ich mich im Moment definitiv genug bewege. Was also war der Grund für diese Entgleisung? Da ich mich seit Monaten mit Mikronährstoffen, Wechselwirkungen und dem ganzen Kram auseinander setze, war ich genau die richtige Person, um die Ursache der Probleme zu detektieren. 

Was war anders? Meine Ernährung war wie immer. Ich hatte das Gefühl, dass mit meinem Kalium was nicht stimmt. Bisher hatte ich an einen Mangel gedacht. Aber das konnte eigentlich bei meiner Ernährung vorne und hinten nicht sein. Meine Magnesiumeinnahmen hatten meine Problematik auch nur verschlimmert. Und plötzlich war da dieser Verdacht… ich habe keinen Mangel. Ich habe eine Kaliumüberdosierung! Das würde auch erklären warum unter Magnesium die Problematik schlimmer geworden ist. Denn Magnesium hemmt die Ausscheidung von Kalium in gewisser Weise. Aber warum zum Henker hatte ich diesen Überschuss? Mir fielen die Thrombosespritzen als einziger Unterschied ein. Ich suchte nach den Nebenwirkungen. Und tatsächlich gab es eine Wirkung auf den Aldosteronhaushalt. Jenes Hormon, das für die Regulation der Elektrolyte mit verantwortlich ist. Viel Aldosteron scheidet viel Kalium aus. Und meine Thrombosespritze vermag dieses Aldosteron zu hemmen. Dies ist eigentlich zwar nur bei Niereninsuffizienz oder der Einnahme von Medikamenten, die den Kaliumspiegel erhöhen, von Relevanz, aber halt nur eigentlich. Denn wahrscheinlich wurden noch nie Untersuchungen an Personen durch geführt, die einen immens hohen Anteil an Kalium in ihrer Ernährung aufweisen (Sehr viel Salat, Gemüse, Avocado), deren Ernährung einen ziemlich geringen Kohlenhydratanteil aufweist und die viel Muskulatur durch Stilllegung auf Grund eines Beinbruches verloren haben. Jetzt mag man sich auf den ersten Blick fragen, was all diese Dinge mit einander zu tun haben. Aber alle Punkte für sich genommen erhöhen den Blutspiegel an Kalium. Das ist so. 

Ich dachte über meine Symptomatik nach. Sie war erst in den letzten Tagen abends so schlimm geworden. Davor war es irgendwie nicht so schlimm. Aber warum? Ich recherchierte wann meine Clexane ihr Wirkmaximum hat. Nach 10-12 Stunden. Da ich im Moment wieder morgens spritzte, passte das mit dem Zeitpunkt der schlimmsten Symptomatik überein. Und da fiel es mir ein! Ich hatte Mittwoch im Rahmen meines Vortrages vergessen zu spritzen. Ich hatte nämlich im Krankenhaus  immer abends eine Spritze bekommen und hatte diesen Rhythmus mit nach Hause genommen. An dem Abend des Vortrages hatte ich vergessen zu spritzen und erst Donnerstagmorgen wieder gespritzt. Und tatsächlich hatte ich den ganzen Donnerstag keinerlei Beschwerden gehabt. Die hatten erst am Abend wieder begonnen. Hinzu kam auch noch die Angewohnheit abends sehr viel Avocado zu verspeisen. Und diese ist eine totale Kaliumbombe. Ich war ein Stück weit schockiert über die Folgen meiner Ernährung und der Wechselwirkung. Wie gravierend die Überdosierung von Kalium ist, sieht man daran, dass es das Kalium ist was einen bei einer Niereninsuffizienz umbringt. So viel zu einem zu hohen Kaliumspiegel. 

Diese ganzen Erkenntnisse kamen nun nachdem ich meine Spritze bereits in meinen Körper verfrachtet hatte. Mein gewöhnliches Frühstück war auch schon drin und mein Herz rappelte heiter vor sich hin. Okay, die einzige Möglichkeit die Situation zu ändern war ein purer Albtraum! Ich musste für den restlichen Tag ungesunden Kram verspeisen. Viele Kohlenhydrate, Salz und bloß nix mit Kalium. Nix Frisches. Und das habe ich dann heute durch gezogen und den Abend sogar mit Wein beendet, denn auch der haut einem das Kalium raus aus dem Körper. Und der Kracher ist, ich habe nicht das geringste Stolpern mehr. Nichts. Einfach ein komplett normaler Herzrhythmus. Ab morgen werde ich die Spritze weg lassen und mein normales Essen konsumieren und wenn ich stabil bleibe, lag es an der Spritze. Definitiv. Mittwoch habe ich dann schon meinen Kontrolltermin. Dann wird es wohl hoffentlich bergauf gehen. Oh man, was mir mein Geburtstag alles eingebrockt hat. Aber immer hin hatte ich auf diese Weise heute mit meinen Eltern ein nachgeholtes Geburtstagskuchenessen. Das hatte es nämlich bisher noch nicht gegeben. Also alles irgendwie mit happy end. 


Montag, 19. März 2018

Liebes Tagebuch,

es ist mal wieder an der Zeit etwas auf der Tastatur rum zu hämmern. Mein letzter Eintrag ist nicht lange her, aber dennoch haben sich ein paar Erkenntnisse in mein Brain geschlichen. Naja, nicht geschlichen. Vielmehr habe ich ein paar Feststellungen gemacht. Zum einen denke ich derzeit, dass ich meine Krankengeschichte nicht zu einem Buch zusammen fassen werde. Auch wenn ich es hier angekündigt habe. Der Stoff ist nicht gerade aufregend und würde höchstens als Schlafmittel dienen. Ich habe zwar schon einiges abgetippt, aber dies dient immerhin als persönliche Geburtstagsgeschichte. Punkt zwei der Tagesordnung: Ich habe mir viele Gedanken bezüglich eines realistischen Comebacks in Sachen Wettkämpfe gemacht. Wäre September wohl möglich? Maybe. 

Wie wäre es, wenn ich mir zur Motivation ein Ziel nehme? Natürlich nicht! Aber warum denn nicht? (Das ist hier gerade ein kleiner, interner Dialog zwischen zwei sich unterhaltenden Gehirnzellen. Oh ja, ich besitze tatsächlich sogar zwei davon) Der Grund warum ich mir kein Ziel setzen möchte ist der, dass ich gerade noch nicht einmal weiß wie schnell ich wieder gehen kann. Gehen! Nicht etwa laufen. Mein rechtes Bein ist nun tutti completti weg rationalisiert. Ich habe sogar an der Wade Haut übrig. Ich kann den Hautlappen richtig in die Hand nehmen. Und dieses Phänomen habe ich sogar an meinem Fuß. Er ist sichtlich dünner als der linke Fuß und wirft richtig Falten, weil mein Fuß die zur Verfügung stehende Haut nicht mehr auszufüllen vermag. Ich empfinde das als total abgefahren. Der Mensch ist so eine wahnsinnige Anpassungsperfektion, das es mich immer wieder sprachlos macht. 

Ich arbeite im Moment mit Volldampf an einem dennoch aufbauenden Grundzustand. Das heißt mit anderen Worten, das ich meinem restlichen Körper und den Muskeln Reize setze, um nicht komplett die Form zu verlieren. Auf diese Weise rette ich meinen Kreislauf, der durch die mäßige Fortbewegungsmöglichkeit echt ziemlich runter reguliert ist. Mein Grundumsatz, der vor meinem Unfall bei 2500 kcal pro Tag lag ist nun um 1000 kcal reduziert und nun nur noch bei ca. 1500 kcal pro Tag. Essen tue ich allerdings die gleiche Menge. Suche den Fehler.  Ich bin also –außer meinem rechten Bein – hochgradig anabol unterwegs. 

Ich habe mich vermessen und zum Glück hatte ich eine Woche vor meinem Unfall auch eine Vermessung durch geführt. So habe ich die Entwicklung meines Körpers nun schwarz auf weiß. Eigentlich ist es blau auf weiß, da die Stiftfarbe Blau war. Ich habe ziemlich zugelegt. An Umfang. Oder sagen wir es etwas präziser: Ich habe mein rechtes Bein abgebaut und habe das Gerümpel von da unten nach oben gebaut. Mein Brustumfang, was auf einen explodierten Latissimus und Pectoralis zurückzuführen ist, ist von 86 cm auf 93 cm gewachsen. Der Bizeps von 27,5 cm auf 29 cm. Liegestützen und Bizepscurls sei Dank. Der Bauchumfang hat sich zum Glück nicht verändert.  Mein linkes Bein hatte vor meinem Unfall einen Umfang von 56 cm. Jetzt hat es nur noch 53 cm. Das ist prozentual für so ein Bein ganz schön viel. Die Wade, die ja absolut gesehen noch dünner ist, hat ebenfalls satte 3 cm verloren. Sie ist jetzt gerade quasi nicht mehr da. Und ich probiere alles Mögliche zu tun, um die Degeneration aufzuhalten. Aber mein Körper lacht sich indes ins Fäustchen und denkt sich „Lass die Alte mal machen, ich fresse die Wade trotzdem auf“.*rülps* 

Aber zum Glück, wird sie sich auch wieder an die Belastung anpassen. Ich kann mir jetzt zwar noch nicht vorstellen gehen und laufen zu können, aber ich weiß dass das wieder funktionieren wird. Genau wie Auto fahren, Einkaufen gehen und ohne Krücken und Staatsakt nachts auf Klo gehen zu können. Das wird schon wieder. Und wenn nicht, dann werde ich mit meinen bis dahin explodierten Armen durch die Gegend laufen. Nochmal kurz zurück zu der anfänglichen Zielsetzung. Was ist aus meinen Zielen geworden? Ich habe schlicht und ergreifend Angst mir Ziele zu setzen, die ich nicht erreichen kann. Vielleicht bin ich an dieser Stelle auch echt ne Mimi, aber das ist mir egal. Ich will meinen Körper nicht unnötig stressen. Vor allem psychisch nicht. Der Leistungsgedanke ist ohnehin in unserer Welt viel zu dominant. Wenn ich schnell wieder laufen kann, dann freu ich mich und werde auf der Welle der Freude das Beste machen. Und wenn ich nicht so schnell fit sein sollte, dann werde ich mich weiterhin in läuferischer Enthaltsamkeit üben. Außerdem hat mein Gehirn auch noch jede Menge Speicherkapazitäten, die es gilt zu füllen. In diesem Sinne, werde ich mich nun weiter auf die Expansion meiner grauen Zellen und Muskelzellen oberhalb der Gürtellinie konzentrieren.  

Freitag, 16.03.18

Gewicht: 58,5 kg

Liebes Tagebuch,

mein Gewicht hat sich scheinbar in den Sphären zwischen 58,5 kg und 59,0 kg eingependelt. Muskelverlust von einem Kilo? Hmmm...zumindest bin ich nur noch Besitzer von einem Wadenmuskel. Aufgrund der nicht funktionsfähigen Muskel-Wadenpumpe rechts ist der Muskel noch weiter geschrumpft. Diese "Pumpe" ist für die kommenden drei Wochen auch weiterhin Tabu. Daher wird auch fleißig weiter Clexane gespritzt. Es ist für mich zum Ritual geworden. Die Spritze ist ein Teil meiner Tagesstruktur, genau wie meine Squats, Liegestützen und Bizepscurls. An besonderen Tagen werde ich von lieben Menschlein abgeholt und darf etwas erleben. Lebensmittel einkaufen oder gar zu meinem Pony fahren. So hat mich diese Woche die liebe Petra abgeholt und hat meinem Pony zu etwas Bewegung verschafft. Danke, liebe Petra!! Der Gute hat durch das fehlende Training mit meiner Wenigkeit auch schon ordentlich Speck angesetzt. Warum soll es Ponys auch besser gehen als uns? Ansonsten kamen diese Woche alle Restfäden ex. Nächste Woche wartet dann mein Doppeldecker Vortrag auf mich. Und danach die Woche gibt's schon den nächsten Meilenstein...


Sonntag, 11.03.18

Gewicht: 58,6 kg

Liebes Tagebuch,

nun ist fast eine Woche vergangen. Meine Rekonvalesenz schreitet gemächlich vor sich hin. Ich habe mir einen Trainingskomplex aus Squats, Liegestützen und Bizepscurls gebastelt und arbeite dies täglich ab und bin heil froh, dass das überhaupt möglich ist. Meine täglichen Hausarbeiten funktionieren zwar entschleunigt, aber immer hin. Heute bin ich auf allen Vieren durch die Wohnung gekrabbelt und habe die Meerschweinchen sauber gemacht und habe mit einem Handfeger den Boden gefegt. In meinem Beutel hatte ich eine zusätzliche Mülltüte, in die ich den Schmutz entleert habe. Staubsaugen mal anders. Auf diese Weise lernt man den Schmutz viel intensiver kennen. Also, ich würde sagen es läuft rund. Mein nächster Vortrag steht auch in den Startlöchern. Bei Interesse könnt ihr gerne mal unter dem Punkt Vorträge stöbern. Mein neues Armband ist auch da und hat das Op-Bändchen abgelöst. "Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringen." 

Meine Schritte werden in der nächsten Zeit sehr klein sein, aber ich habe gelernt dass es auf jeden einzelnen ankommt. Ich bin so froh, dass ich so viele liebe Menschen in meinem Umfeld habe, die mir gerade bei den unmöglichen Tätigkeiten jenseits meines Rollbrettes helfen. Sei es beim Einkaufen oder bei den Dingen, die mein Pony betreffen. Da sind mir gerade echt die Hände gebunden bzw. an die Krücken gefesselt. Ich danke euch von ganzem Herzen. 

Mein Fuß stinkt im Übrigen mittlerweile wie ein Jahrzehnte gereifter Stinkekäse. Bäh! Aber okay. Am Ende wird alles gut... 

Hier wieder ein paar Bilder aus dem Krückenalltag. Es wird zunehmend unspektakulärer.


Montag, 05.03.18

Gewicht: 58,4 kg

Liebes Tagebuch,

nicht nur an meinem Gewicht ist die Selbstverdauung meiner Muskeln zu erkennen. Auch optisch ist der Verlust von Muskulatur sichtbar. Meine rechte Wade sieht aus wie ein Lappen. Keine Muskelkonturen mehr. Es ist lustig und zu gleich bewundernswert wie effizient der Körper haushaltet. Von wegen einen Muskel aus optischen Gründen erhalten. Was nicht arbeitet wird gandenlos abgesägt. Mein Tag war ansonsten geprägt durch eine wunderbare Frühlingsstimmung. Einfach wundervoll. Morgen kommen die Fäden raus. Ein weiterer Schritt. Ich habe mir heute ein Armband mit individueller Gravur bestellt. Dieses soll dann bald mein Op-Band ersetzen. Ich habe mir dafür folgenden Spruch überlegt: 

Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringen.

Und das war mein Tag in Bildern:


Freitag, 02.03.18

Liebes Tagebuch,

so langsam tritt tatsächlich eine Art Routine ein. Ohne, dass ich meine Tage bewusst plane, habe ich einen Rhythmus entwickelt, der jeden Tag sehr gleich ist. Ich habe mich an die Fortbewegung und den Umgang mit meinen Krücken im täglichen Leben gewöhnt. Ich probiere jeden Tag vorsichtig ein bisschen mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Die Wunde könnte noch besser sein und der Fuß definitiv hübscher, aber das stört mich gerade nicht sonderlich. Ich habe mein Mittagessen heute aus praktischen Gründen direkt in einen Topf mit Deckel gefüllt. Das kann man dann etwas schneller transportieren. Rollbrett ist natürlich auch ne coole Nummer, aber ist schon etwas umständlicher. Und "umständlich" ist im Moment bei allem was ich tue mein dritter Vorname. Und während ich so aus meinem Napf gefuttert habe, kam mir die Idee, dass ich den Kaffee in der Tasse doch in die Plastikschale stellen könnte und dann in meine Tasche. Auf diese Weise könnte ich dann sogar einen Kaffee draußen trinken. Und der Plan sollte aufgehen. Ohne zu plempern hab ich friedlich nen Kaffee in der Sonne geschlürft. Und mit diesem Mega-Highlight verabschiede ich mich mal ins Wochenende. Ich wünsche Dir mindestens genauso tolle "Mega-Highlights" und bleib immer schön wachsam für die kleinen Erfolge des Alltags. 


Donnerstag, 01.03.18

Liebes Tagebuch,

nun ist seit der Operation genau eine Woche vergangen. Ich bin in meinem neuen Alltag zu Hause angekommen. Die ersten Tage mit der Unterstützung meiner lieben Mutter und meines Partners und nun bin ich tagsüber auf mich alleine gestellt. Meine Mutter ist wieder zu Hause und mein Freund muss den Tag über arbeiten. Aber das klappt alles sehr gut. Ich habe fabelhafte Unterstützung durch meine beiden Krücken, eine Umhängetasche und mein Rollbrett. Ich bin noch immer ziemlich entspannt und komme auch mental gut zurecht. Selbst die vielen sportlichen postings bei Facebook jucken mich nicht. Bis jetzt. Ich weiß nicht wie es in ein paar Wochen aussieht, aber derweil freue ich mich über die Minifortschritte und darüber, dass alles so gut verlaufen ist. Gedanken an Ballern oder Wettkämpfe sind ganz weit weg. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, wie sich die Sache mit dem Ballern anfühlt. Und dabei wird es jetzt erst mal bleiben, bei dem freudigen Erinnern. Ich habe heute einen kleinen Ausflug gemacht. Um ehrlich zu sein war es nur einmal die Straße rauf und runter. Aber am Ende der Straße ist ein kleiner Kuhstall. Ich habe den Kühen das erste Mal einen Besuch abgestattet. Sonst renne ich dort immer nur vorbei und vernehme das Muhen der Kühe nur am Rande. Aber jetzt bin ich entschleunigt. Ich habe Zeit den lieben Kühen in ihre großen Augen zu blicken. Das war ein wunderbarer Besuch. Unspektakulär. Aber schön. Und sonst so?! Mit meinem Rollbrett läuft es rund. Ob Kaffee oder Mittagessen, es bringt brav die Dinge zum Tisch, die ich nicht in meinem Beutel transportieren kann. Und mein Bein bekommt jeden Tag ein paar mehr Schritte aufgebrummt und der restliche Körper darf sich auch in regelmäßigen Abständen betätigen. Denn Bewegung braucht auch der entschleunigte Mensch. Nun werde ich darüber nach denken, wie ich meinen Meerschweinchen bei bringen kann mein Rollbrett für mich von A nach B zu ziehen. Das wär doch mal was, sich von seinen kuscheligen Meerschweinchen den Kaffee bringen lassen. 


Sonntag, 25.02.18

Liebes Tagebuch,

mein Geburtstag ist nun eine Woche her und mein Leben hat sich seit dem einmal komplett auf links gedreht. Ich habe Zitronen bekommen und hab natürlich keine Limonade draus gemacht. Das wäre ernährungsphysiologisch inkorrekt. Ich hab die Zitronen statt dessen mit Haut und Haaren gefressen. 

Sauer. Macht. Lustig. 

Ich habe eine kleine Fotodokumentation der letzten Tage gemacht. Bilder sagen mehr als 1000 Wörter. Und die 1000 Wörter dazu sind in Arbeit. 


Dienstag, 20.02.18

Liebes Tagebuch,

passend zu meinem letzten Eintrag mit dem Eisbad ist mein Training auf Grund meiner eigenen Trotteligkeit auf Eis gelegt. Beim Energiecross in Neukirchen habe ich mir in der letzten Runde das Wadenbein gebrochen. Und das ganze an meinem Geburtstag. Jackpot! Aber ich sehe es tatsächlich als Geschenk. Es hat mir ohne Aufforderung mein Leben auf ein Minimum an Geschwindigkeit runter gedrosselt und mir gleichzeit die Gelegenheit gegeben darüber nach zu denken wohin ich will und was zu den essentiellen Dingen zählt. Und außerdem hat mir meine Situation gezeigt welche Menschen auf einmal für einen da sind und einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich habe gefühlt wie Bekannte, Freunde und nur "Facebook-Freunde" einem Zuversicht, Mut und Kraft geben. So viel Aufmerksamkeit bin ich gar nicht gewohnt. Ich bin doch eigentlich nur das kleine, pinke Menschlein das ihr Essen fotografiert und nervige Posts über gesundes Futter macht. Nun, ich fühle mich immer noch, auch nach meinem Knochendesaster, beauftragt mehr Ernährungsaufklärung in der Welt zu verbreiten, sowie eine artgerechte Haltung des eigenen Körpers. Am besten ohne Knochenbrüche. In jedem Falle möchte ich helfen ein glücklicheres Leben zu führen. Und das immer im jetzt. Und weißt Du was? Ich bin glücklich. Jetzt. Und das obwohl ich mit meinem gebrochenen Haxen hier rum liege, mich klebrig fühle, mein Kreislauf gerade keinen Plan hat was ich da gerade mache, da er ja ein ganz anderes Aktivitätsniveau gewohnt ist und ich echt Angst vor der Operation habe. Aber ich bin glücklich. Und nun werde ich mich übermorgen ins Krankenhaus verabschieden und das was ich erlebe und bisher erlebt habe fasse ich in einer kleinen Lektüre zusammen. Daher wird hier für die nächsten Wochen eine Phase der Enthaltsamkeit walten. 

Bis bald. 

Bleib gesund. 


Coming soon..


Sonntag, 11.02.18

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

es ist eisig. Aber dies konnte mich nicht davon abhalten am Samstag in unseren Teich zu steigen und ein Eisbad zu nehmen. Die wunderbare Kraft der Kälte auskosten. Auch wenn es etwas Überwindung kostet den Körper in diese ungemütlich und beinahe lebensfeindlich temperierte Flüssigkeit zu tunken, ist das Gefühl danach umso belohnender. Wichtig ist nur, dass man sich danach gut aufwärmt und sich nicht zu lange unterkühlt.

Grundsätzlich bewirkt der Kältereiz eine Reihe gesundheitsfördernder Auswirkungen auf den Körper. Unter anderem wird das weiße Fettgewebe dazu ermutigt zu wärmeproduzierendem, braunen Fettgewebe zu mutieren. Man passt sich dadurch an die Kälte an und produziert mehr Wärme. Dies hat den Vorteil, dass wir nebenbei einfach mehr Fett verbrennen und dadurch mehr Kalorien verheizen.

Aber genug zu dem Kältemassaker in unserem Teich. Mein heutiger Tag startete mit der gewohnten Runde Flow Yoga. Ich freue mich jeden Morgen darauf, obwohl ich anfänglich immer noch ganz schön verschlafen und unbeweglich bin. Ich zelebriere es als eine Art morgendliches Ankommen im eigenen Körper. Das mag jetzt etwas merkwürdig klingen, aber sind wir nicht alle ein bisschen bluna?

Wie dem auch sei, nach meinem morgendlichen Ankommen gab es die „Vorwettkampfsmahlzeit“ mit schnell verdaulichen Kohlenhydraten in Form von Haferflocken, etwas Trockenobst und frischem Obst, sowie einem guten Anteil Eiweiß in Form von Magerquark, um die Verdauungszeit etwas zu strecken und den Pool an Aminosäuren aufzufüllen. Danach ging es dann frisch gestärkt nach Hamm. Es regnete und ein ungemütlicher Wind fegte einem das ganze nasskalte Gedöns ins Gesicht. Die gefühlte Temperatur war irgendwie kälter als im Eisbad.

Aber beim Laufen würde mir sicher warm werden. Die Bewegungsenergie würde es sicher richten. Bevor es los ging, musste ich mich allerdings bis zur letzten Minute ins Auto kuscheln. Irgendwie fehlte der Laufmodus an diesem Morgen. Wo war der Grell zum Ballern hin? Ich hatte ihn wohl im Eiswasser versenkt. Nach ein paar Kilometern „warm“ laufen war ich einigermaßen gewillt die 15 km zu rennen. Das Problem der 15 km war ihre Länge. Denn die 15 km lagen außerhalb meiner derzeitigen Trainingsreichweite. Kaum zu glauben, aber meine Läufe „beliefen“ sich immer unterhalb der 10 km Marke. Lediglich bei den Wettkämpfen in den letzten Wochen bewegte ich mich mit Warm- und Auslaufen über der 10 km Marke. Somit fühlten sich 15 km ballern gerade etwas artfremd an. Wie würde dies erst in zwei Wochen werden, wenn der Halbmarathon anstand?! Aber dies gehörte zu den Bereichen, die ich derzeit noch erfolgreich verdränge.

Um 10:00 Uhr ging es dann auf die Strecke. Meine Beine fühlten sich relativ unspektakulär an. Weder voll noch leer. Irgendwie waren sie unauffällig. Nach 1 ½ Runden im Stadion ging es auf die Wendepunktstrecke. Ich hatte mal wieder das Gefühl, dass alle davon fegten. Ich konnte irgendwie nicht mit fegen und lies die schnellen Hasen davon hoppeln. Ich konnte in dem bunten Haufen ein paar Damen erkennen, die in den letzten Wochen eigentlich langsamer waren als ich. War ich heute langsamer als sonst? Ein Blick auf die Uhr würde es mir verraten, aber dies tat ich ja aus Prinzip nicht. Ich blieb in meinem Tempo und lies die Kilometer vorüber gehen. Bei Kilometer zwei entdeckte ich die Gummipuppe, die vor zwei Wochen noch im Baum gehangen hatte, unten im Gebüsch liegen. Hätte ich nicht gewusst, dass es sich um eine Gummipuppe handelt, hätte ich das Häufchen Gummi nicht mehr als solche identifizieren können. Ich konzentrierte mich weiter auf mein Tempo. Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen 15 km zu ballern. Aber wenigstens war mir mittlerweile wirklich schön warm. Ich tastete mich an verschiedene Damen heran, die die letzten Wochen hinter mir waren. Anscheinend waren sie heute nur sehr schnell gestartet. Ich hatte die Hoffnung, dass ich doch keinen schlechten Tag hatte.

Die Kilometer vergingen und ich sortierte mich in eine kleine Gruppe von Läufern. Einen riesigen schwarz gekleideten Läufer und einen blauen Läufer. Eigentlich wollte ich diese Beiden nur kurz überholen, aber wie es bei manchen Männer-Egos so ist, funktioniert das mit dem Überholen nicht immer direkt. Jedes Mal wenn ich im Überholmanöver war, rasten die Beiden wieder los. Der Blaue blickte sich dabei immer wieder um und guckte, ob ich hinter her komme. Immer wieder amüsant. Wir erreichten Kilometer fünf. Bald würde der Gegenverkehr beginnen, dann würde es wieder eng werden. Der schwarze Riese machte wieder einen Satz nach vorne. Das Problem war, dass er so groß war, dass er mit seinen spitzen Ellenbogen immer vor meinem Schädel rumwedelte und dazu auch noch Kopfhörer im Ohr hatte und in seiner eigenen Welt unterwegs war. Der Gegenverkehr kam. Es wurde wieder problematischer mit dem Überholen. Ich musste wieder an den Ellenbogen vorbei.

Nach zwei weiteren Kilometern kam der Wendepunkt dann endlich auch für mich. Jetzt war ich der Gegenverkehr. Ich war auf dem Rückweg. Der Gegenwind hielt sich in Grenzen. Meine Beine fühlten sich zäh an. Vor allem die hintere Oberschenkelmuskulatur war wenig erfreut über das, was ich ihr da abverlangte. Sie wollte wieder in den Teich. Abhängen. Ich zog weiter und das Spiel mit meinen beiden Männern, dem Blauen und dem Schwarzen mit seinen gefährlichen Ellenbogen, ging weiter. Sie ließen nicht locker und versuchten mich immer wieder zu versägen. Die letzten Kilometer kamen, ich passierte ein zweites Mal die leere Gummipuppe im Graben und machte mich wieder auf den Weg zurück zum Stadion.

Ich hatte mittlerweile meine beiden Wegbegleiter abgeschüttelt. Für einen kurzen Moment hatte sich eine weitere Dame mit einem Hasen an meine Fersen gehängt. Der Hase war äußerst eifrig in der Motivation seiner Begleiterin. Ich hatte mich schon gefreut bis zum Ziel mit so viel Motivation und Moderation zu laufen, aber die Zeit in meinem Windschatten dauerte nicht allzu lange und sie ließen wieder abreißen. Den letzten Kilometer lief ich mehr oder weniger alleine. Ich hatte zwar noch genug Läufer in Sichtweite, aber in nächster Nähe war keiner mehr. Ich bog in das Stadion ein. Das Ziel war nahe. Ohne irgendwas an meiner Platzierung zu ändern drehte ich meine letzte Runde auf der Bahn. Ich stoppte meine Zeit. 1:07:57. Das war ein gutes Stück schneller als beim Silvesterlauf.

Ich freute mich auf mein Belohnungsfutter, auf eine warme Badewanne und einen ruhigen Sonntagnachmittag. Es geht doch nichts über den zufriedenen Zustand nach getaner Arbeit.


Sonntag, 04.02.18

Liebes Tagebuch,

diese Woche hätte planmäßig im Zeichen der Erholung und Regeneration sein sollen. Ich verfolge derweil zwar keinen Trainingsplan, aber zumindest versuche ich regelmäßig Regenerationswochen einzustreuen. Aber halt irgendwie nur theoretisch. Anfang der Woche hatte ich einfach keine Lust auf Füße hoch legen. Ich wollte mich bewegen. Allein die Vorstellung von nichts tun machte mich ganz nervös. Also, was tun? Auf die trockene Trainingstheorie hören oder dem scharrenden, wilden Homo Sapiens in mir nach geben? Natürlich letzteres. Und so kam es, dass ich mir für heute einen spontanen Wettkampf gesucht habe. Nach einem kurzen Hin und Her wo meine Wochenendreise hingehen soll, entschloss ich mich zu einem Besuch bei meinen lieben Eltern in Neuss. Dort in der Nähe fand heute der 2. Lauf der Hildener Laufserie statt.

Bereits vor dem Wecker wurde ich heute wach und mein Körper verlangte nach einer ziemlich zügigen Blasenentleerung. Noch ziemlich gerädert schlappte ich auf die Toilette. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich noch eine Dreiviertelstunde bis zum Einsatz meines Weckers hatte. Nun gut, irgendwie lohnte es sich nicht mehr sich nochmal hinzulegen. Ich verbrachte die Zeit mit einer Schlafanalyse meiner Uhr und ein paar Durchgängen Flow Yoga. Nicht nur subjektiv war meine Nacht nur dürftig, auch objektiv hatte meine Uhr einen eher mäßig guten Schlaf aufgezeichnet. Ein Blick auf die Temperatur ließ mich bereits drinnen frösteln. Brrrr… es waren um die 0°C. Zumindest würde ich dann richtig wach werden.

In der Küche fiel mein Blick auf einen kleinen Kalender, den meine Mutter im Fenster stehen hatte. „Liebe ist das Einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden.“ Das war ein schöner Spruch. Lächelnd machte ich mir meine Henkersmahlzeit fertig und futterte den Quark mit Haferflocken, Hanfproteinpulver, Äpfelchen, Nachtkerzenöl, Macadamianüssen und etwas Trockenobst.

Frisch gestärkt packte ich dann meine sieben (wahrscheinlich waren es eher 70) Sachen und machte mich startklar. Ich machte mich auf die Heimreise mit einem „kleinen“ Zwischenstopp in Hilden. Der Lauf lag quasi auf meinem Heimweg. Ich hatte auf der Homepage auf einen Anfahrtslink geklickt und hatte mich dann direkt über mein Handy dort hin lotsen lassen. Ich erreichte mein Ziel und guckte mal wieder etwas blöd aus der Wäsche. Auf dem Parkplatz war ich zwar nicht alleine, aber alle die hier aus dem Auto kraxelten sahen eher aus, als würden sie zur Rentnergymnastik kriechen. Ich blickte mich um. Hier war kein Lauf. Okay, auf was für einen Anfahrtslink hatte ich da eigentlich geklickt? Es war bereits 10:00 Uhr und der Start des 10 km Laufes war für 10:50 Uhr geplant. Und ich stand mal wieder irgendwo auf diesem Planeten und hatte keinen Plan von nix. Kichernd und vor mich hin brabbelnd stöberte ich in meinem Handy nach der Ausschreibung und wurde pfündig. Ich hatte die Anfahrt des Vereins genommen und nicht die Anfahrt der Veranstaltung. Wie dem auch sei. Gehirnzellen werden auch total überbewertet. Ich startete ein 2. Mal meine Navi-Tante und fuhr brav den Anweisungen hinterher. Dieses Mal zum Glück mit Erfolg. Bunte Läufer wuselten durch einen Stadtwald und durch den lichten Wald waren die Banner der Laufveranstaltung zu erkennen.

Ich meldete mich flink nach und machte mich warm. Gerade bei diesen Temperaturen war das Warmlaufen wichtig, damit sich seine Strukturen nicht schrottet. Ich fühlte mich eigentlich ganz gut. Ein Tick dynamisch, gepaart mit einer guten Portion Grelligkeit gleich mit den anderen um die Wette zu laufen. Vor der Startlinie bildete sich wieder der klassische Läuferschwarm. Alle warteten frierend auf den Gnadenschuss, der uns endlich auf die Piste schicken würde, damit wir uns mit selbstgemachter Muskelwärme wieder aufheizen konnten. Ich freute mich.

Irgendwie war ich total Tiefenentspannt, schließlich hatte ich eine theoretische Ruhewoche hinter mir. Praktisch war sie tatsächlich mit mehr Trainingsumfängen behaftet, als die Wochen davor. Aber das war mir egal. Ich fühlte mich gut. Ich hatte mal wieder auf mein Gefühl gehört und mein Training daran angepasst. Man durfte nur nicht Kopf und Gefühl verwechseln. Und das tat ich nicht oder etwa doch?

Es ging los. Wie so oft beim Start wurde ich gnadenlos über rannt und nach hinten durch gereicht. Ui, das schien ein schnelles Feld zu sein. Egal, ich probierte mein Tempo zu Laufen. Die Strecke führte mit kleinen „Wellen“ durch den Wald. Eine schöne Strecke. Um auf die 10 km zu kommen mussten wir eine 5 km Runde zweimal laufen. Diese Konstellation gefällt mir immer sehr gut. Egal auf welcher Distanz. Zwei Runden laufe ich immer gerne. Nach ein paar Kilometern hatten sich die wilden Läufer etwas beruhigt und ich fing an mich stetig in dem Feld nach vorne zu arbeiten. Ich probierte mich von den Überholmanövern nicht zu verleiten zu lassen zu schnell zu werden. Die Strecke war durch die Hügel eh schon sehr unrhythmisch. Mit jedem weiteren Kilometer fühlte sich mein Körper immer besser.

Als ich in die 2. Runde ging wurde die dritte Frau anmoderiert. Hatte er mich gemeint? Meinen Namen hatte ich nicht gehört. Aber eine andere Frau konnte ich nicht sehen. Ich lief weiter und dachte noch eine Weile darüber nach. Plötzlich fiel mir auf, dass einer der Läufer vor mir eine Frau war. Sie war so eingemummelt, dass ich sie nicht erkannt hatte. Ich überholte sie und freute mich. Das musste nun der dritte Platz sein. Ein Treppchenplatz. Ich rannte weiter und versuchte wieder zu forcieren. Vor mir konnte noch eine weitere Frau erkennen. Das musste Platz zwei sein. Ob ich sie wohl kriegen würde? Ich hatte keine Ahnung. Ich versuchte mich nicht verrückt zu machen und lief einfach meinen Schlappen weiter. Kleine, zarte Schneeflocken fielen vom Himmel und gleichzeitig schien die Sonne durch das Geäst. Eigentlich viel zu schön, um zu ballern.  Ich passierte Kilometer acht. Jetzt waren es noch läppische zwei Kilometer. Es würde jetzt noch einmal einen kleinen Berg hoch gehen und erfahrungsgemäß konnte ich das eigentlich ganz gut. Der Abstand zu der zweiten Dame war Stück für Stück geschmolzen. Aber ob ich es ganz an sie dran oder sogar an ihr vorbei schaffen würde, wusste ich nicht.

Der Anstieg kam und ich zog an. Da ging noch was. Mit bewusst kleinen Schritten probierte ich den Abstand zu verringern. Bildete ich es mir ein oder wurde er wirklich kleiner? Konnte ich es schaffen? Ich zog weiter und weiter. Kilometer neun. Jetzt hatte ich nur noch einen Kilometer. Die zweite Dame war zum Greifen nah. Los jetzt. Go. Ich probierte noch einen Gang hoch zu schalten und näherte mich immer weiter bis ich sie tatsächlich überholen konnte. Jetzt musste ich das Tempo nur noch halten. Es ging ein letztes Mal um die Kurve. Heiliger Bimbam, das Ziel war irgendwie noch weiter weg, als ich es in Erinnerung hatte. Einfach weiter ziehen. Das Ziel kam nur in Zeitlupe näher. Ob die zweite Dame wohl an mir dran hing? Ich konnte nichts hören. Ein paar Meter vor dem Ziel hörte ich auf einmal hinter mir ein Getöse und Gejubel. Und dann hörte ich die Schritte. Eine hohe Schrittfrequenz. Und dann ein Stoß an meinem linken Arm. Ein schwarz gekleideter Läufer zersägte mich mit Mach drei und flog vor mir im Tiefflug ins Ziel. Ich musste mich tatsächlich kurz etwas sortieren. Weiter, Du musst auch noch über die Ziellinie! Ich machte die letzten Schritte und überquerte die Ziellinie. Ich stoppte die Zeit. Ich hatte eine Punktlandung unter 45 Minuten gemacht. 44:59. Im Ziel wartete eine üppige Verpflegung auf uns.

Die letzte Dame, die ich noch überholt hatte, kam zu mir und wir beglückwünschten uns gegenseitig zu unserem Lauf. Sie strahlte so vor Freude und erzählte mir, dass sie erst seit acht Monaten läuft. Ihr Mann und ihre Kinder kamen zu ihr und freuten sich mit ihrer Mama. Ich bekam eine Gänsehaut von der liebevollen Stimmung und mir fiel wieder der Kalenderspruch meiner Mutter ein.

„Liebe ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es verschwendet.“ Was war das nur für ein schönes Happyend. Zufrieden fuhr ich weiter nach Hause und freute mich auf mein Belohnungsfutter. Ich hatte Richtig Lust auf Lachs. Und Ei. Und natürlich was Grünes dazu. Vielleicht auch noch was Weißes. Blumenkohl. Oh ja, das war ein guter Plan.


Sonntag, 28.01.18

Gewicht: 59,8 kg

Liebes Tagebuch,

die Hammer Laufserie hat begonnen. Irgendwie ist die Hammerserie der Einstieg in die neue Saison. Obwohl ich jetzt schon ein paar „Einstiege“ hatte und schon wieder voll drin bin im Wettkampfgeschehen, ist diese Serie nochmal ein besonderer Saisonbeginn. Seit ein paar Jahren wurde der Streckenverlauf geändert und das ewige „Rundengedrehe“ im Park wurde zu Gunsten einer langen Wendepunktstrecke auf der anderen Seite des Kanals geändert.

Da der 10 km Lauf dieser Serie für viele Läufer zu einem richtigen Saisonstart dazu gehört und hier auch viele schnelle Läufer kommen, ist dieser Lauf immer ziemlich gut besucht. Auf Grund dieser Tatsache wurde bisher der Lauf auf zwei Starts aufgeteilt, damit es auf der Strecke nicht zu voll wird. Für dieses Jahr wurde diese Maßnahme eingestellt und es gab nur noch einen Start. Es würde also ziemlich voll werden auf der Strecke. Aber gegen einen kuscheligen Lauf mit viel Körperkontakt ist bei einem so windigen Wetter wenig einzuwenden. (Man kann sich alles irgendwie schön reden.)

Mein Körper fühlte sich eigentlich ganz gut an. Es gab keinerlei „Wehwehchen“ oder andere körperinterne Unstimmigkeiten. Mein Lauffieber war noch immer am Brodeln. Ich hatte einfach nach wie vor Bock zu rennen. Zeitliche Ziele hatte ich nicht. Ich wollte natürlich bei der Serie wieder einen guten Altersklassenplatz abstauben, aber dies war nun mal auch davon abhängig, wie stark die Konkurrenz war. Naja gut, natürlich auch wie stark ich war. Ich erreichte zeitig den Ort des Geschehens und drückte mich durch das volle Zelt, das für die Anmeldung, Siegerehrung und vor allem ganz wichtig für die laaaaange Kuchentheke aufgestellt worden war. Ich holte mir meine Startnummer, die Nummer 31, und machte mich bereit. Es herrschte ein reges Treiben. Aus allen Richtungen strömten die Läufer in den unterschiedlichsten Farben. Läufer sind schon immer ein wunderbar bunter Hafen und das in vielerlei Hinsicht. Eine tolle heterogene Gemeinschaft.

Ich machte mich warm und fühlte in meine Strukturen. Der Befund war unauffällig. Ich fühlte mich weder vor Power strotzend, noch schlaff. Also irgendwie okay. Um kurz vor 11:00 Uhr sammelten sich dann die Massen vor der Startlinie. Wie so oft bei Läufen, die in einem Stadion starten, drängen die meisten nach vorne. Alle wollen vorne stehen, damit sie gut weg kommen. Und dies führt zu einem wilden Gerangel. Normal bin ich hier sehr zurückhaltend und stelle mich nicht so weit nach vorne, weil ich niemanden behindern möchte. Aber im heutigen Fall wollte ich schon relativ weit vorne stehen.

Um kurz nach 11:00 Uhr ging es dann los. Ich stand gut. Ich kam einigermaßen gut weg, trotz der vollgestopften Bahn. Meine Beine fühlten sich plötzlich total aufgepumpt an. Was zum Henker war das denn? Wie eigenständige Moppeds legten sie los. Ich bewegte mich mit ruhig-kontrolliertem Atem durch das Läuferfeld. Ich hatte sofort mein Tempo. Es fühlte sich gut an. Wir überquerten den Kanal und die Lippe und machten uns mit dem Wind im Rücken auf den Weg Richtung Wendepunkt. Irgendwann begann der Gegenverkehr. Die Spitze kam uns entgegen und nach der Spitze folgten logischerweise alle, die vor mir waren. Die Strecke wurde nun etwas eng. Ich hatte Kilometer 4 passiert und probierte nun bei meinen Überholmanövern nicht in den schnellen Gegenverkehr zu geraten. Kurz vor dem Wendepunk lief ich auf eine Gruppe auf, die sich etwas breit machte und mir das Überholen links unmöglich machte. Da ich nicht frontal mit dem Gegenverkehr kollidieren wollte, tat ich etwas im Straßenverkehr total Verbotenes. Ich überholte rechts. Und das auch noch neben der Strecke über Stock und Stein und matschigen Untergrund. Ich merkte sofort, dass diese Aktion Körner kostete.

Ich erreichte den Wendepunkt und begab mich in den Gegenwind. Die Beine fingen an zu jammern. Aber immerhin hatte ich nun freie Bahn und musste nicht mehr offroad laufen. Nach ein paar Metern wurde mir dann aber klar, dass freie Bahn bei frontalem Gegenwind auch nur mittel ist. Egal. Go hard or go bzw. fly home. Ich fand im Wind mein Tempo und fühlte mich wieder etwas kontrollierter. Nach dem Überholmanöver und den ersten Metern im Wind hatte ich mich kurzzeitig etwas geplättet gefühlt. Aber nun lief es wieder einigermaßen rund. Ich überholte vereinzelte Läufer und motivierte mich das Tempo noch mal zu forcieren. Dies ist bei Gegenwind nicht ganz so einfach. Es wurde mit jedem Kilometer zäher. So soll es sein. Kurz vor Kilometer 8 vernahm ich etwas Rosafarbenes in einem Baum hängen. Ich dachte erst es sei ein Schweinekostüm. Es ist ja schließlich bald Karneval, da kann sowas schon mal sein. Während ich darüber nach dachte, ob der Sturm Friederike irgendeinem armen Jäcken das Kostüm weggeblasen hatte, stellte ich fest dass es kein Schweinkostüm war. Es war eine Gummipuppe, der die Luft ausgegangen war. Mein Gehirn lachte still vor sich hin bei dem Anblick der leeren Puppe im Baum. Nun hoffte ich nur, dass es mir auf den letzten Metern nicht genau wie dieser Puppe ergehen würde und mir die Luft nicht ausgehen würde.

Wir überquerten die Brücke und machten uns dann auf den letzten Kilometer. Ich fühlte mich noch immer gut. Ich probierte weiter zu ziehen. Wie immer hatte ich keine Ahnung was ich da für eine Pace lief. Und es war mir auch egal. Im Ziel würde ich es sehen. Ich erreichte das Stadion und versuchte die letzten Körner zu mobilisieren. Nach 44:07 überquerte ich die Ziellinie. Ich rang kurz nach Atem und freute mich über das Resultat. Der Lauf hatte sich einfach gut angefühlt.

Meine Bestzeit auf 10 km lag bei 43:12, was ca. eine Minute schneller ist. Aber in Anbetracht der vollen Strecke und dem Wind war diese Zeit schon ziemlich nah dran. Aber eigentlich war ich überhaupt nicht im Bestzeitenmodus. Ich war gerade streng genommen nur etwas grelle auf Rennen, wobei mein Trainingspensum derzeit mit nur 30 km pro Woche ziemlich moderat war. Auf der Ergebnisliste stellte ich nach dem Lauf dann fest, dass ich in meiner AK den 4. Platz belegt hatte.

Das war schon mal kein schlechter Start für meinen Kampf um einen Altersklassenplatz. Mal schauen wie viele von den schnellen Ladys aus meiner Altersklasse auch die Serie komplett laufen. Mit einem leckeren Käffchen und meinem Lieblingsfutter endete Teil eins der Serie. Ich bin gespannt wo die „Serienreise“ dieses Jahr hin geht.


Samstag, 20. Januar 2018

Gewicht: 60,0 kg (Nach langem, laaaaaangem hin und her zwischen 59,9 kg und 60,0 kg hat sich die Waage dann doch zum Aufrunden entschlossen) 

Liebes Tagebuch,

der Plan sah es eigentlich nicht vor heute bereits zu rennen. Normalerweise hätte es erst morgen den Welver Crosslauf gegeben, aber wie hier bereits geschildert wurde dieser wunderbare Lauf von Madame Friederike weg geblasen. So hatte ich mir gestern dann spontan eine Ersatzhandlung gesucht und war beim Werler Kurparklauf hängen geblieben. Den hatte ich in meiner bisherigen Laufkarriere noch nie unter die Treterchen genommen. Ein Grund mehr, um hier mal ein paar Runden zu drehen. Gesagt getan. Mit einer verkürzten Kohlenhydratspeicherung habe ich mich dann heute für den Lauf vorbereitet. Der verkaterte Hintern war noch immer am „miauen“, aber ansonsten gab es wenig Grund zur Sorge. Die Beine fühlten sich okay an und die Motivation und Freude wieder zu rennen war mehr als okay. Da dieses Wochenende ja eine gewisse Note der Spontanität besaß, habe ich mir als Henkersmahlzeit mal ganz was Neues zubereitet. 40 g Quinoa mit 14 g Erdnussbutter, einer zermatschten Banane, 2 Macadamia Nüssen, 7 g Mandelmehl, 250 g Magerquark  und ca. 23 g Eiweißpulver. Das geschulte Auge erkennt, dass selbst in meiner „Kohlenhydrat-Phase“ der Eiweißanteil überwiegt. Vielleicht mag der ein oder andere sich fragen „warum tut sie das??“ Und die Antwort lautet: Sie tut das, weil es funktioniert.

Aber kommen wir zu den interessanteren Dingen. Dem Laufen. Mit Sack und Pack habe ich mich dann mittags auf die Reise nach Werl gemacht. Da ich grob wusste wo ich hin musste, habe ich davon abgesehen die Navi-Tante zu starten. Dies endete natürlich in einem kleinen Verfahr-Manöver. Wie soll es auch anders sein. Ich musste dann doch das Navi um Rat fragen. Und das endete ebenfalls mit einem verwirrten Gesichtsausdruck.  „Sie haben ihr Ziel erreicht. Das Ziel liegt links.“ Da war nur nix. Ein leerer Parkplatz. Keine Menschenseele. Einfach „nüchts“. Nach einer längeren Stippvisite durch die Sportanlagen überlegte ich, ob ich einfach wieder Heim fahren sollte. War der Lauf vielleicht doch abgesagt? Und ich habe es anscheinend als einziger Homo Sapiens der Untergattung Läufer nicht mit bekommen? Zum Glück kamen dann noch eine Läuferin, sowie eine bekannte Läuferin, die sich auskannte. Es geht doch nicht über Insiderwissen. Sie führte uns in den Kurpark zum Start- und Zielbereich. Hier waren tatsächlich ein paar Menschen bzw. Läufer. Ich fühlte mich ein kleinwenig wie in einer Oase nach einer Reise durch die Wüste und Einsamkeit. Okay, dies ist vielleicht etwas dramatisiert formuliert, aber in jedem Fall freute ich mich über die Läufer-Zivilisation im Kurpark.




Um 14:20 Uhr wurden wir dann im Startfeld nach Schulmanier alle namentlich aufgerufen. Sowas hatte ich schon einige Male erlebt und es amüsiert mich jedes Mal aufs Neue. Und dann ging es los. Sechs Runden durch den Werler Kurpark, der den Besuch von Friederike auch nicht verleugnen konnte. Überall lagen Äste rum und es sah alles etwas verwüstet aus. Aber zumindest lagen keine Bäume rum. Der Boden war an vielen Stellen schlammig und ich sah nach den ersten Metern schon aus wie ein Ferkel. Also, wie immer.

Das Feld schoss in einem Tempo davon, dass es mir schwer machte mein eigenes Tempo zu finden. Wenn alle so schnell weg sind, ist man gewillt hinter her zu rennen. Nicht, dass die Läufer-Zivilisation doch auf einmal wieder futsch ist und man alleine ist. Mit viel Disziplin zwang ich mich mein Tempo zu laufen. Die Strecke ging immer wieder etwas hoch und runter. Und da es ein kleiner Rundkurs war, ging es auch immer wieder um diverse Kurven. Kurve recht, Kurve links, Kurve rechts, Kurve links, hoch, runter, Kurve rechts, hoch, Kurve links und runter. Nach den ersten Runden war ich komplett orientierungslos. Ich lief einfach und klammerte mich gedanklich nur an die Rundenzahl, damit ich mich nicht verzähle. „Du bist in Runde 4, Du bist in Runde 4, Du bist in Runde 4…“ Ich dachte nur noch an die jeweilige Rundenzahl und freute mich über jede kleine Anfeuerung vom Streckenrand. Und endlich ging es in die letzte Runde. Jetzt musste ich nicht mehr nur noch an diese Zahl denken. Ich wusste, dass ich jetzt nur noch diese Runde beenden musste. Meine Beine fühlten sich mittlerweile von der Matsche und den ganzen Bodenwellen etwas dick an. Aber mein Körper fühlte sich trotz der Belastung gut an. Vor mir lief ein Bekannter, der in greifbarer Nähe war. „Ob ich ihn noch bekomme vorm Ziel?“ Nein, irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass da noch was ging. Die letzte Kurve vorm Ziel kam und auf einmal war ich direkt an ihm dran. Ich war etwas verwundert darüber, dass ich auf einmal so dicht hinter ihm war. Gemäß meiner „taktiklosen“ Renntaktik überholte ich ihn. Was dann geschah ist der Klassiker. Unter lautem Anfeuern der Zuschauer machte mein Bekannter einen Zielspurt, dem ich nur noch von hinten zuschauen konnte. Wow, Respekt was da noch für eine Schnellkraft drin steckte. Ich stoppte meine Uhr nach exakt 30:40 und beendete meinen Wochenendwettkampf.

Ich trabte zu meinem Auto und fühlte mich irgendwie beflügelt. Es war ein Gefühl der Dankbarkeit, vermischt mit einer absoluten Übersättigung mit Sauerstoff. Auch wenn es keine große Veranstaltung mit vielen Teilnehmern war, war es eine liebevoll organisierte Veranstaltung mit vielen netten Menschen. Zufrieden nuckelte ich mein After-Run-Drink aus und machte mich auf die Heimreise.  

Spontane Ersatzhandlung geglückt.


Freitag, 19. Januar 2018

Liebes Tagebuch,

irgendwie verlangt das Leben hin und wieder ein gewisses Maß an Spontanität. Der gestrige Tag hat uns kleinen Würmchen mal wieder gezeigt, wie mächtig die Natur ist. Der Sturm Friederike hat hier alles kurz und klein gepustet. Ich fand es unglaublich bedrohlich, dieses tiefe Brummen und Grollen des Windes und die wahnsinnige Kraft mit der er bzw. die übermütige Friederike alles wie Spielzeug umher gewirbelt hat. Heute sieht die Welt da draußen aus wie bei diesen Hempels unterm Sofa. Wer auch immer diese Hempels sind. Die kennen wahrscheinlich auch diese Katze von Schmitz, die der Redewendung nach immer abgeht. Wie dem auch sei. Ich war eben eine traben in diesem Chaos und bin nicht gerade abgegangen wie die besagte Katze, sondern bin sehr bedächtig durch die zerstörte Welt geschlappt. Es war ein bedrückendes und gleichzeitig erleichterndes Gefühl. Auf der einen Seite traurig was der Wind alles zerstört hat und auf der anderen Seite war ich froh, dass ich wieder frei draußen umher laufen konnte. Nach einer guten Stunde war ich wieder zu Hause und fragte mich, ob der Wald in Welver für den Crosslauf am Sonntag überhaupt „belaufbar“ ist. Wenn dort auch alles so zerstört ist wie hier, dann wäre ein Lauf nicht möglich. Nach einer kleinen Rutsche Körperhygienemaßnahmen schaute ich im Internet nach und stellte tatsächlich fest, dass er abgesagt wurde auf Grund der Folgen von Frau Friederike. Mein nächster Blick ging in den Laufkalender. Ersatzhandlung. Werler Kurparklauf. Der Kurpark war anscheinend von dem Zorn der Friederike nicht in dem Maße zerstört worden. Allerdings schon morgen und nicht Sonntag. Nun denn, dann wird halt morgen gerannt. Ohne Ruhetag und ohne dementsprechend lange Kohlenhydraterhöhung im Futter.

Dies hier war mein Mittagessen:

Und das mein Nachmittagssnack:

 

Kohlenhydratgehalt jeweils nur 19 %. Damit bekommt man keinen Glykogenspeicher pralle. Naja, und dann wäre da auch noch dieser Muskelkater von meinem gestrigen Workout. Ich sag nur: Rückenstrecker. Mir brennt der Hintern und der untere Rücken wie verrückt. Aber das ist alles besser als bei dem Wetter zu frieren.

So, jetzt muss ich aber mal mein Abendessen vorbereiten, damit noch was schneller Stoff in den Körper kommt. Ansonsten nutze ich einfach den brennenden Hintern als Antrieb.

Ach ja und dann muss ich auch noch schnell die Waschmaschine mit meinen Laufsachen füttern, sonst muss ich morgen nacktflitzen und das wäre mir eindeutig zu kalt und zu exhibitionistisch.

Ich freu mich auf morgen, auch wenn es total unplanmäßig ist.


Sonntag, 14.01.18

Gewicht: 60,3 kg

Liebes Tagebuch,

der Tag meines ersten Wettkampfes 2018 ist gekommen. Meine Vorfreude war die letzten Tage immer weiter gestiegen. Ich hatte wieder richtig Lust zu Laufen. Freitagnachmittag hatte ich allerdings einen kleinen Stolperstein in Form eines nicht so guten Trainingslaufes. Nicht gut, weil ich mich einfach nicht so pralle gefühlt hatte. Nun gut, diesen Lauf hatte ich auch in ausgelutschter und kohlenhydratkastrierter Verfassung gemacht. Bei dem Lauf hatte ich mich gefühlt, als hätte ich 100 km abgerissen. Tatsächlich hatte ich gerade mal 9 km geschafft. Nach dem Lauf hatte mein Futter zwar eine Kohlenhydratsteigerung erhalten, aber aus experimentiertechnischen Gründen eine nur sehr begrenzte Form. Ich fühlte mich nun am Tag X meines Saisonstartes etwas unsicher. Würde ich vielleicht wieder in so eine Verfassung geraten wie am Freitag? Würden die Kohlenhydrate reichen? Ich wusste es einfach nicht.

Die Nacht auf Sonntag war nicht nur kurz auf Grund einer Geburtstagsfeier am Samstagabend, sondern auch unruhig. Ich hatte mir tatsächlich nachts Gedanken über meinen Kohlenhydratstatus gemacht und überlegt, ob ich nachts nochmal eine kleine Stippvisite durch die Küche machen sollte. Ich hatte es nach langem hin und her dabei belassen und darauf gehofft, dass meine Speicher genug Stoff zum Rennen haben. Nach einer kleinen Portion Wasser im Gesicht, sowie in den Mund und in den Magen, ging es erst zu einer Runde Flow Yoga in mein Entspannungzimmerchen. Fühl den Atem, den Sauerstoff, die Entspannung, die Freude und das Bewusstsein über die Besonderheit eines jeden Momentes.

Nach meinem energiespendenden Flow gab es mein energiespendendes Futter, das mir hoffentlich gleich am Förderturm die entsprechende Power verleihen würde und mir bestenfalls nicht schwer im Bauch liegen oder mich zu „Gebüsch-Zwangs-Handlungen“ treiben würde.



Vor dem Lauf gab es wieder die üblichen Dinge, die ein Läufer vor seinem Rennen zu tun hat. Startnummer holen, diese einigermaßen gerade an den Bauch pinnen, mehrere Male auf Toilette rennen, Selfies mit einem rumstehenden Shetlandpony machen, mit lieben Bekannten quatschen und sich warm laufen. Beim Warmlaufen wurde ich so nervös, dass sich mein Verdauungstrakt mit einer aufflackernden Reizdarmsymptomatik meldete. Ich stürmte auf Klo und betete, dass genügend Toilettenpapier vorrätig ist. Ich scannte die Toilette und atmete ein weiteres Mal an diesem Tag tief durch. Es war genügend Material da. Damit konnte man arbeiten.

Nach meinem kurzen Zwischenstopp ging es noch eine Runde durch das Wohngebiet rund um den Förderturm. Das Warmlaufen war bei den eisigen Temperaturen gar nicht so einfach. Nun gut, wenn man sich dementsprechend anzieht, fällt das Warmlaufen auch leichter, aber irgendwie widerstrebt es mir auf Wettkämpfen lange Hosen zu tragen. Das mag vielleicht psychologisch sein, aber ich habe das Gefühl, dass mich die lange Hose beim schnellen Laufen hindert. Ich habe bei Wettkämpfen immer die Devise „Hauptsache der Torso ist warm“. Die Beine werden schon von alleine warm.

Da mich die letzten Tage die Kür von Ingrid Klimke zu dem Lied Hulapalu so sehr bewegt hatte, hörte ich kurz vor Start noch ein paar Durchläufe von dem ohrwurmpotenten Lied.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Mit der Melodie im Kopf ging es an den Start des 10 km Laufes. Mit dem Förderturm im Rücken startete der erste Wettkampf 2018 bei wunderbarem Winterwetter. Der Himmel strahlte in einem prächtigen Blau, die Sonne ließ sich auch endlich mal wieder richtig blicken und der Runner‘s Point Vanman schickte uns mit motivierenden Worten auf die Wendepunktstrecke. Ich lief langsam los und wühlte mich vorsichtig durch den Läuferschwarm. Meine Beine fühlten sich so wahnsinnig kraftvoll und dynamisch an. Mein Körper fühlte sich endlich wieder leicht und unbeschwert. Die letzten Monate hatte ich ein derartiges Laufgefühl nicht im Ansatz vernommen. Ich hatte bei meinen Läufen vielmehr eine maximale Bodenhaftung praktiziert. Aber so ein Gefühl wie heute war schon lange nicht mehr da gewesen.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Ich konzentrierte mich auf meine Atmung und versuchte den Flow zu spüren. Keine komplizierten Gedanken, keine Probleme, einfach nur Laufen, atmen und die Freude spüren. Mir war klar, dass wenn ich diesen Lauf schnell laufen wollte, früher oder später das Gefühl der Freude in den Hintergrund rutschen würde. Auf meinem Weg raus aus der Komfortzone würde irgendwann das Gefühl der Erschöpfung und der Kurzatmigkeit überwiegen. Die Strecke führte erst in eine 3 km Runde und von dort aus am Kanal entlang auf eine Wendepunktstrecke. Bei km 6 ging es dann wieder zurück. Ich hatte ein konstantes Tempo und fühlte mich noch stabil. Keinerlei Schwäche, Unterzuckerung oder sonstige Beschwerden. Anscheinend hatte mein Ernährungsexperiment geklappt und meine Speicher genügt Input zum Ballern. Ich versuchte immer weiter zu ziehen. Die Atmung wurde langsam aber sicher immer lauter. Noch zwei Kilometer. Der Förderturm und das Ziel waren schon in greifbarer Nähe.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Mir entglitten ein paar Zeilen des Refrains. Dafür reichte die Puste noch. „Lauf zu Deiner Freude“ ging es mir durch meinen Kopf. Ingrid Klimke hatte als Leitspruch „Reit zu Deiner Freude“. Und aus irgendwelchen Gründen hatte mein Hirnchen sich gerade folgenden Leitspruch ins Laufen übersetzt. Und dann entdeckte ich auf einmal vor mir eine gelbe Läuferin. Konnte ich sie wohl noch überholen? Kilometer 9. Es war noch ein Kilometer und ich hatte eine reelle Chance an sie heran zu kommen. Es sei denn, sie macht noch einen Endspurt. Denn ich war mittlerweile am Anschlag. Nix ging mehr. Der Abstand schmolz. Die Strecke bis zur Ziellinie allerdings auch. Die letzten Meter vor dem Ziel waren sehr kurvig.

Foto Runner's Point Vanman

Sollte ich taktisch klug laufen und länger hinter ihr bleiben und auf den letzten Metern vorbei ziehen oder sollte ich es einfach jetzt schon tun? Ich war nie ein „Taktikrenner“, sondern immer ein Gefühlsläufer. Ich zog einfach direkt an ihr vorbei. Wenn sie die Körner besitzen würde, um gegen zu halten oder mich im Endspurt von hinten nochmal zu überholen, dann hätte sie unseren persönlichen Kampf verdient gewonnen. Ich ließ sie hinter mir und fokussierte nur noch den Zielbogen und den Vanman. Wenn sie nochmal vorbei ziehen würde, dann wäre es halt so. Ich konnte keinen Fatz schneller. Ich überlief in 44:31 die Ziellinie und hatte es geschafft. Einen erfolgreichen und wunderbaren Start in das neue Laufjahr. Ich rang um Atem, drehte mich um und gratulierte meiner gelben Konkurrentin.

Auf den Ergebnislisten stellte ich dann fest, dass ich es tatsächlich geschafft hatte, meine AK zu gewinnen und als 9. Gesamtfrau das Rennen zu beenden.

Ein wunderbarer und erfolgreicher Lauftag endete bei einem ebenso wunderbaren Sonnenuntergang auf dem Pferderücken meines Ponys.


Samstag, 6. Januar 2018

Gewicht: 60,6 kg

Liebes Tagebuch,

eine wunderbare Woche der Regeneration liegt nun hinter mir. Nach dem Silvesterlauf hatte ich tatsächlich mehrere Tage einen mittelmäßigen Kater an verschiedenen Stellen meines überschaubar, großen Körpers, so dass es mir nicht sonderlich schwer fiel mal zu relaxen. Gelaufen bin ich lediglich am Mittwoch. Ansonsten habe ich meinen Körper mit Flow Yoga, Tischtennis, Black Roll, Mobilty, Animal Athletics, Sauna, spazieren gehen und „schockfrosten“ konfrontiert.  Einfach mal andere Dinge tun als sonst, entspannen und dem Körper genug Gelegenheit geben, um durch zu atmen.

 

Ich habe gerade den Wunsch etwas über meine Woche zu schreiben, weil sie mich so gestärkt hat. Ich fühle mich in mir ruhend und voller Freude auf die Aktivitäten, die in den nächsten Wochen auf mich warten, aber die Wörter kommen heute nur schwerfällig aus mir heraus. Wäre ich ein Schriftsteller, der gerade an einem Roman sitzt, dann hätte ich wohl gerade eine ziemliche Schreibblockade. Um zu vermeiden, dass ich jetzt nur ein unzufriedenstellendes Gestammel verzapfe, fasse ich mich lieber kurz.

Mein Körper ist maximal erholt, was ich an einem durchschnittlichen Ruhepuls von 41 wiederspiegelt. Ich fühle mich ansonsten ähnlich wie in der Taperingphase eines Marathons. Meine Muskeln sind irgendwie schwer und träge. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich mir jetzt wahrscheinlich Sorgen machen. Aber aus vielen Marathonvorbereitungen weiß ich, dass sich die Regeneration so anfühlen muss. Die geballte Power fühlt sich auf den ersten „Fühler“ ziemlich schrottreif an.

Aber ich hatte diese Woche auch Momente, die voller Energie waren. Zum Beispiel die kurzen Augenblicke meines „Schockfrostens“. Vielleicht bist Du da eben schon dran hängen geblieben und hast Dich gefragt, was ich damit schon wieder meine. Mit der Kälte habe ich es ja eigentlich nicht so. Ich bin das Standardmodell Frau, das schnell mal friert und kalte Extremitäten hat. Was hilft gegen Kälte? Wärme natürlich! Ich bin das Menschlein, das sich im Winter immer von Heizkörper zu Heizkörper schlängelt, um die maximale Menge an Wärme mit zu nehmen. Ich hatte schon mal probiert meinen Körper etwas abzuhärten, in dem ich morgens kalt geduscht habe. Aber dies ging nach hinten los. Ich wurde gar nicht mehr warm und hing noch mehr an den Heizkörpern. Man hätte mir eigentlich einen tragbaren Heizkörper auf den Rücken montieren können. Aber nun hatte ich einen neuen Plan. Ein kleiner Kälteschock in unserem 5°C kalten Teich. Kältetraining mit dem Ziel der Umwandlung von weißem, nutzlosen Fettgewebe zu braunen, wärmeproduzierenden Fettgewebe. Man fühlt sich danach wie neu geboren. Der Unterschied zu meinen einstigen Kälteduschen: Ich schließe mit einer Wärmeanwendung ab. Sprich, ich habe danach einen Saunagang vollzogen oder eine warme Dusche genommen. Ob der Effekt dann genauso stark ist wie ohne, weiß ich nicht, aber ohne abschließendem Aufwärmen bin ich zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Wer weiß, vielleicht sind mir bei meinen Kälteanwendungen ein paar Gehirnzellen eingefroren und daher der Mangel an Schreibkompetenz.  

Und nun erfreue ich mich an meinem regenerativen Futter und freue mich auf meinen nächsten Wettkampf, den ich schon beinahe riechen kann. Den Lauf um den Förderturm in Bönen. Den Lauf gibt es erst seit ein paar Jahren. Davor hieß die Veranstaltung, die für mich damals immer der richtige Einstieg ins neue Wettkampfjahr war, „Rund um Flierich“. Da ich die letzten Jahre nicht mehr ganz so eifrig bei der Sache war, habe ich die neue Veranstaltung noch nicht besucht. Ich bin gespannt auf die neue Strecke, auf das Wetter und nicht zu Letzt auf meinen Körper. Wird er sich vielleicht schon eine Spur dynamischer anfühlen?

Bis dahin werde ich ihn auf jeden Fall mit viel Kälte, Training und Futter füttern.



Sonntag, 31. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

heute war es endlich so weit. Mein „Lauf-Comeback 2017“. Eigentlich könnte man auch sagen „Lauf-Comeback 2018“, da die Tage und mittlerweile auch die Stunden gezählt sind. Das neue Jahr wartet wie eine Katze vorm Mäuseloch auf seine Beute. Ich freue mich auf das neue Jahr. Aber ich würde mich auch freuen, wenn es kein neues Jahr geben würde und morgen nur ein hundsgewöhnliches „morgen“ wäre. Aber bleiben wir noch einmal kurz beim heute. Im Mauseloch.

Gegen halb sieben habe ich mich heute Morgen aus dem Bett geschält. Die Blase war voll und das Pensum an Schlaf war erfüllt. Außerdem hatte ich Hunger. Ich habe im Moment immer Hunger. Also morgens zumindest. Und mittags. Und abends. Und auch zwischendurch. Okay, belassen wir es einfachhalthalber bei immer. Da der Start des Silvesterlaufes um 13:30 Uhr war, bedeutete dies für mich zwei volle Mahlzeiten in der Zeit bis zum Start. Andernfalls würde ich wahrscheinlich verhungern. Natürlich weiß ich, dass dies nicht eintreten würde, aber aus mir unerklärlichen Gründen kann ich im Moment den Hunger nicht tolerieren. Daher fällt mein Nüchterntraining derzeit etwas knapper aus. Aber ich arbeite wieder daran diesen Zustand zu ändern. Die Muskeln fressen halt auch munter vor sich hin. Und ich glaub das Hirn auch. Fällt bei mir zwar nicht auf, aber das ist meine geheime Theorie bezüglich meines Hungers.

Um 10:30 Uhr ging es nach Bad Westernkotten, wo mich der großartige Lauftreff SV Aktiv Bad Westernkotten mit nach Werl genommen hat. Vielen lieben Dank an dieser Stelle. 

In einem Reisebus ging es bei heiterer Klassenfahrt-Atmosphäre zum Start des Silvesterlaufes. Die Fahrt nutzte ich, um mir meine Henkersmahlzeit einzuverleiben. Haferflocken mit Quark, ein bisschen Trockenobst und ein paar Nüssen.

Nach dem üblichen Prozedere vor dem Start mit gefühlt 100 Besuchen auf der Pipibox, dem Abgeben des Kleiderbeutels und vielen wunderbaren Gesprächen mit Gleichgesinnten, stand ich dann um 13:29 Uhr im Startfeld. Dicht gedrängt und gut geschützt vor dem Wind. Es war wärmer als erwartet. Zum Glück. Der Himmel hatte sogar einen recht freundlichen Charakter. Mein rechter Fuß hatte sich beim Warmlaufen irgendwie ungeschmeidig angefühlt. Höchstwahrscheinlich war dies nur eine psychosomatische Vorwettkampfs-Halluzination. Der Startschuss schickte uns pünktlich um 13:30 Uhr  auf die Piste. Ich setzte mich in Bewegung und startete meinen Spießroutenlauf durch die Menschenmengen. Ich war schon wirklich lange nicht mehr richtig gerannt. Ob ich mein Tempo finden würde? Was wohl meine squatgeschwängerten Beine zu den 15 „schnellen“ Kilometern sagen werden? Ich konnte es nicht einschätzen. Ich wollte nur eins. Einen gut eingeteilten Lauf, der mir Freude bereitet. Wir erreichten schon bald die B1. Von hier an ging es bis Soest nur noch Strack geradeaus. Allerdings mit ein paar Bodenwellen gewürzt. Ich finde diese Wellen schon irgendwie hinderlich und ich spüre sehr, sehr deutlich die Hangabriebskraft, aber ich bin auch ein Flachlandheini und nix gewohnt.

Die Kilometer vergingen nur langsam. Mein Körper fühlte sich undynamisch an. Es war sogar ein Hauch von Seitenstichen zu vernehmen. Und irgendwie hatte ich Durst. Beim Silvesterlauf! Durst beim Silvesterlauf hatte ich bisher auch noch nie gehabt. Aber das Wetter war auch einfach zu gut. Der vorhergesagte Regen war einfach nicht angetreten. Stattdessen lugte hin und wieder sogar die Sonne durch die Wolkendecke und der Wind schob von schräg hinten. Einfach perfekt. Schritt für Schritt bewegte ich mich durch das Läuferfeld Richtung Soest. Immer wieder gesellten sich die verschiedensten Wegbegleiter an meine Seite. Man wechselte hier und da ein paar Worte und irgendwann trennte man sich wieder von einander, weil einer von beiden schneller konnte bzw. der andere nicht mehr mithalten konnte. Meine Seitenstiche hielten sich noch ein paar Kilometer wacker in meinem rechten Oberbauch und sorgten dafür, dass sich meine schweren Beine nicht so einsam mit ihrem bleiernen Zustand fühlten. Ich konzentrierte mich auf eine tiefe und ruhige Atmung. Es war faszinierend wie sehr ich mich von dem dynamischen Laufgefühl entfernt hatte. Meine kurzen und knackigen Laufintervalle innerhalb meines Crosstrainings fühlten sich immer so gut und dynamisch an, aber das was ich hier gerade veranstaltete, war weit entfernt von spritzig und agil. Aber irgendwie machte es trotzdem Spaß. Ich freute mich, dass mein Körper lief. Er lief und lief und die Seitenstiche wurden mit der Zeit besser. Vielleicht hätte der Ess-Lauf-Abstand noch etwas größer sein sollen. Mir fehlte die Leichtigkeit einer leeren Verdauung. Aber immerhin war dieser Zustand alle Male besser als ein Hungerast.

Wir näherten uns Soest und ich fühlte mich eigentlich noch ganz gut. Eigentlich besser als zu Beginn. Ich versuchte die letzten Kilometer noch einen Hauch zuzulegen. Immer schön atmen und die Beine laufen lassen. Wir passierten eine Tankstelle und der Blick auf den Dieselpreis ließ mich kurz stocken. 1,19. Na super, ich hatte gestern Abend für 1,20 vollgetankt. Mich amüsierte der Gedankt über den Sprit. Hatte ich jemals in meiner Laufkarriere während eines Laufes über irgendwelche Spritpreise nach gedacht? Ich glaube nicht.

Endlich verließen wir die B1 und schlängelten uns für die restlichen Kilometer durch die Soester Innenstadt. Ich beschleunigte tatsächlich noch einen Schiss. Und dann spürte ich endlich das wunderschöne Kopfsteinpflaster unter meinen Füßen, die sich mittlerweile tatsächlich etwas wund unter den Ballen anfühlten. Gleich würde hinter der Kurve der Van Man auftauchen und mir den letzten Funken Motivation für die verbleibenden Meter und für mein geglücktes „Lauf-Comeback“ mit geben. Und so war es auch. Er begrüßte mich und ich nahm mir die Zeit, um kurz bei ihm stehen zu bleiben. Und dann war das Ding gerockt. Ich stoppte meine Zeit und blickte das erste Mal auf meine Uhr. 1:10:45. Wow, das war absolut mehr als ich erwartet hatte. Ich hatte mir gewünscht zwischen 1:10 und 1:15 zu bleiben und das hatte ich geschafft.

Meine neue Laufsaison hat hiermit begonnen. Meine erste Medaille baumelt um meinen Hals. Ich denke damit werde ich Silvester feiern. Irgendwie fühle ich mich wieder angekommen. Nicht nur in Soest. Vielmehr im Laufen. Auch wenn ich mein Crosstraining weiter machen werde und dadurch Abstriche in Sachen Zeiten und Geschwindigkeit beim Laufen machen werde. Aber darum geht es mir nicht. Zeit ist relativ. Das haben schon schlauere Menschen vor mir erkannt. Mir macht es Spaß zu rennen, zu pumpen, zu schwitzen, zu hecheln, zu jammern und meine Grenzen auszuloten. Und natürlich macht es mir Spaß neue Ziele zu erreichen und zu wachsen. Aber dies kann man auf unterschiedliche Art und Weise tun.

Nun werde ich die letzten Stunden 2017 genießen und mich auf meine erste Ruhewoche 2018 freuen.

Bis im nächsten Jahr!


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

ein paar Tage der kompletten Internetenthaltsamkeit liegen hinter mir. Nun ja, nicht komplett. Ich habe tatsächlich über die Weihnachtstage ein paar Fragen an Dr. google gerichtet, wie zum Beispiel die Frage nach der Letaldosis von Muskatnuss. Diese alles entscheidende Frage entwickelte sich bei dem wilden Reiben der Muskatnuss in die Kartoffelcremesuppe meiner Mutter. Mit Muskatnuss kann man tatsächlich rauschähnliche Zustände erreichen. Zuviel davon kann einen allerdings in einen ewigen Rausch versetzen, in dem man dann zusammen mit dem hirnlosen Eichhörnchen auf dem Regenbogen tanzen kann. Und dann überkam mich mal wieder der Drang nach Input und ich durchstöberte verschiede Ausbildungs-, Fortbildungs- und Seminartermine für 2018. Aber ansonsten habe ich das Internet in Frieden gelassen und habe mich stattdessen mit echten Menschen befasst und habe mich mit dem Lesen des kleinen Prinzens begnügt. Der kleine Prinz. Ein Klassiker, den ich bisher in meinem Leben noch nicht verinnerlicht hatte. Das Einzige was ich von dem kleinen Kerl wusste, ist sein Ausspruch, dass man nur mit Herzen gut sieht und dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Ich dachte immer, dass der kleine Prinz ein Kinderbuch ist. Doch während ich mich die letzten Tage so mit dem kleinen Büchlein auf Couch, Sessel und Co. rumgedrückt habe, stellte ich fest, dass es irgendwie schwere Kost ist. Zumindest für mein kleines, pinkes Frauenhirnchen. Ich bin noch nicht durch mit dem Buch und ich befürchte, dass ich es in seiner Tiefe nicht verstehen werde. Zumindest kann ich den kleinen Prinzen verstehen, was „die großen Leute“ angeht. Ich werde mich auf jeden Fall die nächsten Tage noch etwas mit dem kleinen Prinzen beschäftigen. Und mit dem Konsum von normalem Essen, denn sonst werde ich (subjektiv zumindest) am Sonntag die B1 entlang rollen wie ein Schwertransporter. Das üppige Festtagsessen hat mich und meinen Stoffwechsel mal wieder gnadenlos geflasht.

Heute Morgen war dann endlich wieder Alltag. Naja gut, eigentlich war es eine wunderschöne Zeit außerhalb des Alltags. Aber so ein klein wenig fühle ich mich von dem fetten Essen immer etwas betäubt, obwohl ich mich schon immer zusammen reiße. Der Wecker schüttelte mich um viertel vor sechs mit „Skyfall“ aus dem Bettchen. Meine Nüchterneinheit Rudern wartete auf mich. Und das „Rumgewälze“ auf meiner Blackroll. Und nicht zu vergessen das tiefe Durchatmen beim Flow Yoga.


Wenn es nach meinem Schweinehund gegangen wäre, dann hätte ich mich unter dem Geschnatter von Adele wieder rumgedreht und hätte noch eine weitere Schlafeinheit durch gezogen. Aber diszipliniert wie ich bin, habe ich mich mit der morgendlichen Eleganz eines Walrosses aus dem Bett gerollt. In Sportklamotten gehüllt habe ich es mir dann erst einmal in meinem Paradies gemütlich gemacht. Mein Nüchternsport sollte heute lila werden. Mir war nach lila. Und in lila wurde dann ein klein wenig geschwitzt, gedehnt, entspannt und geatmet.Danach habe ich mich dann bereit für die Welt und die „großen Leute“ gemacht. Dazu gehörte natürlich auch das Vorbereiten meiner ganzen Fressalien für den Tag.

Mit dem ganzen Essen innerhalb meines Körpers, sowie außerhalb meines Körpers in Döschen verpackt, ging es dann zur Arbeit. Die Straßen waren wie leer gepustet. Keine Menschen, Autos oder anderen Teilnehmer des öffentlichen Lebens waren zu sehen. Oder wie der kleine Prinz sagen würde, es waren keine großen Leute unterwegs. Aber irgendwie war es eine entspannte und friedliche Atmosphäre. Von dem hektischen, vorweihnachtlichen Gewusel war keine Spur mehr. Anscheinend lagen noch alle müde und abgesättigt in ihren Bettchen.


Für mich ging es heute wieder hungrig in den Tag. Mental, physisch und überhaupt. Auch wenn es noch kein Neujahr ist, hatte ich Lust zu starten. Womit auch immer. Und wenn es nur das Lesen vom kleinen Prinzen ist und die Vorfreude auf etwas Unerwartetes. Und natürlich die Freude auf mein abendliches Workout. Und auf den Silvesterlauf. Und auf die kleinen und großen Abenteuer, die vor mir liegen.


Freitag, 22. Dezember 2017

Gewicht: 60,5 kg

Liebes Tagebuch,

Du wirst es nicht für möglich halten, aber es ist soooo wahnsinnig voll da draußen. Auf meinem Weg mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause war ich glatt doppelt so lange unterwegs, weil ich nirgend wo direkt über die Straße kam und erst auf ein Loch in dem hysterischen „Weihnachtsgeschenke-auf-die-letzte-Minute-Korso“ warten musste. Aber nun sitze ich in meiner kleinen Oase der Ruhe, weit entfernt von all dem Weihnachtstrubel und tippe vor mich hin. Tippen und schreiben ist für mich eine unglaublich gute Methode zum Entspannen. Egal, was am Ende dabei rum kommt. Es ist irgendwie meditativ die Wörter, die sich in meinem Hirn bilden, einfach abzusondern. Das ist quasi eine mentale Entschlackungskur.

Ein paar Worte noch zu dem alljährlichen Weihnachtstrubel: Ja, ich gestehe. Auch ich habe heute noch ein paar Kleinigkeiten besorgt und werde auch heute erst die Geschenke künstlerisch verhüllen, denn von Einpacken kann bei mir kaum die Rede sein. Mein Talent im Einpacken ist nicht sonderlich ausgeprägt. Aber was soll’s. Ich würde ja jetzt schreiben, dass es eh auf den Inhalt ankommt, aber das ist so ja auch nicht richtig. Denn streng genommen ist die Geste, der Gedanke und der Wunsch jemandem eine Freude zu machen das Wichtigste. Jedes Jahr hört man die gleichen Sätze. „Wir schenken uns nichts mehr!“, „Wir machen ganz ruhig!“, „Den Stress tun wir uns nicht mehr an!“ usw. Verblüffend ist, dass jedes Jahr kurz vor Weihnachten der gleiche Amok in den Geschäften herrscht. Bei meinem heutigen „Restekauf“ hat die Verkäuferin tief durch geatmet und meinte zu mir „Endlich mal ein freundliche Kundin heute!“. Das hat mich persönlich natürlich sehr gefreut, aber lässt mich an dem Grundsatz des Festes bzw. der Umsetzung etwas zweifeln. So wird das Fest der Liebe eher zum Fest der Hiebe. Aber wie dem auch sei. Es gibt in vielen Dingen eine gravierende Diskrepanz zwischen dem was die Leute sagen und dem was sie tun.


Ich für meinen Teil werde mich heute nochmal in ein vorweihnachtliches Workout schmeißen. Meine Beine sind von dem gestrigen Workout so langsam aber sicher zu Kartoffelstampf mutiert. Mein gestriges Workout beinhaltete unteranderem meine geliebten Squats (Kniebeugen), die ich gestern ziemlich krass durch gezogen habe. 800 insgesamt. Plus 4000 m Laufband, 400 Wiederholungen Daumen nach oben, 200 Wiederholungen schräge V-Ups je Seite, 80 Wiederholungen  Kreuzheben mit 30 kg und 80 Wiederholungen L-Sits. Die ganze Sache war in 4 Serien aufgeteilt. Somit habe ich also die ganzen Wiederholungen nicht am Stück gemacht, sondern in kleineren Portionen. (1000 m Laufband-50 Schräge V-Ups-100 Daumen nach oben-20 WH Kreuzheben-20 L-Sits-200 Squats) Es hat gestern richtig gefluppt und ich konnte ohne große Pausen das Ding durch knüppeln. Allerdings kann man streng genommen bei 200 Squats nie wirklich von „fluppen“ sprechen. Meine Beine fluppen zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr und beherbergen gerade einen kleinen, süßen, schnuckeligen Weihnachtskater mit weißem Rauschebart und Weihnachtsmütze.


Ich werde jetzt noch etwas Verdauungstätigkeiten praktizieren, damit der Quark mit Datteln, Eiweißpulver und Mandeln in meinem Workout gleich dort zur Verfügung steht, wo ich ihn benötige.

Morgen gibt es dann einen vorweihnachtlichen Ruhetag. Und dann wird Weihnachten gefeiert und dies werde ich nutzen, um eine kleine Internet-Diät zu praktizieren.

In diesem Sinne wünsche ich Dir fröhliche und innige Stunden mit Deinen Freunden und Deiner Familie. Lass mal los, lass die Welt Welt sein und lass das Kind in Dir raus. Ein bisschen Unbeschwertheit und kindliche Losgelassenheit tun ganz schön gut.



Montag, 18. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegt ein Wochenende voller Entspannung, Training und Science-Fiction-Erlebnissen. Wobei es streng genommen keine Science-Fiction war, sondern knallharte oder viel mehr gehirnweiche Realität war. Aber dazu später mehr. Der Samstag stand von vorne bis hinten im Zeichen der Regeneration und Konversation. Zusammen mit meiner Freundin habe ich das Vabali Spa in Düsseldorf unsicher gemacht. Eine super schöne Anlage mit tollen Aufgüssen und vor allem (Vor allem!!!) Mega leckerem Essen. Ein wichtiges Kriterium für eine Saunalandschaft, wenn man den ganzen Tag ans Essen denkt. Naja, das mag ein bisschen übertrieben sein. Hin und wieder denke ich auch an andere Dinge. Also bestimmt denke ich auch mal was anderes…ich könnte mir vorstellen, dass ich schon mal was anderes gedacht. Wie dem auch sei. Auf jeden Fall hatte ich Samstag viel Zeit, meine kumulierten Trainingsreize der Woche zu verarbeiten.


Sonntag ging es dann wieder in meine Laufschuhe. Es war nicht das einladenste Wetter zum Laufen, aber immerhin war es auf der ersten Hälfte trocken. Die zweite Hälfte war dann geprägt von starkem Wind mit eisigem Regen. Eigentlich nur etwas für echte Kerle und keine kleinen, pinken Hoppelhäschen. Naja, wobei ich definitionsgemäß eigentlich kein pinkes Hoppelhäschen bin. Aber an solchen Tagen fühle ich mich manchmal so. Dann könnte ich auch einfach nur ein wenig um den warmen Ofen hoppeln. Aber wie war das noch gleich? Go hard or go home. Und so habe ich das erste Mal seit einem halben Jahr die 15 km – Marke geknackt. Der absolute Wahnsinn.

Mein Puls hat sich auch wieder gefangen. Ich kann wieder einigermaßen Laufen ohne dass mir der Puls in die Stratosphäre abschießt. Auch wenn sich mein Körper noch immer so unglaublich anders anfühlt. Er fühlt sich beim Laufen an wie ein Paket. Ein zusammengeschnürtes, pinkes Paket. Ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin 15 km richtig zu ziehen und schnell zu laufen. Das werde ich dann am 31.12.17 auf der B1 von Werl nach Soest merken. Mein Hauptziel wird sein einfach wieder den Lauf Flow zu spüren und einen gut eingeteilten Lauf zu machen. Die Zeit wird höchstwahrscheinlich weit von meinen Bestzeiten entfernt sein. Aber ich freu mich endlich wieder den Klassiker zu laufen und damit meine neue Laufsaison einzuläuten.

Und dann gab es sonntags noch neben einem wunderbaren, gemütlichen 3. Adventsfutter noch etwas Gruseliges. Oder wie angekündigt „Science-Fiction in Real“. Ganz schön „hirnrissig“ diese paradoxe Bezeichnung. Es war einmal ein Eichhörnchen, das tot am Boden lag. Ich fuhr vorbei und begutachtete den auf dem Rücken liegenden Kadaver. Es schien so intakt. Bei näherem Betrachten fiel allerdings auf, dass mit den Augen etwas nicht stimmte. Sie standen weit, weit, weit vor. Und warum standen die Augen so weit vor? Weil das Gehirn des Nagers durch die Augenhöhlen hinaus gepresst wurde und die Augen weit in den Himmel ragten. Mir war für den restlichen Tag mulmig. Betroffen blickte ich den ganzen Abend meine kleinen Meerscheinchen an, die mich an das Monster-Eichhörnchen erinnerten.

Meine Woche startete wieder mit einer kleinen Nüchtern-Rudertour in meiner Muckibude, gepaart mit ein paar gemütlichen Minuten auf meiner Black Roll, sowie etwas Mobilty und ein paar Minuten entspannendem Flow Yoga. Die letzte Woche vor Weihnachten hat begonnen. Ein kurzes Brainstorming was noch zu tun ist. Welchen Menschen könnte man noch eine kleine Überraschung bescheren oder zumindest ihnen sagen, dass es schön ist, dass es sie gibt? Es gibt so viele Menschen, die man schätzt und gerne hat, einfach weil man gerne mit ihnen zusammen ist. Und irgendwie geht es im Alltag meistens unter, dass man genau diesen Menschen sagt, dass man sie gerne hat.

Und auf meiner energiegeladenen Fahrt zur Arbeit kam ich wieder an Mister Eichhorn mit seinem „Erker-Gehirn“ vorbei. Ich sah ihn im Augenwinkel und sagte mir in einer Tour „Guck nicht hin, guck nicht hin, guck nicht hin…“ Und natürlich, wie soll es anders sein, habe ich hingeguckt. Wenigstens konnte ich keine Details erkennen. Armer Mister Eichhorn.

In diesem Sinne pass gut auf Dich und Dein Gehirn auf.


Donnerstag, 14. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

das Wetter ist irgendwie der Kracher. Es regnet, stürmt und schneit immer schön im Wechsel. Ich habe heute für einen kleinen Moment die Sonne gesehen. Gestern auch. Total abgefahren. Die Sonne! Ich kam mir vor wie im falschen Film. Für mich gehört es im Moment zum Leben dazu, dass irgendwas nass und kalt an mir ist. Naja gut, auf der Arbeit ist es meistens trocken, es sei denn man wird von einem Kunden angeniest. Aber auch dafür gibt’s ja was von Ratiopharm. Aber wenn ich nicht gerade auf der Arbeit bin muss ich draußen rum kriechen. Entweder um die Äppel, die mein dickes Pony produziert hat, von der Wiese zu kratzen oder weil ich mit dem Fahrrad unterwegs bin oder sogar laufe. Ich war gestern tatsächlich wieder Kilometer fressen. Ein paar zumindest. Für  meinen derzeitigen Zustand stolze 12,8 km. Es hat die ganze Zeit über geregnet und das nicht zu knapp. Während ich vor mich hin schlappte spürte ich wie mein altbekannter Laufmodus mit jedem weiteren Schritt wieder kam. Es wurde immer dunkler und ungemütlicher. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich zu Hause wieder an. Nass. Kalt. Und stolz. Auch wenn es nur knapp 13 km waren und sie sich angefühlt haben wie 30 km. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl bei 0 anzufangen, aber bei einer 0, die sich gut anfühlt. Ich freue mich über das im Moment brodelnde Feuer der Motivation in mir. Hoffentlich brennt es noch lange und wird von dem schlechten Wetter nicht aus ausgepustet.

Für heute steht keine Laufspezifik auf dem Plan. Heute gibt es nur Reiten, Misten und Crosstraining. Quasi nur schmutziges Training. Denn irgendwie finde ich Crosstraining schmutzig. Zwar ohne Dreck, aber trainingstechnisch schmutzig. Ich liebe es und kann mich davon trotz entfachter Laufliebe nicht trennen. Es ist kurzweiliger als Laufen. Abwechslungsreicher und ganzheitlicher. Es trainiert nicht nur stumpf die Effizienz der aeroben-, kardiovaskulären- und Kraftausdauer, sondern auch die Koordination, Geschicklichkeit, Maximalkraft, Beweglichkeit und Beschleunigung.


 Das soll jetzt hier kein Verkaufsgespräch oder gar ein Heiratsantrag werden. Man fühlt sich damit einfach komplett trainierter. Aber es macht einen auch teilweise ganz schön platt. Die einzelnen Bausteine sind krasser und anstrengender als einfach nur laufen. Aber sie sind auch schneller vorbei. Ich kann mir gerade nicht vorstellen mehrere Stunden einfach zu laufen. Die Marathon- oder gar die Ultramarathondistanz ist für mich eine absolut unvorstellbare Größe. Ob sich das wohl wieder ändert?!Mal sehen wozu das Feuer in mir noch fähig ist.

Damit das Feuer auch genug Energie zum Brennen hat gab es heute Mittag einen Haufen guter Nährstoffe. Salat mit Rosenkohl, Möhrchen, Pilzen, Gurke, einer Dose Heringsfilet in Tomatensauce und einem hart gekochten Osterei. So eine Dose Heringsfilet oder auch eine Dose Thunfisch liefert übrigens eine super Menge Omega 3 Fettsäuren. Und die sollten wir täglich verputzen. Der Tagesbedarf ist mit so einer Portion mehr als gedeckt. Die Omega 3 Fettsäuren kommen leider in unserer Ernährung oft zu kurz, was entzündungsfördernde Prozesse im Körper forciert. Also einfach am besten jeden Tag irgendwas mit Fisch futtern. Auch wenn die Empfehlung bei dreimal wöchentlich liegt. Ich würde jeden Tag etwas aus dem „Wasser“ essen. Und damit meine ich nicht die warm gemachte Weißwurst.

Als Nachtisch gab es dann auch noch was Schokolade. Die gute Dunkle, gepimpt mit Cranberrys und Quinoa. Was soll da bitte noch schief gehen?

In diesem Sinne geht’s gepimpt in den Abend. Gepimpt in das Crosstraining. Gepimpt ins Wochenende.

Ich wünsch Dir einen sowas von gepimpten Start ins Wochenende.


Montag, 11. Dezember 2017

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

es ist kaum zu glauben, also ich kann es kaum glauben, aber ich war gestern tatsächlich mal wieder in richtigen Laufschuhen laufen. Stolze 14,4 km bei ungemütlichem Schneesturm kamen dabei zustande. Nun gut, es war eher ein „Schneewindchen“,  nicht zu verwechseln mit Schneewittchen, aber Schneesturm klingt besser.

Ich habe das Gefühl, dass ich wieder da bin. Angekommen am Ufer der Läufer oder zumindest in Anlehnung an. Zu einem richtig taffen Läufer, der jede Woche Unmengen an Kilometern schrubbt, schaffe ich es zwar nicht, aber ich bin gewillt meine unteren Extremitäten wieder zu einem höheren Kilometerumfang zu verhelfen. Meinen gestrigen Lauf habe ich bestens verkraftet. Ich habe keinerlei Muskelkatererscheinungen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ich von den für mich eigentlich mageren Kilometern einen Kater zurück behalten hätte. Denn der Lauf an sich fühlte sich ganz schön schwerfällig an. Ich kenne das Gefühl des Laufens durch und durch. Eigentlich weiß ich, wie es sich anfühlt zu laufen. Doch mein derzeitiges Körpergefühl ist neu. Das Laufen ist neu. Ich setze mich in Bewegung und habe fast direkt das Gefühl in eine Sauerstoffschuld zu rutschen. Meine Beine kennen es nicht mehr einfach nur länger zu traben. Sie haben jetzt seit mehreren Monaten andere Dinge getan. Sie haben sich mit Squats und anderen Übungen beschäftigt. Mein Oberkörper hat zudem einen Muskeltonus, der einem zwar ein schön stabiles Gefühl beim Laufen verleiht, aber nicht ganz so laufeffizient ist. Die Muskeln sind schwer und fressen bei jedem Schritt zusätzlich Sauerstoff. Mein Schultergürtel, Trizeps und Bizeps sind ebenfalls kräftiger und gierig nach dem schmackhaften O². Es fühlt sich auf der einen Seite kraftvoll und gut an und auf der anderen Seite fühle ich mich wie ein Elefant. Meine Laufklamotten, insbesondere die Jacke, klemmt und ich sehe aus wie eine Lilapresswurst. Aber ich wollte es so. Und ich werde es auch noch weiter pflegen. Ich habe mir einen Plan gemacht. In diesem Plan habe ich mir wieder meine geliebten Laufeinheiten rein geschustert. Und ich habe mir sogar Wettkämpfe vorgenommen. Aber da meine letzten Monate irgendwie nicht nach Plan gelaufen sind, traue ich mich gerade noch nicht zu sagen, was ich konkret laufen möchte. Ich werde jetzt erst mal die nächsten zwei Wochen meinen Trainingsplan verfolgen und werde schauen, wie sich mein Körper mit den altbekannten Laufreizen so anstellt. Ich freue mich gerade so wahnsinnig darauf und hoffe, dass das noch lange so anhält. Denn gerade die Freude ist es, die uns voran treiben sollte.

Mein Plan ist durch und durch ein Kompromiss. Er ist weit von einem reinen Lauftraining entfernt. Das heißt mit anderen Worten, dass ich nicht die Effizienz erhalten werde, wie in meinen anderen Plänen. Ich werde meine Muskeln weiter mit ihren Kraftreizen versorgen und werde mein Crosstraining weiter verfolgen. Ich liebe es und daher muss ich mit Abstrichen in meiner Laufspezifik leben. Aber ich tue dies gerne, weil mir beides Freude macht.

Meine erste Nacht mit meinem neuen Trainingsplan war eine Katastrophe. Nach einem heftigen Schneegestöber folgte ein fruchtbarer Sturm. Ich lag wach im Bett und wälzte mich nervös hin und her. Ich kam einfach nicht in den Schlaf. Oh man, das würde eine müde erste Nüchterneinheit geben. Oder sollte ich vielleicht meinen so freudig geschmiedeten Plan einfach auf Grund des bösen Sturmes wieder verwerfen? Das hätte der Schweinehund wohl gerne. Ich ließ den Wecker scharf auf 6:00 Uhr und wühlte mich die Nacht weiter durch das Bett. Um 5:30 Uhr gingen auf einmal die Rollladen hoch. Ein kleiner Montagsmorgenspaß der Elektrik. Oder auch nur ein versehentliches Scharfmachen der Automatikfunktion. Die nicht vorhandene Nachtruhe war vorbei. Aber auch der Wind war vorbei. Und auch der Schnee war wie vom Erdboden verschluckt. Als wäre nichts gewesen. Scheinheiliges Wetter.

Ich blieb noch eine Weile liegen und rollte mich um kurz nach sechs aus dem Bett. Das Rudergerät und meine Blackroll warteten auf mich. Ich schlüpfte in mein Trainingsoutfit und schlich in den Keller. Ich hatte Lust auf Pick und ruderte mir die schlechte Nacht von der Seele. Nach einem schönen Warmup habe ich mich seit Ewigkeiten wieder einmal mit meinen Faszien beschäftigt. Zum Glück nicht weil ich irgendwelche Gebrechen generiert habe, sondern aus reiner Nächstenliebe meinen Strukturen gegenüber.

Neben der Blackroll habe ich mich mit diversen Mobilisierungsübungen befasst. Vor allem mit dem braven Hüftbeuger, der durch das viele Sitzen wahnsinnig an Länge einbüßt und dadurch zu vielen Problemen beiträgt. Zum Entspannen gab es dann noch ein kurzes Flow Yoga. Mir wurde fast schwarz vor Augen, weil ich schon so lange nicht mehr so tief geatmet hatte. Puh, hatte ich die letzten Monate überhaupt geatmet? Zufrieden ging es dann mit viel Sauerstoff und frisch geduschtem Körper an den Trog. Quark mit Kleie, Sesam, getrockneten Aprikosen, Kakaopulver, Eiweißpulver, Mandeln, Erdnussbutter, Lebertran, Nachtkerzenöl und einem Apfel. Natürlich auch lebenswichtiger Kaffee für die Belebung der vom Sturm total durcheinander gefegten Gehirnzellen.


Voll gestopft mit vielen guten Nährstoffen habe ich mir dann noch mein Mittagsmahl vorbereitet. Salat mit Rosenkohl, Ei, Lachs und ein paar anderen Rohkostbestandteilen. Dazu ein Joghurtdressing. Und da ich derzeit etwas mehr Futter ziehe, habe ich mir noch Körnigen Frischkäse, Clementinen, Eiweißpulver, ein paar Nüsse und Trockenobst auf der Arbeit deponiert. Denn für den heutigen Abend wartete noch das richtige Workout des Tages auf mich.

Ich bin nach einem halben Tag Trainingsplanabarbeitung noch hochgradig motiviert und meine Finger jucken gerade gar fürchterlich und werden wohl in den nächsten Minuten und Stunden diverse Wettkämpfe melden. Allein der Gedanke daran treibt mich mit einem altbekannten Gefühl des Verdauungstraktes zu einem Ort der Ruhe und Erleichterung.In diesem Sinne wünsche ich Dir eine schöne, neue Woche mit vielen motivierten Gedanken und Plänen.


Sonntag, 26. November 2017

Liebes Tagebuch, 

Facebook erinnert mich beinahe täglich mit diversen Laufbildern an meine aktive Laufkarriere. Diese Bilder sind wie ein überdimensionaler, psychischer Mückenstich. Es lässt die Lauftriebe in mir jucken. Ja, es juckt. Gerade ziemlich doll. Meine Gedanken schwirren nun, wie Schmeißfliegen um einen verwesenden Kadaver, um Läufe, Wettkämpfe und Ziele. Mein derzeitiges Trainingskonzept, das eher eine grundsätzliche Fitness anstrebt und eine gezielte Effizienzsteigerung vermeidet, will ich eigentlich nicht ablegen. Wenn ich allerdings schnell rennen will, dann muss ich laufspezifisch meine Effizienz trainieren. Da geht bzw. läuft kein Weg drum herum. Ich werde vielleicht einen Mittelweg finden.


Meinen jetzigen Plan werde ich erst mal weiter abarbeiten und dann werde ich vielleicht eine kurze gezielte Vorbereitung für den Silvesterlauf durchziehen. So fern ich mich dazu entschließe ihn zu laufen. Die Vorbereitungszeit wird dann zwar wohl nicht ausreichen, um eine vollständige Trainingsanpassung zu erzielen, aber was ist schon vollständig? Mein Körper wird sich beim Laufen von längeren Strecken wahrscheinlich eh recht herzlich für die angelegten Muskeln bedanken, da diese für das ökonomische Laufen ziemlich unnütz sind. Auch wenn es eine grundsätzliche Stabilität für den Körper darstellt, ist es in diesem Maße ein Hindernis, da der ganze Muskelkomplex schließlich mit Sauerstoff versorgt werden will. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht gewillt bin diesen Zustand wieder zu verlieren. Mein körperlicher Zustand ist gerade wirklich gut. Subjektiv aus meinem Gehirn heraus bewertet. Zudem habe ich keinerlei Rückenschmerzen mehr, die ich von Februar an ziemlich lange mit mir rum geschleppt hatte. Klopf mächtig auf Holz. So, nun werde ich einen Trainingsplan schmieden, während sich mein Körper übrigens ziemlich verkatert von den unter anderem 2240 Squats diese Woche anfühlt. Ein gutes Gefühl. Auf geht’s! 


Mittwoch, 22. November 2017

Liebes Tagebuch,

es wird mal wieder Zeit ein paar Gedanken abzusondern. Es ist zwar nicht viel passiert, außer einem Umzug, aber ansonsten kann ich nicht viel berichten. Das Leben plätschert so vor sich hin. Aber nicht im negativen Sinne.

In unserer Zeitung hat ein schwer an Krebs erkrankter Mann eine Kolumne, in der er von seiner Behandlung und seiner Entwicklung berichtet. Er leidet an einer Form, die keine Heilungsprognose hat und sehr aggressiv ist. Ich verfolge seine Berichte immer regelmäßig. Mittlerweile geht es ihm sehr, sehr schlecht. Es ist eine furchtbare Vorstellung von der Chemotherapie so wahnsinnig zerstört zu sein und zu wissen, dass der einzige Weg raus, der Weg in den Tod ist. Ich bewundere seinen Kampfgeist und seine Texte zu tiefst. Ich bemühe mich ja bereits seit langem dankbar jeden Tag zu nutzen, aber so einfach ist das gar nicht. Tue ich wirklich alles, was ich gerne möchte? Wie oft tue ich Dinge nicht, weil ich Angst habe? Wie oft riskiere ich etwas? Ich glaube, dass auch ich oft in einer sicheren Komfortzone bleibe aus Angst hin zu fallen, Gegenwind zu bekommen, Kritik zu ernten. Aber worum geht es hier überhaupt? Es geht doch eigentlich nur darum herauszufinden was einem selbst Freude bereitet, Menschen zu finden, die man gerne hat, die man liebt, mit denen man Zeit verbringen möchte. Es geht doch darum den eigenen Lebensweg mit Freude zu gehen und den Menschen, denen man begegnet eine Inspiration für ein glückliches Leben zu sein. Wenn ich mir die vielen Menschen anschaue, die mir in meinem Alltag begegnen, dann stelle ich viel zu oft fest, dass das Gegenteil oft der Fall ist. Menschen ziehen sich gegenseitig runter, sind intrigant, boshaft, aggressiv, missmutig und pessimistisch. Sie sind Opfer, die Welt ist schlecht und alle wollen ihnen was. Die Menschen, die voller Lebensfreude sind und einen anstecken, einem ein Lachen ins Gesicht zaubern sind wahre Geschenke des Alltags. Ich hoffe, dass Dir heute viele dieser Geschenke über den Weg laufen und Du selbst für andere heute ein wandelndes Geschenk bist. Und morgen übrigens auch. Und übermorgen. Und Überübermorgen…


In diesem Sinne werde ich mich voller Energie in meinen Alltag, in mein Workout und in meine Ideen stürzen.

Bis dahin.


Donnerstag, 02. November 2017

Liebes Tagebuch,

trainingstechnisch befinde ich mich gerade im Umzug. Möbelschleppen, Kisten ein- und ausräumen, Dinge auf- und abbauen und Stück für Stück immer degeneriertere Fingernägel. Jeden Tag bricht mindestens ein Nagel ab und meine Hände sehen aus, wie die eines Bauarbeiters. Nur in rot lackiert. Meine Unterarme haben Schrammen und hier und da sind kleine, putzige Hämatome, weil Frau meinte sie müsste mit Werkzeug rummachen. Leider kommt an dieser Stelle der Kilometerumfang etwas knapp, so dass mein Bahnmarathon im Dezember wahrscheinlich nur ein langer Lauf wird. Vielleicht schaffe ich ja auch so einen Marathon. Mein Körper wird entscheiden. Ich werde ihn zumindest nicht zu 105,5 Runden zwingen, wenn er dazu nicht in der Lage ist. Oder ist es der Kopf, der dazu nicht Lage ist?

„Distanz entsteht im Kopf“ heißt es doch so schön. Wobei meine Füße und Beine da anderer Meinung sind. Und die oftmals generierten Blasen sind keinesfalls ein erfundenes Konstrukt meiner durch geknallten Gehirnzellen, sondern ekelige und oft sogar blutige Realität. Aber, das sind nur lächerliche Peanuts und keine Probleme. Ich freue mich auf ein paar Runden in Warendorf und auf viele nette Menschen. Bis dahin werde ich weiter meine Fingernägel massakrieren und Kartons schleppen. Und bald hab ich dann auch eine neue „Folterkammer“, auf die mich besonders freue.

Heute war ich neben schrauben und bauen tatsächlich auch endlich mal wieder eine Runde laufen. Allerdings wieder nur in Leguanos. Ich hatte mir erst vorgenommen schön früh und nüchtern, vor dem Frühstück einen langen Lauf zu machen. So wie gefühlte 1000-mal in meiner Marathon Vorbereitung. Und was war? Nix. Mir scheint fast, dass mein Körper, inklusive Schweinehund, einmal komplett ausgetauscht wurde. Ich bekomme meinen Gluteus schlicht und ergreifend morgens vor dem Frühstück nicht hoch. Keine Chance. Aber was soll’s? Ich fühle mich derzeit sehr wohl mit meinem Trainingspensum und habe keinerlei Entzugserscheinungen. Nach meinem Läufchen gab es dann heute noch eines meiner 100er Workouts.

Irgendwie habe ich da gerade eine abartige Neigung Übungsreihen immer mit 100 Wiederholungen abzuarbeiten. So z.B. 100 Liegestützen dann 100 Sit Ups dann 100 Squats usw. Bis ich halt gar bin. Gar wie mein Rosenkohl mit Lachs, Feta und Salat. Ich liebe es mir mein Essen zu verdienen. In diesem Sinne, guten Hunger, fröhliches Trainieren und einen guten Start ins Wochenende.


Dienstag, 19. September 2017

Liebes Tagebuch,

wie geht’s Dir altes, zerzaustes Büchlein? Hattest Du eine schöne Zeit? Ich hoffe es. Die Zeit vergeht ja immer wie im Flug und so ist mal wieder eine Portion Lebenszeit ins Land gegangen. Was hast Du in der Zwischenzeit an Dingen geändert oder auch nicht geändert? Hast Du viele fröhliche Momente gehabt? Oder hattest Du eine dieser Lebensphasen, die einen nerven und auf die man irgendwie verzichten kann? Ich habe mich in der Zwischenzeit ein Stück weit entschleunigt. Ich habe angefangen hin und wieder zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Nicht etwa weil ich den Führerschein weg habe oder gar einen Platten am Fahrrad habe, sondern einfach weil ich die Ruhe und die langsame Fortbewegung in der Natur genieße. Selbst im Regen und Sturm habe ich letzte Woche meine kleine Wanderung genossen.

Mein Weg zur Arbeit kostet mich so zwar dreimal so viel Zeit, aber der Weg ist an dieser Stelle das Ziel und es stört mich nicht, dass ich für eine so kurze Distanz eine Dreiviertelstunde benötige. Ich sehe es viel mehr als Privileg, das ich so nah an meiner Arbeit wohne und zu Fuß hin gehen kann. Wie viele Menschen müssen täglich Stunden im Auto verbringen, um zu ihrer Arbeit zu gelangen.

Und ich kann spazieren. Wie eine Oma. Aber nun gut, so fern Du jetzt denkst, dass ich anscheinend mein Leben im Bereich der Langeweile weiter ausgebaut habe und nur noch Rentneraktivitäten absolviere, muss ich Dich korrigieren. Ich trainiere meinen 1,65 m großen Körper noch immer mit gemeinen und unbequemen Workouts bis meine Schweißdrüsen bluten und ich wimmernd auf der Matte liege. Dies sind die Momente in denen ich nicht vor lauter Dankbarkeit zerspringe. Aber kurz danach wenn sich mein Puls wieder beruhigt, die Muskulatur weich wie reife Mangos wird und sich ein wohlig warmes Gefühl in meinem Körper ausbreitet. Genau dann ist der Moment meiner Dankbarkeit gekommen. Dies wird dann noch mal gesteigert, wenn ich friedlich vor meinem Essen sitze und meine Speicheldrüsen ihren Job starten und ich bemüht bin nicht die Tischdecke einzuspeicheln.

Was mein Essen angeht habe ich die letzten Monate immer weiter gelernt und recherchiert. Ich habe verschiede Ansätze ausprobiert und habe nicht aufgehört meinen Horizont zum Thema Ernährung zu erweitern. Gemäß dem Motto „man lernt nie aus“. Schlauer fühle ich mich nun allerdings nicht. Im Gegenteil. Der Mensch ist ein grandioser Anpassungskünstler und vermag sich an die skurrilsten Ernährungsgewohnheiten anzupassen. Er holt sich was er braucht, auch wenn wir ihn mit Fast Food an seine Grenzen treiben.


Wenn man als Ausgleich zu einer schlechten Ernährung Sport treibt, dann vermag man auch einen gewissen Schaden zu begrenzen. Wie das Essen zusammen gesetzt sein sollte, damit man den größtmöglichen Nutzen hat, kann man pauschal nicht sagen. Zu groß sind die individuellen Unterschiede. Die Zauberformel scheint es wohl nicht zu geben. Wie im restlichen Leben gilt auch hier, wenn man sich mit seinem Futter wohl fühlt und das Gefühl hat es macht einen schneller, agiler und glücklicher, sollte man es essen. „Wer heilt hat recht“.

Die Ernährung ist ein nicht zu unterschätzendes Mosaikteilchen in unserer Gesundheit, aber bei weitem nicht alles. Es gibt vieles zu beachten wenn man glücklich und gesund durch sein Leben schlappen, rennen oder gar hüpfen möchte. Das Allerwichtigste mag dabei die tägliche Portion Dankbarkeit, Liebe und Freude sein. Auf meinem Heimweg aus meinem Urlaub stand ich in einer Vollsperrung auf der Autobahn. Wie alle anderen wollte ich nach Hause. Alle hatten sich von irgendwo auf diesem Planeten auf den Weg nach irgendwo anders gemacht. Und nun standen wir fest. Es rührte sich nichts mehr. Im Rückspiegel sah ich wie sich die Polizei durch die Rettungsgasse zwängte. Sie näherte sich und als sie fast bei mir war, sah ich dass sie noch ein weiteres Auto im Schlepptau hatte. Einen Leichenwagen. Ein kalter Schauer durchfuhr jedes einzelne Gefäß in meinem Körper. Dass es sich bei dem Stau und der Vollsperrung um das Resultat eines Unfalls handelte, war mir klar, aber dass hier ein Mensch sein Ziel nicht erreichen würde und dass für eine Familie gerade eine Welt zusammen bricht, war mir in dieser Konsequenz nicht bewusst. Ich saß noch lange leicht apathisch im Auto und fühlte mich traurig und betroffen.

Nach einer langen Zeit des Wartens ging es irgendwann weiter. Der Stau löste sich auf und das Einzige was übrig blieb war eine grüne Zeichnung auf dem Asphalt, sowie eine deutlich zu erkennende Blutlache. Ich fühlte mich mal wieder wach gerüttelt. Das Leben ist nicht selbstverständlich. Und es ist limitiert. Zum Glück weiß man nicht wann es zu Ende ist.

Daher sollte man sich jeden Tag aufs neue Fragen, was einen glücklich macht und wie man seine begrenzte Zeit verbringen möchte. Ich habe mich in der letzten Zeit versucht von Druck und Zeiträubern unserer modernen Zeit zu befreien und meine Zeit, die ich habe bestmöglich zu nutzen. Aber die Dankbarkeit über ein gesundes Leben wird früher oder später vom Alltagstrott wieder eingeholt und man vergisst die Achtsamkeit wieder. Aber nicht mit mir, meine liebe Routine, ich werde jeden Tag kämpfen das Gefühl der Dankbarke zu empfinden und es versuchen an meine Umwelt weiter zu geben. So, und nun ein paar Updates zu meinen unteren Extremitäten. Ich habe wieder begonnen zu laufen. Bisher ausschließlich in Leguanos. Meine Gedanken haben sich sogar schon wieder mit dem Laufen von Wettkämpfen auseinander gesetzt. Über welche Wege und Strecken meine Füße mich als nächstes tragen werden, weiß ich noch nicht, aber es wird nicht nur der Weg zur Arbeit sein. Irgendwo werden wir uns wieder sehen.


Mittwoch, 16. August 2017

Gewicht: Ungewiss

Liebes Tagebuch,

ich melde mich zurück aus einer kleinen Internetabstinenz. Tagebuch habe ich die letzten Wochen tatsächlich weiter geschrieben, aber mit Stift und Papier. So richtig Retro. Und ich mag es. Ich habe mich nun seit mehreren Monaten läuferisch nicht mehr bewegt. Keinen Schritt. Und ich fühle mich wohl. Ich habe derzeit keinerlei Zwänge.

Ich trainiere meinen Körper hier und da und beschäftige mich natürlich weiter mit meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Futter und den Wirkungen auf unseren Körper. Man lernt ja schließlich nie aus und sollte offen sein für neue Strategien. Und wenn man Lust hat auf keine Strategien und einfach mal leben und genießen will, dann ist das auch genau richtig. Denn Leben ist kein Zustand von permanenter Kontrolle und Sinnhaftigkeit. Leben muss auch einfach mal instinktiv stattfinden.Vergangenes Wochenende war ich dann seit langem wieder auf einem Seminar. Lernen, Input und so. „Und so“ meint an dieser Stelle knallharte Workouts im Crosstraining. Ich dachte bisher, dass ich weiß wie man sich quält und sich an die physische Leistungsgrenze treibt. Ich dachte, ich weiß was weh tut. Aber scheinbar wusste ich es nicht. Mein Horizont wurde in dieser Hinsicht ein Stück erweitert und viele meiner Muskelfasern wurden erheblich zerstört an diesem Wochenende. Ich denke nicht, dass ich diesen harten Drill bis aufs aufs Blut weiter in meinem Leben praktizieren werde. Vielleicht in Ansätzen. Ein kleines Bisschen werde ich aber mit meinem Hintern in der pinkfarbenen Komfortzone bleiben und meinem Einhorn dabei zuschauen, wie es Sternenstaub frisst.

Bei der Ausbildung zum Crosstraining hatte ich eine interessante Einschätzung des Dozenten hinsichtlich meiner Beine oder wie er sie liebevoll nannte „Monstermuskelbeine“. Er war der Ansicht, dass meine Beine auffällig überproportional trainiert seien und jetzt kommt der Witz „nicht in der Lage seien einen Marathon zu laufen und eher Sprinterbeine seien.“ Dies erinnerte mich an die dicke Hummel, die laut theoretischer Berechnung eigentlich gar nicht in der Lage ist zu fliegen. Ein Glück, dass meine Beine und die Hummel dies nicht wussten.

Mit einer Ausbildung im Crosstraining reicher geht es nun gedanklich in meine weitere Lebensplanung. Klingt dramatisch, ist es aber nicht. Ich denke, dass ich mir demnächst mal wieder einen Trainingsplan um die Ohren haue. Und dann werde ich meine Monsterbeinmuskeln reanimieren und auch wieder laufen. Wohin mich meine Beine tragen werden, weiß ich noch nicht. Das wird mein Instinkt entscheiden.



Freitag, 7 Juli 2017

Liebes Tagebuch,

ich befinde mich derzeit in einem Zustand des Trainingsvakuums. Zeiten und Leistungen sind mir gerade vollkommen Wurst. Ich bewege mich jeden Tag nach Lust und Laune. Seit fast zwei Wochen habe ich keinen Schritt mehr gemacht. Zumindest keinen mit Flugphase. Stattdessen habe ich viele Kniebeugen gemacht, unzählige Liegestützen und viele, viele Klimmzüge. Aber selbst diese Dinge mache ich nicht mit einem Leistungsgedanken. Mich interessiert es gerade nicht wie viele Liegestützen ich schaffe. Ich tue derzeit Dinge, um ein angenehmes Gefühl in meinem Körper zu erreichen. Ich habe gerade aufgehört Bestzeiten oder anderen Sachen hinter her zu rennen.


 Ich kann mir durch aus vorstellen, dass ich mir wieder irgendwann ein Ziel suche und dann dafür arbeite, aber jetzt will ich einfach mal „gehen lassen“, mich in die Hängematte klatschen wenn ich Zeit dazu habe und mich fragen welche Sachen und Menschen in meinem Leben wichtig sind. Wer gibt einem Energie und was raubt einem Energie? Auch das Essen gehört zu den Dingen, das ich derzeit aus einem umfangreicheren Blickwinkel betrachte. Ich sehe es nicht nur als Anhäufung von Energie bzw. Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten, sondern als komplexen Input, der auch hormonell weitreichende Auswirkungen auf unseren Körper hat. Das Essen kann so viel bewirken in unserem Körper. Jeden Tag nur Fast Food zu schreddern ist eine gnadenlose Verschwendung. Da geht noch mehr.

Ich freue mich über den neuen Input in meinem Kopf, über neue sportliche Ausbildungen, die im August auf mich warten und über die vielen kleinen Geschenke des Alltags. Von lustigen Entenparaden im Park bis hin zu einem lauen Sommerabend mit Grillengezirpe und einem lieblichen Glas Mädchenrotwein. In diesem Sinne, das Leben ist zu kurz, um immer nur zu „ballern“. Wir müssen öfters mal durchatmen und loslassen.


Montag, 19. Juni 2017

Liebes Tagebuch,

es sind ein paar Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen. Der Marathon fühlt sich nun nur noch an wie eine Geschichte, die ich irgendwann mal erlebt habe. Eine schöne Geschichte mit Happy End. Meine Lauffreude und Wettkampfbereitschaft hält sich noch immer in Grenzen. Aber dies genieße ich. Zum Glück hat sich die letzten Tage ein wunderschönes Sommerwetter eingestellt. Die besten Voraussetzungen für ausgiebige Momente in meiner Hängematte.

Am vergangenen Wochenende wurde mir dieses schöne Wetter leider zum Verhängnis. Ich schlappte durch den Rasen zu meiner Hängematte und latschte dabei in eine Biene, die gerade dabei war unseren Klee zu melken. Der Stachel blieb in meinem Vorfuß hängen und entfachte im „Fußumdrehen“ fürchterliche Schmerzen. Ich rupfte den Stachel aus meinem Treter und lag betäubt vor Schmerzen regungslos in meiner Matte. Einen Bienenstich hatte ich in meinem bisherigen Erdendasein noch nicht getestet. Ob ich wohl nun einen anaphylaktischen Schock bekommen würde? Zum Glück geschah außer einem zerreißenden Schmerz nichts.



Zumindest für den Moment. Eine Nacht später sah die ganze Sache etwas anders aus. Trotz Betaisodona und Kortison war mein Fuß über Nacht zu einem prallen Monster mutiert. Die kleinen Zehen waren geschwollene Würste, die kurz vorm Platzen waren. Zwei Tage hielt sich dieses Format wacker. Nach vielen Rivanolbädern reduzierte sich das Volumen meines Fußes unter dem schrecklichsten Juckreiz, den ich je in meinem Leben hatte. Mittlerweile ist der Fuß so gut wie normal. Die Zehen sind noch etwas wurstig. Die Attraktivität meiner ohnehin nur mittelhübschen Füße hat sich weiter reduziert, da meine Fußnägel auf Grund der gelben Rivanolbäder nun gelb/braun sind. Aber bis auf diesen kleinen Wohlbefindlichkeitszwischenfall genieße ich derweil die zwanglose Betätigung in der Natur und den Konsum von reichlich gutem und natürlich stets artgerechtem Futter. Bei meinen „Hängematten Orgien“ habe ich viel nach gedacht. Beim Betrachten der Kondensstreifen der Flugzeuge, die wie eine Signatur der Erholung, Entspannung und Ferne den blauen Himmel verzieren, fühlte ich auch eine gewisse Sehnsucht. Einen Wunsch nach Abstand zu meinem Alltag. Ich würde gerne in die Natur. Zurück zu den Basics. Weg von dem komplizierten Leben als moderner Homo Sapiens. Sich an den einfachen Dingen erfreuen. Einfach mal Abschalten. Ich glaub, daran werde ich die nächsten Wochen arbeiten.


Mittwoch, 24. Mai 2017

Liebes Tagebuch,

es ist vollbracht. Meine zwischenzeitlich kaum enden wollende Vorbereitung ist Geschichte. Ich habe die letzten Monate oft das Gefühl gehabt, dass ich schon immer für diesen Marathon trainiert habe und noch nie etwas anderes getan habe.

Die letzten zwei Wochen hatte meine Vorbereitung dann einen gravierenden Einbruch. Ich wollte nicht mehr. Ich hatte keine Lust mehr zu laufen. Meine Trainingsreduktion zwecks Regeneration fiel somit ziemlich krass aus. Allerdings nur was die Lauferei anging. Ich machte selbst einen Tag vor dem Marathon noch Workouts, weil ich schlicht und ergreifend Lust dazu hatte. Ich hatte einen Zustand der absoluten Trainingsanarchie erreicht.


Das klassische „tapern“ mit tonnenweise Kohlenhydrate und schonen, konnte ich auch nicht umsetzen. Einfach weil ich keine Lust dazu hatte. Als der Tag des Marathons dann endlich gekommen war, war ich so tief verunsichert, dass ich lange über einen Marathonstart nachdenken musste. Ich fühlte mich weder mental noch körperlich in der Lage 42,195 km zu laufen. Ich entschloss mich am Morgen des Marathons es zu versuchen. Mit einem so unglaublich guten Lauf hätte ich nicht in den besten Träumen gerechnet. Mit einer 3:25:16 hatte ich nicht nur meine Bestzeit zersprengt, sondern auch den 5. Platz Gesamt und den 1.Platz in meiner Altersklasse erreicht.

Der Marathon und das Ergebnis kommen mir irgendwie surreal vor und ich kann es kaum glauben.Während der ganzen zwei Monate habe ich jeden Tag Tagebuch geschrieben und habe dokumentiert was ich gemacht habe, wie ich mich gefühlt habe und was mir sonst noch alles in meinem kleinen, unspektakulären Leben wiederfahren ist. Das Resultat werde ich nun nochmal durchkauen und in ein Buch verpacken. Aus diesem Grund gibt es an dieser Stelle keine Berichterstattung zu meinem Lauf.

Ich danke allen, die mich vorher, sowie unterwegs motiviert haben. Und ich danke allen, die regelmäßig meinen verbalen Stoff konsumieren. Schön, dass ihr da seid.


Samstag, 29. April 2017

Gewicht: 58,6 kg

Liebes Tagebuch,

hier eine kleine Zwischenbilanz hinsichtlich meiner Trainingsplanänderung. Als allererstes sei gesagt oder viel mehr geschrieben, dass  mir das angezogene Training in Sachen Quantität auf jedenfall sehr viel Freude macht. Auch wenn ich hier und da Diskussionen mit meinem Schweinehund auszutragen habe. Ich war ja noch nie ein sonderlich eifriger Kilometerschrubber, generell habe ich es nicht so mit dem Schrubben, aber diese Woche habe ich nun schon 75 km auf dem Tacho. Morgen gibt es noch eine kleine Runde Austoben beim Neheimer Citylauf. 10 km. 9 Runden. Na, wenn ich mich da mal nicht verzähle. Zielzeit ist nebensächlich. 

 Der einzige Grund warum ich dort renne, ist mit Vernunft nicht zu erklären. Ich hab einfach Bock drauf. Verrückt oder? Die Beine werden wahrscheinlich alles andere als frisch und knackig sein, vielmehr werden wir es mit zähem Trockenobst zu tun haben. Wie dem auch sei, ich freu mich auf so viele Runden Wettkampfdunst.

Die Zeit bis zum Vivawest läuft. Nur noch eine richtige Umfangwoche und dann wird ordentlich zurück geschraubt. Oh man, ich darf da gar nicht so haarklein drüber nach denken, sonst haut es mir gleich wieder die Verdauung zu Brei. In diesem Sinne, werde ich mich den Rest des Tages weiter mit braven "Carbos" beschäftigen. Meine kleinen, glücklichmachenden und wohlschmeckenden Freunde.   Bye bye!


Montag, 24. April 2017

Gewicht: 59,0 kg

Gewicht der Beine: Mindestens 10 kg

Liebes Tagebuch,

mein Aufenthalt in Hamburg hatte weitreichende Folgen. Meine 1000 Kniebeugen am Samstag haben mir mein geplantes Marathontraining komplett zerschossen. Aber ich bereue keine einzige Kniebeuge. Es war großartig und ich würde so einen kranken Kram immer wieder tun. Der Muskelkater übertrifft alles bisher da gewesene. Kein Marathon, kein Ultramarathon oder sonst was, hat mir bis jetzt einen so wunderbaren Kater verschafft. Das bekommt man auch nicht mit richtig Hochprozentigem hin.





Auch wenn ich keinen Applaus geerntet habe oder eine Urkunde für meine skurrile Mission bekommen habe, war ich ein klein wenig stolz auf mich. Gleichermaßen genieße ich nun jeden Schritt der schmerzenden Beinchen.Neben einer ganzen Batterie Arbeit und Lernen, habe ich Hamburg natürlich auch als „Marathon Supporter“ unsicher gemacht. Es war etwas ungewohnt am Straßenrand zu stehen und nur zuzugucken. Das Wetter meinte es zu dem nicht sonderlich gut mit uns Menschlein. Es hagelte, regnete und windete in nördlicher Manier.

Hin und wieder kam auch die Sonne zum Vorschein und ließ die Klamotten für einen kleinen Moment trocknen. Ich war ziemlich beeindruckt von der Masse der Läufer und ihrem Biss. Sie trotzten dem Wetter und verfolgten zielstrebig ihr Ziel. Für mich würde in vier Wochen der Startschuss fallen und ich kam mir nicht im Geringsten bereit vor. Mit meiner „Post Kniebeugen Beweglichkeit“ war ich eh froh wenn ich heile zum Klo runter und wieder rauf kam. Voller Ehrfurcht betrachtete ich die Läufer und feuerte den ein oder anderen Bekannten eifrig an. Nach einem nasskalten Support ging es dann wieder zurück in die Heimat und meine Gedanken beschäftigten sich intensiv mit meiner Marathonplanung.


Mein geschmiedeter Plan war hinfällig. Es war an der Zeit ein paar Optimierungen vor zu nehmen. Die einzige Frage, die sich dabei stellte, war: Würde der Muskelkater in diesem Leben jemals wieder weg sein? Die Zeit wird es zeigen. Nun geht es weiter mit einem ganz neuen Plan. Nur noch drei richtige Trainingswochen. Dann ist die Arbeit getan und die Regeneration muss den Rest machen.


Donnerstag, 13. April 2017

Gewicht: 58,8 kg

Liebes Tagebuch,

hier ein kleines, mageres Update zu meinem derzeitigen Erdendasein. Meine Marathon Vorbereitung verläuft nach Plan. Meine Essensplanung ebenfalls. Die Entwicklung ist für mich gerade noch ein riesiges Fragezeichen. Aber ein pinkes, nach Mango duftendes und nach Erdnussbutter schmeckendes Fragezeichen. Ich fühle mich ziemlich wohl in meiner Haut und bin ganz guter Dinge. Hin und wieder kommt es zwar vor, dass ich meinen Wecker morgens etwas irritiert angucke und ebenso irritiert meine Laufschuhe schnüre, weil ich mal wieder meine Nüchterneinheiten im Halbdunklen runter reiße, aber Summa Summarum ist alles gut. Für mich stehen nun zwei „Larifari Tage“ an, um mich für Samstag etwas zu erholen.


Ich habe keine Ahnung, was ich am Samstag auf den 21,1 km laufen kann. Ich werde über etwaige Zeiten erst gar nicht nach denken. Ich hoffe nur, dass sich das Wetter doch noch zum Besseren entwickelt. Wo ist der Stern nur hin, der immer so schön warme Luft akquiriert? Ich laufe derzeit rum, wie im tiefsten Winter. Also lieber Petrus, wenn Du das hier liest, bitte mach mal ein bisschen Sommer. Nur ein klein wenig. Ein Schisschen quasi.

Da ich heute und morgen „Relax“ auf dem Plan habe, werde ich mir ein paar DVDs rein zwitschern. Das ist für mich schon totales „Ausrasten“. Wann habe ich das letzte Mal den Fernseher angehabt? Lehrvideos zum Lernen fallen hier mal raus. Keine Ahnung. Selbst der wöchentliche Tatort wird verschmäht. Ich langweiliger Freak.

Nun denn, dann wünscht Dir der Langweiler schon mal wunderschöne Ostern. Lass es Dir gut gehen.  


Dienstag, 4. April 2017

Gewicht: 59,2 kg

Liebes Tagebuch,

die zweite Woche meines Marathontrainings ist angebrochen. Es läuft so weit nach Plan. Meine Trainingseinheiten habe ich bisher artig abgearbeitet. Ach was heißt hier „abgearbeitet“? s ist mir jeden Morgen eine Freude um 6:00 Uhr aus dem Bett zu plumpsen, um mich mit den Kontraktionen meiner Beinmuskeln zu beschäftigen. Und nicht nur das, ich darf ja Dank meines Workouts auch öfters mal andere Muskeln kasteien. Das mag jetzt nach einer kleinen Portion Ironie klingen, aber um es kurz auf den Punkt zu bringen: Ich bin gerade unendlich dankbar, dass ich mit solch einer Motivation trainieren darf und kann. *Klopf ziemlich feste auf Holz*

Am Wochenende stand für mich der Korschenbroicher Citylauf an. Der erste Lauf des diesjährigen Rhein Kreis Neuss Cups. Trotz der etwas überteuerten Startgebühr von 21 Euro (17 € letzte Preisgrenze + 4 € Nachmeldegebühr)*, habe ich mich auf die insgesamt acht Runden gemacht. Das Wetter meinte es wahnsinnig gut mit uns.

 Die Sonne strahlte sich einen ab, so dass mir der Schweiß nur so aus den Schweißdrüsen spritzte. (unwesentliche Übertreibung) Die Stimmung an der Strecke war super. Das Zählen der vielen Runden erinnerte mich an meinen „Home Run“, den Neusser Sommernachtslauf. Laufen und Zählen. Eine klitzekleine Herausforderung für die graue Substanz innerhalb meiner vor Hitze kochenden Schädelkalotte.Ich fühlte mich den ganzen Lauf wahnsinnig gut. Der forcierte 30er von Donnerstagmorgen war subjektiv nicht zu spüren.

Der Kurs führte durch die Korschenbroicher Innenstadt und das Starterfeld von knapp 500 Läufern bildete eine ununterbrochene Läuferschlange. Dies bedeutete ein kontinuierliches Überholmanöver mit spießroutenlaufähnlicher Laufstruktur. Wie immer schaute ich unterwegs nicht auf meine Uhr und ließ mich treiben von meinem Gefühl. Ich forcierte die letzte Runde und hatte am Ende einen super eingeteilten Lauf mit freudig, wahnsinnigem Grinsen auf der Ziellinie. Die persönliche Bestzeit um genau eine Minute verpasst.

44:12 und 10. Frau Gesamt und 3. meiner Altersklasse. Aber nun gut, Zeit ist nicht alles. Der Lauf war anstrengend und zugleich zu tiefst befriedigend. Eigentlich das Wichtigste oder?

Heute ging es auch direkt weiter mit dem Trainingsalltag. 6:00 Uhr aufstehen und 10 x 400 m Intervalle. In Sachen Futterzufuhr läuft es auch bombig. Ich könnte permanent in die Tischkante beißen, aber nicht vor Ärger, sondern wegen Hunger. Mein Fresselchen ist der Kracher und meine Fantasie knallt öfters mal durch. Meiner Mutter habe ich auch schon das ein oder andere auf geschwatzt. Während sie es verspeiste, sagte sie immer wieder „Das ist aber komisch…“ Ich fragte sie, ob es ihr nicht schmeckt, woraufhin sie sagte „Doch es schmeckt, aber sowas habe ich noch nie gegessen!“ 

Eine kleine Geschmacksprobe für Dich:

150 g Lachs

150 g Brokkoli

½ Apfel

1 ½ TL Erdnussbutter

Zubereitung: Lachs und Brokkoli kurz in der Pfanne erwärmen und dann alles zusammen hauen. Fertig. Ach ja und natürlich essen.


So, das muss reichen als kleines Update. Eine ausführliche Dokumentation meiner Marathon Vorbereitung inklusive Ernährungs- und Trainingsinput, sowie meiner immer wieder aufkommenden skurrilen Gedanken und Gefühle, wird gerade anderweitig verarbeitet und hoffentlich in einem Knaller-Bestseller veröffentlicht. *hüst*


*Dank einer lieben Dame bei der Anmeldung, konnte ich mich anmelden, da ich nur 20 € mit hatte und sie mir den fehlenden Euro gab.


Sonntag, 26.03.17

Gewicht: 59,2 kg

Liebes Tagebuch,

es wird ernst. Ich habe es getan. Realy! Nachdem ich gestern meinen ersten 30er gemacht habe und den gar nicht mal soooo endlos erfolgreich beendet hatte, habe ich mich heute für den Vivawest Marathon angemeldet. Da ich die letzten Tage ziemlich eingeschränkt esse, um meinen Stoffwechsel aus dem Kohlenhydrat-Koma zurück zu holen und um ein paar überflüssige Kilos abzuwerfen, war der gestrige „Lange“ nach hinten raus geprägt von einer leichten Unterzuckerungssymptomatik.Aber ich weiß das einzuschätzen und bin optimistisch, dass ich das in den Griff bekomme und alles gut wird.

(Kichere gerade etwas hysterisch vor mich hin)

Der Plan steht. Die einzelnen Wochen sind konstruiert. Auf meinem Weg in den „Pott“ werde ich noch zwei Zwischenstopps machen. Nächsten Sonntag beim Korschenbroicher Citylauf und dann an Ostern beim Paderborner Halbmarathon. I’m hungry! Auf Marathon. Und aufs Essen.


Meine Nahrungsaufnahme wird die nächste Zeit auch noch etwas kastriert ausfallen. Auf den langen Distanzen machen sich ein paar Kilos mehr oder weniger ziemlich bemerkbar. Es gibt eine nette Formel: Jedes Kilo weniger macht 2,5 Sekunden Zeitgewinn auf den Kilometer.  Bei 2,5 kg macht das auf den Marathon 4:24min. Wenn ich um eine neue Bestzeit kämpfe, dann können das die entscheidenden Minuten sein.  Und ein paar Kilos dürfen deswegen gehen. Mir knurrt zwar öfters mal mein Bäuchlein im Moment, aber ich bin volles „Pfund“ belastbar und fühle mich echt gut. Schmecken tut’s Futter zum Glück auch.Nun denn, es sind jetzt noch zwei Monate bis zum Marathon.


Ich habe keine Ahnung was möglich ist. Ich weiß nur eins. Ich bin gerade echt grelle und habe Lust zu Laufen und die 42,195 km endlich wieder anzugehen. Ich kann es noch nicht ganz glauben, aber seit zwei Jahren stand ich auf keiner Marathonstarterliste. Das hat sich heute geändert. Heute hatte ich übrigens „Time to relaxe“. Außer einem kleinen Spaziergang habe ich nichts gemacht und es genossen.Auf meiner Runde bin ich an einem Straßenschild vorbei gekommen, an dem ich immer an das eine denke, wenn ich es sehe. Es hat zwar eigentlich nichts damit zu tun, aber dennoch denke ich daran. Und zwar denke ich bei diesem Schild immer an die magische Grenze von 3:30 beim Marathon. 3:28 steht bei mir als Bestzeit. Kann ich da nochmal hin kommen? Oder sogar drunter? Ich habe nicht die blasseste Ahnung. Das Einzige was ich weiß ist, dass ich noch nie so einen Weg dorthin „gelaufen“ bin. Let’s go! Zeit für neue Ziele!


Montag, 22.03.17

Liebes Tagebuch,

die Reise nach Kenia liegt nun hinter mir. Die Erfahrungen und Erlebnisse kann man schwierig in Worte fassen. Für mich als Sportlerin, Personal Trainer und Ernährungsberaterin war diese Reise auf zwei Ebenen bereichernd. Zum Einen auf einer sehr tiefgreifenden und menschlichen Ebene und darüber hinaus noch auf einer eher fachlichen Ebene, die sich mit dem Training, der Ernährung und solchen Dingen befasst hat. Da Ersteres den wichtigeren und für mich berührenderen Part darstellt, möchte ich hierzu noch ein kleines Resümee schreiben.

Neben den täglichen Trainingseinheiten, die immer vor dem Frühstück absolviert wurden, haben wir jeden Tag einen Einblick hinter die Kulissen erhalten. Vor der Reise hatte ich schon ein gewisses Bild von Kenia und im Speziellen auch von dem Leben der Läufer dort, aber das Leben hautnah mit zu bekommen ist noch mal eine ganz andere Nummer. 

Durch unser eigenes Training unter diesen Bedingungen konnten wir aus sportlicher Sicht spüren, wie es sich anfühlt in dem roten Sand und der dünnen Luft zu trainieren. Wir konnten die Hitze, den Wind und die buckligen Pisten am eigenen Leib erleben. Nach einer anstrengenden Trainingseinheit unter der Dusche zu stehen und festzustellen, dass nur ein paar Tropfen aus der Leitung kommen, gehörte bisher auch noch nicht zu meinem Erfahrungsschatz.Ich darf es eigentlich gar nicht laut sagen, geschweige denn schreiben, aber ich hatte tatsächlich ein paar Tüten Badezusatz mit im Gepäck. „Hey, vielleicht gibt es dort ja eine Badewanne und ich kann nach den anstrengenden Einheiten mal ne Regenerations-Wanne nehmen“. Den Gedanken, dass für ein Bad neben dem Vorhandensein einer Badewanne auch genügend Wasser nötig ist, habe ich nicht gehabt. Als ich begriffen hatte, dass es hier nicht selbstverständlich ist, genügend Wasser zum Waschen zu haben, fühlte ich mich wie eine kleine, verwöhnte Prinzessin.

Ich gewöhnte mich an die roten, staubigen Füße und das spärlich tröpfelnde Wasser aus der Leitung. Das Leben hier war etwas anders.  Etwas reduzierter. Und da wir in einem guten Hotel untergebracht waren, waren wir noch meilenweit entfernt von dem Standard, den die Menschen hier haben. Wir bekamen morgens, mittags und abends das beste Essen und konnten die meiste Zeit „relaxen“ und uns erholen. Und selbst unter diesen luxuriösen Bedingungen fing ich an jeden Tag mehr zu schätzen, was ich zu Hause hatte.

Das Training der Kenianer ist qualitativ und auch quantitativ ganz weit vorne. Für mich unbegreiflich wie man solche Laufleistungen abliefern kann. Alles nüchtern. Auch die hochintensiven Intervalle auf der Bahn und die langen Läufe auf der „Moiben Road“. Die Pace, die dort gerannt wird, ist bereits beim Zuschauen atemberaubend. 800 m Intervalle werden in einer Pace von 2:12 auf den Kilometer gelaufen. Beim Tempowechsel werden 2 km in einer Pace von 2:30 auf den Kilometer gelaufen. Der „langsame“ Kilometer dazwischen wird in 3:30 auf den Kilometer gelaufen.



Ich schaffe vielleicht mit "Ach und Krach" 400 m in einer Pace von 3:30. Aber das nur einmal. Es ist einfach unglaublich. Aber nun denn, man muss sich auch klar machen, dass die Kenianer eine ganz andere körperliche Voraussetzung mitbringen. Hinzu kommt, dass die Menschen in Kenia nichts zu verlieren haben und mental eine ganz andere Leistungsbereitschaft haben, als wir. Uns geht es im Grunde zu gut, um uns in der Form zu quälen und was zu riskieren. Wir haben genug Essen und einen viel zu komfortablen Lebensstil. Sich daraus zu lösen und wieder anfangen um sein Essen und sein Leben zu kämpfen, widerspricht unserem Instinkt Reserven zu schonen. Der Schweinehund in uns ist zu machtvoll, um derart Leistung zu bringen. Für die Kenianer stellt das Laufen und Trainieren noch den ursprünglichen Zweck des Überlebens dar. Daher bringen sie eine ganz andere Motivation mit.

Neben dem Training wurden wir zu einem Eliteläufer auf eine Tasse Tee eingeladen, durften Teil haben an einer Kindergeburtstagsfeier, waren zu Gast in einem Kindergarten, sowie in dem sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche. Egal wo wir waren, wir wurden immer herzlich begrüßt und umsorgt. Die Menschen haben materiell wenig, aber menschlich wahnsinnig viel und das teilen sie.


Ich hoffe, dass ich noch lange davon zehren werde und der rote Staub an meinen Laufschuhen mich noch lange daran erinnern wird. Im Moment hat mich die Reise auf allen Ebenen motiviert. Motiviert alles zu geben.Auch mal was zu riskieren. Und auch mal wieder den luxuriösen Komfort zu minimieren.

Naja, vielleicht nicht in Sachen Körperhygiene. Aber mein Essen werde ich mir jetzt verdienen. Jeden Tag. Und dann werde ich dankbar sein. Jedes Mal, wenn ich was zwischen die Zähne bekomme. Ach ja, und wenn sich meine Verdauung von diesem Trip erholt hat, werde ich auch dankbar sein. Denn meine Darmflora ist derzeit im A*** und das nicht nur im anatomischen Sinne.

So, let’s go hard. Ich habe Lust auf Marathon.


Montag, 13.03.17 

 Liebes Tagebuch, 

 die erste Nacht in Iten liegt nun hinter mir. Mir fehlen die Worte, um die Landschaft und die Atmosphäre zu beschreiben. Es ist eine ganz andere Welt. Unbeschreiblich. Alles wirkt einfach so freundlich, lebendig und bunt. Vielleicht werden mir in den nächsten Tagen noch passende Wörter einfallen. 😁 

Heute morgen ging es auf unseren ersten Lauf mit unseren kenianischen Hasen. 🐇 Natürlich vor dem Frühstück. Normalerweise ist der erste Gedanke wenn ich wach werde "Hunger!"  Und die Vorstellung morgens vorher richtig zu trainieren ein Albtraum. 🙈Aber hier ist es irgendwie anders. Hier läufst Du auch ohne Probleme vor dem Frühstück. Nüchtern ist hier anders. Allerdings ist hier auf 2400 m atmen auch anders. 😂 Auf die Pace braucht man hier gar nicht zu gucken. Neben der dünnen Luft geht die Piste immer schön Berg auf und Berg ab. Der Puls ist hier schon beim rum liegen erhöht. Das benötigt erstmal ein wenig Anpassung. Ein paar neue Blutkörperchen müssen her, um die dünne Luft zu kompensieren. 😊 

Mit unseren Hasen ging es dann über die roten, steinigen Wege. Immer wieder kommen einem kenianische Läufer entgegen. Sie freuen sich uns zu sehen und begrüßen uns freudig. Am Straßenrand stehen immer wieder kleine kenianische Kinder, die uns neugierig begutachten. Manchmal läuft auch einfach ein Kind mit.🏃 

Das Leben ist hier mehr als einfach. Kleine Hütten, wie man sie aus dem Fernseher kennt. Kein moderner Schnick-Schnack. Aber die Menschen sind hier wesentlich fröhlicher. Wenn man den Menschen hier ins Gesicht guckt, hat man das Gefühl in glückliche Gesichter zu gucken. Und das obwohl es hier für unsere Maßstäbe an allen möglichen Stellen an etwas mangelt. Es gibt einem wirklich zu denken wenn in einer Welt, die wir als "Entwicklungsland" bezeichnen, die Menschen glücklicher und zufriedener rum laufen, als in unserer modernen westlichen Welt. Es sind halt immer wieder die gleichen Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind. Und die kann man mit Geld nicht kaufen. Und die Gefahr unserer extrem modernen Welt ist nicht mehr der Säbelzahntiger🐯, sondern der ganze neumodische Kram, der uns die Sicht auf die wirklich wichtigen Dinge verklärt. 😊 

Wie gesagt, ich bin etwas überwältigt von dem Zauber dieser Welt hier und daher fehlen mir die Worte, um es treffend zu beschreiben. Aber manchmal ist auch weniger mehr.😊 

Macht es gut! 🤗😙


Samstg, 04.03.17

Liebes Tagebuch,

mein Plan sah es vor heute in Langenberg den 11 km Lauf mit zu laufen. Somit hatte ich dann gestern Vormittag begonnen meinen Kohlenhydratkonsum massiv in die Höhe zu treiben.

Bam, da hatte mein Hirn endlich mal wieder schnellen Stoff zum verbrennen.Glorreiche Ideen sind mir allerdings trotz der „Carbo-Power“ nicht gekommen.
Heute Morgen ging das Konsumieren von dem feinen Stoff dann weiter.

Haferflocken mit Äpfelchen, Rosinen, ein paar Nüssen, Joghurt und Zuckerrübensirup. Dazu natürlich viel getrunken, damit mein Körper genug Wasser hat zum Glykogen einlagern.
Während ich dann also meinen Körper für das Rennen präpariert habe, zwitscherten draußen die Vögel vor sich hin und die Sonne zauberte eine frühlingshafte Atmosphäre. War es endlich soweit? Ende mit „kalt“ und Winter? Oh bitte, das wäre großartig! Würde ich wohl gleich in kurz-kurz laufen können?

Ich arbeitete etwas in meinem „Home-Office“ vor mich hin und vergaß beinahe die Zeit. Mein Magen machte mich zeitig darauf aufmerksam, dass ich noch etwas Essen nachschieben musste. Ich klappte den Laptop zu und schlappte zum Herd, um noch ein paar Nudeln zu kochen.


Nach den Nudeln ist vor dem Lauf oder so ähnlich. Ich fiel mal wieder in ein Kohlenhydratkoma. Ein kleines Verdauungsschläfchen würde mir bestimmt gut tun. Was war ich müde. Ich blickte raus. Strahlend blauer Himmel. Es roch nach Frühling. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr mich ins Auto zu setzen, um „rennen“ zu fahren. Da lag ich nun mit meinem kohlenhydratbeladenen Körper und hatte nicht die geringste Ambition einen Wettkampf zu bestreiten.


Und da ich ja ein ziemlich spontaner und emotionaler Mensch bin, habe ich das Ding halt sausen lassen.
Aber was tun mit den Unmengen an Kohlenhydraten in meinen Muskeln? Einfach verkommen lassen geht ja gar nicht! Also habe ich das absolute Killer-Programm gestartet.

Kettlebell-Zirkel, Brücken-Zirkel und 60 min Laufen. Nach meinen beiden Zirkeln waren die Beine so matsche, das alles nur noch zitterte. Yeah! Wenn sich das mal nicht nach Leben anfühlt! 

 

Mit einem wunderbaren Erschöpfungszustand ging es dann wieder zum gemütlichen und leckeren Teil Tages über.
Quint Essenz des Tages ist für mich heute, dass man einfach auch mal spontan auf seinen Bauch hören soll. Und das nicht nur im Bezug auf den Appetit und Hunger, sondern auch was das Leben an geht. Eine Teilnahme bei einem Lauf mag hier nur ein bedeutungsloser, kleiner Teil davon sein.

Und bleib stets wach und offen für die unerwarteten Dinge!


Sonntag, 26.02.17


Liebes Tagebuch,

seit ich nun die Marke des 33. Lebensjahrs erreicht habe, fühle ich mich irgendwie mehr schlecht als recht. Ich kann mich daran erinnern, dass es schon einmal ein Jahr gab, in dem das derart strukturiert war. Nun denn, das mag an der Tatsache liegen, dass ich im Winter Geburtstag habe und da in der Regel mehr Erkältungen on Tour sind.

Eigentlich bin ich was die Gastfreundschaft gegenüber Viren angeht nicht sonderlich nett und sie lassen mich daher auch immer in Ruhe, aber dieses Jahr ist es den Viren scheinbar egal. Daher hatte ich diese Woche eine unplanmäßige Ruhewoche. Nicht nur die Erkältung hatte mich etwas umgehauen, sondern auch ein netter Chiropraktiker auf dem Seminar am vergangenen Wochenende. Er hatte mich netterweise –zwar ungefragt- zu Recht gestutzt. Es krachte an allen Ecken und Enden meines kleinen Körpers und die folgenden Tage habe ich mich bewegt wie eine 90 Jährige.

Bei jedem weiteren Tag der ins Land ging, dachte ich mit Schrecken an den Halbmarathon. Es würde definitiv ein Kampf werden. Und das wurde er auch.

Ich hatte den Hauptsumpf der Erkältung zwar hinter mir gelassen, aber so richtig pralle ging es mir Sonntagmorgen noch nicht. Meine Nebenhöhlen war noch etwas „sekretbefüllt“ und mein Körper war voll im Degenerationsmodus. Es ist erschreckend wie schnell der Körper an Leistung abbaut wenn man wirklich nichts tut.

Beim Warmlaufen fühlten sich meine Beine eigentlich ganz geschmeidig an. Geschmeidig vom vielen Nichtstun halt. Das mich dieses Gefühl nicht den ganzen Halbmarathon begleiten würde, war mir allerdings ziemlich klar.

1:30 min hatte ich in der Gesamtwertung Abstand auf die 2. meiner Altersklasse. Und das ist auf einem Halbmarathon schnell aufgeholt. Eigentlich hatte ich tief in mir drin den 1. Platz abgehakt. Zu schlecht war meine Verfassung. Ich glaube zwar an die Existenz von pinken Einhörnern, aber nicht an derartige Laufwunder. Ich setzte mir ein Ziel von unter 1:40. Das schien mir realistisch.

Auf dem Weg nach Hamm hatte ich mich das erste Mal in dieser Serie versucht mit Musik zu stimulieren und zu motivieren. Anstatt einer „Killer-Renn-Motivation“ stellte sich ein eher unproduktiver Zustand der emotionalen Rührung ein. Oh man, mir schienen wieder die Hormone dazwischen zu funken. Man hat es nicht leicht als Frau. Nach ein paar tiefschürfenden Liedern hatten sich sämtliche Nackenhaare aufgestellt, die Kehle hatte einen schönen Kloß und ich hätte mir gerne ein Loch gebuddelt, um mich dort zu verstecken. Warum auch immer, aber das „Duracel-Häßchen“ in mir war alles andere als aufgedreht.
 
Um 10:00 Uhr ging es dann los. Die Beine fühlten sich nach wie vor okay an. Zum Tempo konnte ich nicht viel sagen, da ich ja nie auf die Uhr gucke. Ich bemühte mich ruhig zu laufen, da ich leider die letzten Wochen sehr, sehr, sehr wenig in die Länge trainiert hatte. Die 21 km würden lang werden.

Bereits nach einem Kilometer überholte mich die AK 2. Sie würde heute das Rennen machen. Das war klar. Ob sie die 1:30 min rausholen würde war die Frage. Mit jedem vergehenden Kilometer wurde der Abstand zu ihr größer und mein Zustand bescheidener. Ich versuchte ruhig weiter zu laufen. Es war ziemlich windig und der Wind kam auf der ersten Hälfte von Hinten. Der Logik nach bedeutete dies, dass die zweite Hälfte doppelt zäh werden würde. Aber wie sagt man so schön, Gegenwind formt den Charakter.
Ich lief und lief und suchte immer wieder in meinem Kopf nach den Melodien, die mich auf dem Hinweg motivieren sollten. „Run, run, run…“

Ich versuchte zu ziehen. Der Abstand zu der 2. meiner AK wurde immer, immer größer. Egal, einfach weiter ziehen. Mein Kopf fing an zu brummen. Dies war leider keines der schönen Melodien. Also doch lieber etwas ruhiger? Ich war mir unsicher. Ich wollte meinen Körper nicht zu sehr quälen. Schließlich war er nicht zu 100% tutti.

Nach der Hälfte wurde es dann auch immer zäher. Ich wollte aber durchhalten. Ich konzentrierte mich einfach mein Tempo zu halten. Die Schritte wurden schwerer, immer schwerer. Komm weiter, einfach weiter laufen. Und wenn es gar nicht mehr geht, dann läufst Du halt auch einfach weiter.Irgendwie so wird es schon gehen.

Die Kilometer, die vor mir lagen schrumpften langsam. Das Ziel zog mich stetig weiter. Und dann wurde ich auf einmal schrecklich durstig. Was war ich nur ein Jammerlappen. Ein wenig musste ich innerlich lachen über mein Gequengel.

Vor mir schnaufte ein schwarz gekleideter Läufer wild und testosterongeladen vor sich hin. Die Geräuschkulisse war beeindruckt. Begleitet wurde diese Performance von einem regelmäßigen Ausrotzen von Speichel oder viel mehr Schleimagglomeraten, die sich kreativ im Wind drehten und zum Glück immer irgendwo neben mir in den Asphalt einschlugen.

Ich versuchte aus Sicherheitsgründen an ihm vorbei zu ziehen, da mir die Positionierung hinter ihm im Gegenwind und den regelmäßigen Absonderungen gefährlich erschien.  Ich zog neben ihn und es passierte was immer passiert, wenn solche testosterongeladenen Typen auch nur einen Hauch von Östrogen wittern. Er sprintete los wie von der Tarantel gestochen. Die Geräusche wurden proportional zur Geschwindigkeit lauter und die Schleimagglomerate größer. Beeindruckend und unterhaltsam zu  gleich. Nach drei Sprintmanövern war es dann allerdings aus. Ich zog vorbei und hatte mich aus dem Windschatten gerettet.

Die letzten Kilometer wurden noch ziemlich zäh. Ich hatte keine Ahnung wie viel Zeit ich verloren hatte, aber es war mir auch egal. Ich wollte nur noch ins Ziel und etwas trinken. Vor lauter Durst brummte mein Kopf nun noch mehr und mein Mund war ganz klebrig und trocken.

Ich schleppte mich mit 1:38:17 ins Ziel und war froh das Rennen geschafft zu haben und endlich etwas trinken zu können. Nach dem ich mich ordentlich bewässert hatte, gab es dann die Siegerehrung der Serie. Absolut unerwartet hatte ich tatsächlich den 1. Platz verteidigt. Und nun bin ich ganz schön platt und glücklich zu gleich und hoffe, dass ich bald wieder gesund bin und mich wieder saftiger fühle. Es ist schon ein wahnsinniges Privileg gesund zu sein.
Bis bald!